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BewegungsLernen

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Das BewegungsLernen

 

Für den Menschen, der dem Pferd eine freie Bewegungsentfaltung ermöglichen, und der seinen eigenen Willen nicht zu dem des Pferdes machen möchte.
 

Der sich nicht scheut, das Pferd zu einem freien, selbstbewussten Lebewesen in Eigenwahrnehmung zu erziehen. Der dem Pferd nie eine Fessel ist und deshalb alle Bewegungen zu zweit, frei von seinem eigenen Ego, gemeinsam mit dem Pferd erleben kann.

 

Das BewegungsLernen – damit das Pferd seinen Körper wieder versteht

Ein Pferd ist nicht einfach ein Pferd – erst durch die Anreize seiner Umwelt wird es zu einem Wesen mit einer ganz eigenen Bewegungsstrategie. Aber sogar in der Natur läuft die Bewegungsentwicklung des Pferdes selten wie am Schnürchen ab. Zu stark prägen die direkt umgebende Umwelt und der Alltag die Entwicklung des Pferdes, und manchmal legt eben auch der Mensch – direkt oder indirekt, dem Pferd riesengroße Hindernisse in den Weg.

Doch leider verwendet der Mensch viel zu viel Energie dafür, die Bewegungen des Pferdes zu unterdrücken als sie entstehen zu lassen. Nur – wenn das Pferd künstlich erzeugte Bewegungen erlernt, bei der sich das Pferd irgendwann in sich zurückhält und in seinem eigenen Körper unsicher wird, werden dabei die komplexen Nervennetzwerke beeinflusst und die Sinne unterdrückt. Ein hoher Preis, denn das Pferd dabei zahlen muss, denn wichtige Entwicklungsprozesse  finden nicht mehr oder nur eingeschränkt statt.

Für das Pferd bedeutet das einen Rückgang an Motivation, Verstehen, Behalten, Koordination und an der Bewältigung von kritischen Situationen. Auch das Sozialverhalten des Pferdes wird bestimmt von einem zunehmenden Rückzug und Rückgang seiner Eigenwahrnehmung.  Ablehnung, aggressive Verteidigung oder Abhängigkeiten von  Artgenossen(Kleben oder Verlustängste beim Pferd) und „sinnlosen“ Abhängigkeiten vom Menschen sind die Folgen davon.

Bedingungen für Bewegungen

Durch Forschung und Beobachtungen kann man inzwischen sehr gut nachweisen, welche Auswirkungen sich aus der Beeinflussung der Hirnnerven – auch für das Pferd ergeben.  Von diesen fundamentalen Grundanlagen für das perfekte Zusammenspiel eines Körpers weiß man inzwischen,  dass sich wie ein Schleier, Barrieren zwischen Wahrnehmung und Eigenwahrnehmung legen. Das Pferd verliert seinen eigenen Rhythmus und das Gefühl für sich selbst. Und ganz klar kann man in weiterer Folge einen Zusammenhang zwischen Muskelverspannungen, eingeschränkten Bewegungserfahrungen  und Bewegungserlebnissen erkennen, bei dem sich Muskeln zusammenziehen und verharren.

Die Natur im Pferd

Um die genetisch angelegten Möglichkeiten durch das Nervensystem in vollem Umfang nutzen zu können, braucht das Pferd deshalb optimale Bewegungsbedingungen, die ihm das Biomotorische Training mit seinen Übungen bieten kann, das mit seinen Fohlenspielen, mit den Primitivreflexen und der Sensopathie das natürliche Herdenverhalten und den Gemeinschaftssinn des Pferdes als Vorbild hat. Damit hat das Pferd wieder Zugang zu seinen in ihm angelegten Bewegungen, zu seinem Nervensystem, zu  Sinnen und  Organen, die dann wieder über das körperliche und emotionale Wohlbefinden des Pferdes entscheiden können.

Ja, das ist ein komplett anderer Ansatz, denn seit langer Zeit schon, glaubt man an die formende Kraft der Dressur. Oder daran, dass eine Bewegungsausarbeitung das Produkt von Belohnung und Strafe ist. Dazu baut sich der Mensch nur allzu gern zu einem Lehrer und Trainer des Pferdes auf – meistens mit dem Druck der Belastung im Nacken (bitte wortwörtlich nehmen – erster, zweiter und dritter Halswirbel). So gut gemeint und ausgefeilt die Ausbildungstheorien auch sind – sie gehen  am schlagenden Herzen der Bewegungsentwicklung des Pferdes glatt vorbei, und führen das Pferd nicht dorthin, wo sich das Pferd, genetisch vorgesehen, auf sein Leben vorbereiten muss – zu der Entwicklung seiner Sinne.

Sicherheit ist das einfache Konzept der Pferdenatur

Aber auch in der Natur kann nicht jedes Pferd seine Bewegungen ausleben. Die Biomotorik – die Eigenwahrnehmung, kann nämlich nur dann aktiv werden, wenn das Pferd sich sicher fühlt. Das heißt, wenn es in verlässlichen, gut geführten, feinfühligen Beziehungen zu anderen Lebewesen oder eben zum Menschen leben kann. Gestresste oder verunsicherte Pferde gehen nicht auf die Entdeckungsreise ihres Körpers – das ist vielleicht die interessanteste Erfahrung aus der Bindungsforschung des Herdenverhaltens.

Bewegungsentwicklung – von oben betrachtet

Zum Verstehen des Pferdes, kann und muss uns deshalb gerade in der heutigen Zeit, in der wir uns so weit von der Natur entfernt haben, das Herdenverhalten des Pferdes, ein Vorbild sein. Im Gemeinschaftsverbund der Pferdeherde wie bei der körperlichen Entwicklung des einzelnen Pferdes nimmt das Thema gefühlte Sicherheit, als Urbedürfnis den größten Raum ein. Mit den Anreizen der Umwelt von heute, kann es das Pferd eine Gelassenheit nicht mehr  selbst bekommen,  und mit den einseitigen Botschaften des Menschen auch nicht.

Wer einmal gesehen hat, wie besonnen und souverän die Leitstute ihre Herde leitet und führt, weiß dass man mit Drohungen, Strafen, Druck und Zwängen beim Pferd genauso wenig weit kommen kann wie mit der technischen oder mechanischen „Aufrüstung“ des Menschen. Wenn wir dem Pferd seine Sinne wiedergeben wollen, müssen wir dem Pferd also als erstes das Gefühl der Sicherheit und Gelassenheit geben, aber nicht über ein ständiges wiederholendes Sicherheits- und Gelassenheitstraining, sondern durch ein Verfeinern seiner Sinne.

Wie wichtig das für das Pferd in der Bewegung ist, sieht man erst, wenn der ganze Körper in einer Stabilisierungs-Starrheit begriffen ist, und – Stabilisierungsprozess bringt unweigerlich unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. Der Mensch lernt aber die Signale, die ein Pferd dazu unentwegt sendet, zu überhören, weil er damit beschäftigt ist, Reitanweisungen auszuführen –bis das Pferd schließlich ganz verstummt. Körperliche Enge, entstanden durch Anspannen der Muskulatur, starre einseitige Haltung und flache Atmung sind die Auswirkungen der Stabilisierung in der Bewegung.

Nicht vermittelbar

Nur die selber empfundene und gefühlte Sicherheit erlaubt dem Nervensystem, auf kontrollierte Art und Weise seine Kontrolle aufzugeben. Das kann nicht vermittelt werden, auch nicht durch ein noch so gutes Training. Sicherheit kann man weder beibringen noch anerziehen. Nein, Sicherheit und Gelassenheit müssen erfahren werden. Mit einer Bewegungsentwicklung bei der die Gelassenheit an erster Stelle steht, kommt der Pferdekörper Schritt für Schritt zu einer den unterschiedlichsten Situationen angemessenen Selbstregulation  seines Körpers.

Sicherheit findet das Pferd im Zusammenspiel seines Körpers – die Balance im Becken zum Beispiel, die den Körper trägt und unterstützt. Oder die so wichtige Balance im Genick, die keinerlei Anspannungen im Nacken und in der Brust erlaubt. Oder die Aktivität der Zwerchfelle. Weil aber alle Verspannungen Bewegungen enthalten, die irgendwann unterdrückt wurden, ist das Biomotorische Training der Weg, um den Spannungen zu begegnen, den Pferdekörper von unnötigen Spannungen zu befreien, und eigenen, gelösten Bewegungen eine Richtung zu geben, bei der sich Wirbel und Gelenke strecken können und Platz und Raum haben.

Das BewegungsLernen – die Seminare

Die Grundlage der Bewegungsseminare beruht auf der Tatsache, dass die Körperprozesse des Pferdes „erlernte“ und erfahrene Verhaltensweisen(meist durch den Mensch – aber auch der Umwelt) sind, und auch nur durch Beziehung und Bindung(wiederum meist durch den Menschen) verändert werden können. Es ist eine uralte Weisheit, das ein Pferd optimale Entwicklungsbedingungen vorfinden muss, um seine genetischen Anlagen zur Ausbildung eines zeitlebens lernfähigen, komplex verschalteten Körpers in vollem Umfang nutzen zu können.

Ein Pferd braucht viele und unterschiedliche Anregungen und Herausforderungen um sich ein möglichst breites Spektrum verschiedenster Bewegungen anzueignen und die dabei aktivierten Verschaltungen im Körper zu bahnen und zu festigen. Dazu braucht es eine feste, sichere Bindung zum Menschen bei der sein Selbstvertrauen in seinen Körper genauso wachsen kann wie das Vertrauen in die Fähigkeiten des Menschen, der ihm das Gefühl der Sicherheit bieten kann.

Als durchaus logische Konsequenz kann der Mensch den biomotorischen Umgang mit dem Pferd wieder erlernen, und sein Einfühlungsvermögen verbessern – denn wie sich ein Pferd entwickelt, kommt eben nicht von ungefähr und Bewegungen „wachsen“ nicht von allein. Die Sinne bilden auch heute noch das Fundament des Pferdekörpers und das Pferd braucht dieselben „Zutaten“ wie vor tausend Jahren, um sein Urvertrauen auszubilden.

Damit kann das Biomotorische Training auch als Gegenantwort auf die allgegenwärtige „Unterdrückung“ des Pferdes verstanden werden, indem es die Sinne des Pferdes wieder  „berührt“. Mit technischen und mechanischen Ersatzmitteln lässt sich dieser Verlust nicht kompensieren. Der Mensch kann sich nur mit dem Pferd verbunden fühlen, wenn es lebendig ist. Also muss das Pferd die Gelegenheit bekommen, diese Verbundenheit selbst, am eigenen Körper und mit allen Sinnen zu erfahren.

Der Mensch kann das Biomotorische Training als Mutmacher verstehen, um wieder sich und seinen Fähigkeiten zu vertrauen, die das Pferd in eine Bewegungsentwicklung leiten und  führen. Und um Körperprozessen anstoßen, die die höchste Bestätigung der Gemeinsamkeit zwischen Mensch und Pferd entstehen lassen – das Reiten.

So kann der Mensch durchaus wieder  erlernen, die optimalen Bewegungsbedingungen für die zwei wichtigsten Situationen im Leben eines Pferdes zu schaffen – für den generellen Umgang mit dem Menschen und wenn der Mensch auf seinem Rücken sitzt…

Das Biomotorische Training

Wenn das Pferd mit seinen Sinnen spielen darf – oder wie die Biomotorik über die Muskelkraft gewinnt

Es klingt fast verdächtig einfach. Sich als Mensch sehr eng mit seinem Pferd verbinden, die optimalen Bewegungsbedingungen für das Pferd erschaffen, die Neugier im Pferd auf mehr erwecken, seine Sinne- und Empfindungen trainieren und zugleich dem Organismus des Pferdes eine Ordnung zu geben – und das nur mit dem Biomotorischen Training?

Aus der Sicht des Körpers ist der Unterschied von erlernten, antrainierten, angewöhnten oder sogar erzwungenen Bewegungen zur Biomotorik, wesentlich. Eigene, im Körper angelegten Prozesse, die direkt aus den archaischen Tiefen des Gehirns kommen, werden aktiviert. Von „außen“ erzeugte Prozesse dagegen sind dagegen viel zu langsam für die feinsinnigen Gehirnareale, die Bewegungen steuern – mit diesen Körperprozessen springen leider nur Bewegungen an, die über  Muskelwahrnehmungen laufen, also genau jene, die dann auch für ein Gewohnheitshandeln zuständig werden.

Mit jeder „erfolgreichen“ Wiederholung gräbt sich ein Gewohnheitsmuster tiefer in den Körper ein, die daraus entstehenden Ausweichsmuskulaturen verhindern eine körperliche und emotionale Weiterentwicklung des Pferdes, machen eine Änderung der Bewegungsmuster unmöglich und stabilisieren den Körper in seinen Bewegungsabläufen.

Manchmal sind die wenigen tätigen Sinne dann so überreizt, das das Pferd zum Menschen distanzlos, unsensibel zu sich selber und dem Menschen gegenüber wird und ein dauerhaft grenzüberschreitendes Verhalten an den Tag legt. Eine wirksame, aber gar nicht kluge Maßnahme ist es, die verbleibenden Sinne einfach lahmzulegen. Wenn eine solche Eigenwahrnehmung fehlt, entsteht eine Lücke in der Wahrnehmung, dann kann auch eine ganz normale Information nicht mehr wahrgenommen, und damit auch nicht im Körper weiterverarbeitet werden. Eine fertig ausgebildete „angewöhnte“ und antrainierte Bewegung ist damit nackte Routine, ohne Emotion und Wahrnehmung.

Leidtragende sind die feinsinnigen Kreisläufe im Körper. Eine „Sinnlosigkeit“  für den Pferdekörper richten ihren Schaden in den Tiefen des Körpers an. Der Blutkreislauf, der Stoffwechsel – aber vor allem die Atemregulation geraten unberechenbar aus der Kontrolle, wenn sie nicht andauernd von wechselnden Reizen die über das Nerven- und Sinnessystem empfangen werden, „gespeist“ werden.

Die Biomotorik hat die Fähigkeit,  das Körpersystem über das Nervensystem zu informieren. Die dazu notwendigen Körperinformationen fließen automatisch, wenn die Bedingungen für den Körper stimmen.

Die Natur im Pferd

Aber auch in der Natur hat nicht jedes Pferd hat automatisch eine funktionierende Eigenwahrnehmung – sie „lauert“ zwar mehr oder weniger im Körper, jederzeit bereit um bei   entsprechenden Bedingungen aktiv zu werden. Da das  aber auch in der Natur nur der Fall ist, wenn sich das Pferd sicher und geborgen fühlt, ist das der nachvollziehbare Grund, warum viele Pferde auch in der freien Natur eine sehr eingeschränkte Biomotorik haben – die Bedingungen der Umwelt lassen auch sie oft nur noch reagieren – auf Gefahren von außen, auf Futter-oder Wassermangel, große Hitze oder Kälte, oder Regen. Das Pferd kann sich nicht auf seinen Körper und seine Empfindungen der Sinne konzentrieren, das kann das Leben des Pferdes schwer beeinträchtigen.

„Gelernte“ Bewegungsmuster kann man nicht einfach abschalten, denn das körperliche „Umlernen“ ist immer mit einem emotional vermittelnden Prozess verbunden und führt sich nicht von selbst aus. Das Biomotorische Training nimmt im Körper angelegte Anlagen zur Hilfe – wie zum Beispiel die Primitivreflexe, Koordinationsverschaltungen und vor allem die Sinne des Pferdes, die dabei aktiviert und immer mehr verfeinert werden.

Die Primitivreflexe

Die Primitivreflexe zum Beispiel reagieren hauptsächlich auf dynamische Reize, also auf Bewegungsveränderungen die in der Dynamik entstehen. Die schnell adaptierenden Sensoren schützen das Gehirn auf diese Weise vor belanglosen Informationen. Dabei sind Primitivreflexe für den Körper wie eine Jokerkarte, mit der Möglichkeit, sich über die Auswirkungen von älteren Ausbildungssystemen hinwegzusetzen.

Die Aufmerksamkeitsfokussierung ist ein energetisierendes und dynamisierendes Werkzeug des Körpers, um den Bewegungen eine andere Richtung zu geben und sie von unnötiger Kräftefressender Spannung zu befreien. Und zusammen mit den Koordinatinonskreisen bekommen die Körperteile wieder ein Eigenleben und die eigene Körperlichkeit kann freier wahrgenommen werden.

Mit diesen Körperinformationen jagen die Sensoren in Sekundenbruchteilen Signale an das Hirn und in den Körper. Bewusst erlernte Prozesse sind dagegen viel langsamer und müssen immer wieder mühsam wiederholt werden. Allmählich sickern neue Bewegungen in die Verschaltungen des Pferdekörpers, die den alten entgegenwirken und sie schließlich ersetzen. So kann das Pferd die Bewegungserfahrungen im Biomotorischen Training als durchweg positiv erleben.

Sie können keine Fehler machen

Deshalb kann der Mensch beim Biomotorischen Training auch nichts verkehrt machen. Die Freischaltung der Wahrnehmung, das Gehirn, die Sinne und die Sensoren des Pferdes sortieren für den Mensch vor, und schützen auf diese Weise das Pferd auch vor Fehlbewegungen des Menschen.

Die biomotorischen Übungen geben dem Menschen eine Unmenge von Möglichkeiten an die Hand – was daraus entstehen kann, sind individuelle, persönliche und unverwechselbare „Handschriften“ Eigentlich logisch, dass dabei unzählige, verschiedene „Handschriften“ entstehen –aber in einem können sich alle sicher sein, da beim Biomotorischen Training Prozesse ausgelöst werden, die im Körper angelegt sind – gehen sie nie gegen den Körper des Pferdes.

Dabei ist es immer wieder spannend zu beobachten, wie sich jeder Mensch, dem Pferd in seiner sehr persönlichen Art  anders auszudrückt, aber die Pferde die unverwechselbare, charakterisierende Individualität jeden einzelnen Menschen annehmen können, wenn der Mensch klar und lesbar ist.

Ihr Körper im Mittelpunkt

Alles was wir mit dem Pferd machen, entsteht  aus 95% Körper und nur 5% Handwerk des Menschen – übrigens auch das Reiten (siehe der Biomotorische Reitersitz – das Reiten aus Sicht der Biomotorik) Deshalb ist es un-„sinnig“  dem Menschen feste Verhaltensmaßregeln beizubringen, die sowieso bei jedem anders aussehen. Die Biomotorischen Übungen sind Möglichkeiten, die jeder Mensch für sich selber entdecken muss. Und keine Knöpfe die man drücken muss, damit der Pferdekörper eine neue Form bekommt.

Beim Biomotorischen Training erleben Sie – zusammen mit dem Bewegungsfluss ihres eigenen Körpers, mit Impuls und Bauchgefühl – das Handlungsspektrum auf der einen Seite erweitern und andererseits an die Bedürfnisse des Pferdes anzupassen zu können. Das Lernziel ist dabei, das Pferd wahrzunehmen, ohne das Gespür für die eigenen Reaktionen zu verlieren. So kann sich der Mensch auf den Rhythmus des Pferdes einlassen und erlaubt ihm trotzdem einen Blick darauf, wie das Pferd tief unter der Oberfläche der Muskeln – funktioniert.

Aber  nicht nur das Pferd bekommt seine Sicherheit, wenn sich der Mensch sicher ist, das er bei nichts was er macht, gegen den Körper des Pferdes geht, findet er damit zusätzlich Sicherheit in seinem Körper, die sich dem Pferd wieder mitteilt. Je klarer und lesbarer der Mensch in seinem Körper ist, desto weniger besteht die Gefahr, sich von Einflüssen die von außen kommen, aus der Ruhe bringen zu lassen, der Mensch kann die Signale des Pferdes annehmen und als Impuls nutzen.

Auf der Suche nach Sicherheit – wenn der Mensch wie ein Pferd handelt

Mensch gegen Pferd – das ist ein ungleicher Kampf. Im Biomotorischen Training lernt der Mensch das Pferd weder zu stören noch zu beeinflussen, sondern das Verhalten des Pferdes erstmal anzunehmen. Aber, wollen und tun, sind zwei grundverschiedene Dinge. Gerade die Gewohnheiten des Menschen können die Ausmaße des Grand Canyon annehmen, deshalb ist wichtig, das Bewusstsein dafür zu bekommen, dass sie zuerst in der Handlung sind und vom Pferd nicht zu einer Reaktion gezwungen werden, denn dass würde dem Pferd  das Gefühl der Sicherheit nehmen.

Die einfachen Übungen, die dem genetischen Herdenverhalten, den Fohlenspielen und den Primitivreflexen des Pferdes nachempfunden sind, helfen Ihnen dabei – und ersetzen eine ständige Selbstkontrolle, die äußerst anstrengend wäre. Vertrauen und Sicherheit bekommt das Pferd nicht in einer von uns Menschen kontrollierten Welt, sondern indem das Pferd seine Bewegungen selbst erleben kann, ohne dass der Mensch eingreift

Bewegungsbedingungen

Jetzt könnte man sich fragen, welchen Vorteil der Mensch  davon hat, dass das Pferd sich mit seinen aktivierten Sinnen im Körper bewegen kann? Nun, jeder Eingriff von außen in das empfindliche und hochkomplexe Biotop des Körpers, bringt laufend Ausbesserungsarbeiten mit sich – das kennen wir vom Wald. Je vielfältiger und vernetzter ein natürliches System ist, desto robuster ist es. Ideale Bedingungen also für freie ausdrucksvolle Bewegungen für eine Bewegungsentwicklung des Pferdes, bei der es Herausforderungen gerne annimmt und es seine volle Aufmerksamkeit auf den Menschen richten kann.

Zwischen orientierungslos und Zwang – die Dosis ihrer Hand macht es

Die Handhaltungsschulung macht ihre Hand für das Pferd berechenbar. Wenn das Pferd weiß, das das Gebiss ihm gehört, können wir damit das Nervensystem und die Sinne des Pferdes berühren, weil das Pferd jederzeit sicher sein kann, das keiner zieht, rührt, drückt und knetet. Es liegt in ihrer Hand die Bedingungen zur Bewegung zu erschaffen…

Stellen Sie einen Draht her

Mit der Genickentlastung wird das Genick keinerlei Druck ausgesetzt – es gilt die Null-Druck-Toleranz. Wenn sie sich jetzt fragen, wie das gehen kann, trotz allgegenwärtiger mechanischer Aufrüstung am Pferdekopf lesen Sie die Genickentlastung nach M. Pausch. Allein dafür ist ein grundsätzliches biomotorisches Verständnis ihrer eigenen Körperprozesse nötig, und deshalb durchlaufen die Teilnehmer das Körperseminar für den Menschen am Freitag, damit sie den Bewegungen des Pferdes mit ihrem Körper immer weniger im Weg stehen.

Der Biomotorische Reitersitz

Die Zeit ist gut, mit den Sinnen des Pferdes zu reiten, und nicht gegen sie

Kein Pferd MUSS geritten werden, deshalb sollte Reiten für das Pferd nie mit einem Auspowern des Pferdekörpers, einer Belastung oder sogar Überlastung verbunden sein, sondern mit einem gemeinsamen  Erleben mit dem Menschen, mit Sinne in Ruhe einsetzen, mit dem Gemeinschaftssinn zum Menschen stärken, seinen Körper in der Bewegung spüren, beim und mit dem Menschen viel Pferd sein zu dürfen und gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen.

Wenn wir über die Sinne reiten, lassen sich viele Widerstände des Pferdes schon früh entschärfen oder gar von vorneherein verhindern. Widerstand, Spannungen und Verspannungen des Pferdes sind kein Fehler im Plan der Natur – damit zeigt uns das Pferd an, wenn wir uns von seinem Körpersystem entfernen.

Deshalb gilt auch beim Reiten die Biomotorische Formel:

Zuerst muss der Mensch seinen Körper wahrnehmen können
damit er den Körper des Pferdes wahrnehmen kann,
damit das Pferd den Menschen wahrnehmen kann

Der Irrglaube, dass es beim Reiten um das Reiten geht

Es klingt auf den ersten Blick vielleicht merkwürdig, aber es ist so: Wenn Sie biomotorisch reiten wollen, geht es nicht um das Reiten, sondern um das, was beim Pferd ankommt. Genauer gesagt, es geht darum wie ihre Körperinformationen  beim Pferd ankommen. Der Mensch ist immer sehr erstaunt, dass im Seminar nicht geritten wird, aber nur mit der entsprechenden Vorbereitung ihres Körper können sie angemessen und ehrlich mit ihrem Pferd kommunizieren lernen, und nur so können sie ein Reiten erzeugen, bei dem das Pferd durch seine Sinne mit seinem Körper beteiligt ist, und sie nicht gegen den Pferdekörper anreiten.

Authentische Körperinformationen

Will man aber den eigenen Ausdruck erweitern, ist es erst mal wichtig das Reiten vom Pferd zu trennen. Die Trennung bringt den Menschen dazu, die eigenen Möglichkeiten in Ruhe auszuschöpfen und sich mit den eigenen, körperlichen Problemen und Hemmnissen zu konfrontieren, anstatt sie durch das Reiten auf dem Pferd zu umgehen und durch anhaltende und dadurch gewohnte Korrekturen des Pferdes, sich selbst immer wieder auszuweichen. Das Ergebnis der Trennung ist eine sehr authentische Verbesserung eines Körpersitzes, die weit über eine Begrenzung eines formellen Reitens hinausführt.

Reiten Sie ihr Pferd nach Pferdeart nicht nach Menschenart

Vielen Pferden fällt es schwer, mit dem spontan veränderten Gewicht klarzukommen oder mit den einschränkenden Signalen des Menschen umzugehen. Das Pferd muss erst erlernen, wie sein sich selbst organisierendes Körpersystem auch mit Gewicht bewegen  kann. Dieses „Erlernen“ geht nur über seine Sinne – alles andere verwirrt den Körper. Sie müssen sich vorstellen, dass das Körper- und Nervensystem des Pferdes sich immer wieder von einem Moment auf den anderen auf ein um mindestens 60kg schwereres Gewicht einstellen muss.

Oft kann das Pferd deshalb seinen Körper  selber nicht nutzen, weil eigene und gelernte Bewegungen  nebeneinander stehen und sich im Weg stehen. Bewegungen aber, die nur aus Muskeln heraus erzeugt sind, sind nicht frei,  aber anstrengend und kraftraubend. Für  ein Körperreiten sollte das Pferd sollte aber so feinfühlig  sein, um jede kleine Regung von ihnen verstehen zu können. Dazu braucht  der Pferdekörper die optimalen Bedingungen zur Bewegung.

Reiten Sie mir der Natur des Pferdes

Die biomotorische Fähigkeit des Pferdekörpers mit wechselnden Situationen umzugehen und sich darauf einzustellen zu können, entscheidet dann über die Qualität der Reiterei. Das Biomotorische Training als Sinnes- und Empfindungstraining und als Vorbereitung des Pferdekörpers, deckt all die dazu nötigen Körperinformationen ab.

Für eine Änderung seines vorherrschenden Bewegungsmusters beim Reiten braucht das Pferd eine gefühlte Sicherheit und großes Vertrauen zum Reiter. Ein Reiter, der sich selbst körperlich wahrnehmen kann, kann sich viel besser auf die Körperprozesse des Pferdes einlassen, ist lesbar und klar und umso bewusster kann der gemeinsame Dialog des Reitens gestaltet werden. Ohne dieses Verstehen des Pferdes wird der Mensch immer auf Technik und Mechanik, Gewohnheit und Wiederholungen zurückgreifen.

Das Pferd darf sie verstehen

Ihr Körper ist die unerlässliche Voraussetzung dafür, mit dem Pferd in jeden beliebigen Moment voll verbunden zu sein. Ihr Navigationssystem im Körper kann gut versteckt, zugedeckt oder schlecht eingestellt sein. Aber es ist da und kann verfeinert werden.

Das Seminar soll sie dafür sensibilisieren wie sie sich mit dem Pferd verbinden können, und welche komplexen Prozesse beim Reiten beteiligt sind, damit sich das Pferd auch mit Reiter bewegen kann, aber auch wo das Pferd davon abgehalten wird, sie zu verstehen. Nur mit diesem Verständnis können sie die Kontrolle über den Pferdekörper aufgeben und können leichter nachvollziehen wozu Körperprozesse von innen heraus angestoßen werden müssen, ohne aktiv in die Bewegung des Pferdes einzugreifen.

Ihren Körper richtig verwenden

Natürlich darf auch beim Reiten, ihr Körper ihren Bewegungen nicht im Weg stehen. Dazu ist das Körperseminar am Freitag da. Wie sich Kopf, Brustkorb, Bauchhöhle und Becken positionieren können, bestimmen die Art und Weise wie ihr Pferd Sie erleben und wahrnehmen kann. Mit der Erhöhung der Empfindsamkeit, und der Fähigkeit, kleinen inneren Signalen des Pferdes gegenüber aufmerksamer zu werden, öffnen wir bei ihnen einen größeren Handlungsradius.

Wer sich selbst bewegen kann, kann auch das Pferd bewegen – oder wie sie dem Pferd sagen, was sie sagen wollen

Für den Reiter entstehen durch das Körperseminar und den Körpersitz, viele und neue Möglichkeiten die eigenen Bewegungen zu erweitern, variabler auf Situationen mit dem Pferd zu reagieren und  sie aber auch umsetzen zu können, statt den wenigen Wahlmöglichkeiten von früher ausgeliefert zu sein.

Dabei verlieren sie nicht etwa ihren eigenen Stil, sondern Sie gewinnen an Ausdruck. Das Ergebnis ist eine enorme stilistische und reittechnische Verbesserung, die den Reiter über sein früheres Bewegungsrepertoire weit hinausführt. Damit stellt der Biomotorische Körpersitz einen wichtigen Schritt zu einer eigenen individuellen Handschrift, in der Kombination mit dem Verstehen, aber auch der Verständigung mit dem Pferd, unter dem Reiter dar.

Verbindung – auf die Dosis kommt es an

Denken Sie beim Reiten an die Funktion von  gehaltenen Muskeln und welche Körperfunktionen damit behindert werden? Zum Beispiel: die Muskeln rund um die Schulterblätter und an den Außenseiten der Rippen bewegen die Arme. Die Arme dienen dazu mit dem Pferd in Kontakt zu treten, zu geben und zu nehmen und aber auch um die Verbindung mit dem Pferd aufzubauen. Wenn diese Muskeln zusammen gehalten werden beschränkt der Reiter den freien Ausdruck der Arme.

Ihre Arme geben dem Pferd aber die nötige Sicherheit – ganz weit weg von ziehen, beeinflussen, lenken, oder einschränken. Ziel des Biomotorischen Reitersitzes ist es deshalb die fließenden und intuitiven Bewegungen aus dem Rumpf heraus zu leiten -reiten findet hinten statt – um diesen „Binnenfluss“ dann in die Gliedmaßen und zum Pferd zu entwickeln und damit den Bezug zum Pferd herzustellen. Wie wichtig diese Verbindung zum Pferd aber auch für das Pferd ist, lesen sie in der Genickentlastung nach M.Pausch.

Verboten: Machtspiele

Das Biomotorische Reiten verbietet sich selbsterklärend Machtspiele mit dem Pferd, bei der das Pferd manipuliert wird bis das gewünschte Ergebniss erzielt ist.
Das passiert, wenn der Reiter so  anstrengt ist, dass er sich in Lektionen verbeißt, die Balance zwischen dem aktiven Wollen und dem Geschehen lassen  verliert und so permanent gegen den Körper des Pferdes reitet.  Eine künstliche, formelle Beschränkung zwingt den Reiter Bewegungen technisch, grob oder unkorrekt auszuführen. Der Reiter kann sich selber  schlecht koordinieren, und bewegt mit einer gleichzeitigen Bewegung Arme, Rumpf, Kopf und Beine in verschiedenen Rhythmen.

So lernt der Mensch, ohne es zu wollen, die Signale, die der Körper des Pferdes aussendet, zu überhören, bis er sie schließlich nicht mehr wahrnimmt – der Pferdekörper ist damit auf „Blindflug“. Die mechanischen Informationen werden dann vom Pferd auch nur mechanisch umgesetzt. Auch das „Wollen“ – die Willkür des Menschen wird mechanisch in die Willkürmotorik umgesetzt – ohne das Nervensystem mit seinen Sinnen mit einzubeziehen.

Der Körper des Reiters und des Pferdes kommen immer mehr aus ihrer Sinnesverarbeitung heraus und müssen sich wechselseitig immer wieder mechanische Informationen holen, die immer stärker gegeben werden, weil beide Körper in ihren Sinnes-Informationswegen „abstumpfen“. Eine starre Haltung, ein Anspannen der Muskulatur und eine flache Atmung sind unter anderem die Auswirkungen im Pferdekörper.

Das Absichtslose Reiten

Mit dem Biomotorischen Reitersitz kommen Sie zum absichtslosen Reiten, bei der sich die Fähigkeit verstärkt, die fließenden Bewegungen auch nicht von den Bewegungsbedürfnissen des Pferdes durcheinander bringen zu lassen. Natürlich ist es wichtig, real zu reiten, den der Prozess des Biomotorischen Reiten braucht Zeit und Übung, Ruhe und Geduld – aber das Wichtigste ist die eigene Begeisterung dafür und eine gute Vorbereitung der beiden Körper, der Rest kommt mit der Zeit.

Alle Möglichkeiten, über die im Seminar gesprochen werden, stellen wesentliche Elemente des Pferdeverhaltens und des Bewegungserlebens dar. Das Biomotorische Reiten macht Pferd und Mensch „tierisch“ Spaß und einfach Freude, schärft die Aufmerksamkeit und gibt Energie. Damit kann sich der Mensch von der „Reiz- und Sinnlosigkeit“ der Wiederholung und der Gewohnheit beim Reiten entfernen. Das „Handwerkszeug“ des Reitens lernen sie dann eh beim gemeinsamen Reiten zu Hause allein oder mit dem Reitlehrer.

Reiten in dieser Kombination von körperlicher Herausforderung und gemeinsamer Gestaltung, nährt die Intelligenz der Sinne und befriedigt das Schönheitsbedürfnis und kann gerne auf Turniere mitgenommen werden.

Das Biomotorische Körpertraining für den Menschen

Der Mensch ist ein Teil des Körperprozesses des Pferdes, deshalb sollten ihre Bewegungen, den Bewegungen des Pferdes möglichst nicht im Wege stehen

Ihr Körper und das Reiten – auf den ersten Blick haben die zwei nicht so viel gemeinsam. Doch das stimmt nicht, denn das eine kann ohne das andere nicht. Nur wenn die Zusammenhänge in ihrem Körper stimmen, und ihre Bewegungen ihrem Körper nicht im Wege stehen, kann ihr Körper klare und lesbare Körperinformationen an das Pferd aussenden.

Da ihre Körperinformationen einen überaus wichtigen Anteil am Körperprozess des Pferdes haben, können nur unverfälschte Körperinformationen dem Pferd Sicherheit geben, aber auch Angst und Anspannung nehmen. Wenn es richtig gut läuft, stehen Mensch und Pferd in einem engen Dialog der beiden Körper und beeinflussen sich wechselseitig. Das bietet dann dem Menschen die Möglichkeit, das Pferd durch sein Körpergefühl zu „steuern“.

Mit der Zeit entsteht so eine eigene unverwechselbare „Handschrift“ ihres Körpers. Die Betonung liegt dabei auf der Suche nach ihrer individuellen Bewegungsfreiheit und einer intuitiven Koordination ihrer Körperteile. Es entsteht das Ideal einer „natürlichen“ Bewegung, die aus der Programmierung des einzelnen Körpers hervorgeht und aus den Tiefen ihres Körpers kommt. Ihr „funktionierender“ Körper sorgt deshalb dafür, dass auch das Reiten wie am Schnürchen klappt.

Der Körper in dem wir reiten

Die Rolle unseres Körpers ist dabei offensichtlich. Aber – Bewegungen die ihrem Körper im Weg stehen, bauen sich wie ein Panzer um ihren Körper. Auch die Aussagekraft ihrer Körperinformationen leiden darunter, werden schwammig und unlesbar. Verspannte Körperbewegungen können vom Pferd absolut nicht begriffen werden und sind eine Quelle von Unklarheiten und Konflikten. In der  letzten Konsequenz schaltet das Pferd die Kommunikation einfach ab, oder lehnt sich gegen ihre „ungerechten“ Bewegungen auf.

Biomotorische Bewegungen sind deshalb nicht die bloße Nachahmung von vorgeschriebenen Bewegungen und haben nichts mehr mit disziplinierenden und dem Körper auferlegten, oder einstudierten Bewegungen zu tun. Denn werden die „auswendiggelernten“ Bewegungsabläufe von ihnen sehr oft durchgeführt, kommt es in der Folge meist zu schmerzhaften Verspannungen bis hin zu Abnutzungen, die aber nicht aus der Belastung entstehen, sondern aus den Körper belastenden, falschen Bewegungsmustern.

Verfälschte Körperinformationen

Ein weiteres isoliertes „Training“ von „Gewohnheiten“ verkürzt ihre, ohnehin von zu viel Sitzen und zu wenig Bewegung verspannten Muskeln, noch mehr. Bewegungen werden anstrengend, weil sie nicht mehr optimal ablaufen. Und alles was für Sie anstrengend ist, ist es für ihr Pferd auch.  Alle körperlichen „Zustände“ des Menschen verfälschen die Körperinformationen an das Pferd – sie kommen nicht beim Pferd an.

Man sollte dem Pferd immer einen guten Reiterkörper anbieten, damit das Pferd Lust hat, damit umzugehen

Der unabhängige Reiter

Das Entdecken der tief aus dem Körper ausgehenden Bewegungszusammenhänge ist das Grundprinzip der biomotorischen Bewegungen.  Es entstehen und entwickeln sich „richtige“, das heißt ihrem Körper entsprechende, eigene individuelle Bewegungen, die durch den Aufbau ihres Körpers vorprogrammiert sind. Ihr „freier“ – nicht von Muskelzügen – und Kräften eingeengter Körper – ist für ihr Pferd differenter, wandelbarer, aussagekräftiger, lesbarer und klarer. Erinnern Sie sich? In alten Reitlehren wurde noch der unabhängige Reiter  gefordert.

Der festgehaltene Mensch

Es ist wichtig zu wissen, dass verfälschte Körperinformationen aus den körperfern „gehaltenen“ Gliedmaßen gegeben werden. Das ist von großer Bedeutung, denn wenn die Beine keine Zick-Zack-Bewegung und die Arme einen viel zu langen Hebel haben, können auch scheinbar gute Bewegungen Schäden bei der Lesbarkeit und Klarheit verursachen. Wenn dann noch eine gebeugte Haltung dazu kommt….

Die Sprache ihres Rumpfes

Das Reiten eines Pferdes ist ja schlicht und einfach eine Informationsübertragung zwischen Mensch und Pferd. Dazu muss der Mensch Körperinformationen geben können, bei denen er sich, seinen Körper und seine Bewegungen spüren kann. Bei einer guten Koordination arbeiten die Muskeln und Knochen unserer Gliedmaßen ganz ohne unser Zutun harmonisch, uneingeschränkt und flexibel zusammen. Es geht nicht um perfekte Reitbewegungen, sondern um Bewegungen die aus ihrer „goldenen Mitte“ kommen – von der Rückseite ihres Körpers kommen – und nicht von den Gliedmaßen.

Was den meisten nicht bewusst ist: für ihr Körpergefühl und jeder noch so kleinen Bewegung auf dem Pferd, ist ihre Wirbelkette beteiligt. Jede Bewegung, die sie mit der Hand oder dem Arm machen – und wenn sie nur mit dem Ringfinger klimpern – hat mit ihrem Rücken zu tun. Da ihr Körper aber eine Einheit ist, müssen alle Körperteile mitarbeiten: die Schultern, der Nacken, der Rücken – dies setzt sich fort bis zu den Füßen und den Zehen.

Ein „schlechter Sitz“ oder ein festgehaltenes, für das Pferd „leeres“ Gehen kann also durchaus mit ihrer Handbewegung zu tun haben – oder mit ihren festgehaltenen Zehen. Die Muskeln verkrampfen sich aufgrund einseitiger oder falscher Belastung und beeinträchtigen die Beweglichkeit der Wirbel und beschädigen die Bandscheiben. Allein wenn sie ihren Arm ungünstig benutzen – vielleicht aus einer Gewohnheit aus ihrem Alltag heraus, muss ihre Wirbelkette einen Ausgleich schaffen, indem sie Muskeln anspannt und dagegenhält. So werden sie allmählich zu einem mäßig funktionierenden Automaten, der nur einen verschwindend kleinen Teil seiner Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten nutzt.

Unsere Wirbelkette als Stoßdämpfer

Die wichtigste Bewegungsfunktion hat deshalb unsere Wirbelkette – und zwar in all ihren Abschnitten. Eine bewegliche Wirbelkette, ist ohnehin auch für ihren Körper viel gesünder als eine „Haltung“ weil sie in ihren Wirbeln wie ein Stoßdämpfer funktioniert (auch für das Pferd)- und Wirbel und Bandscheibe weniger belastet.

Kraft und Dehnung lässt unsere Muskeln erstarren – unser Bewegungsapparat ist ja auch ausschließlich für dynamische Bewegungen konzipiert. Geht es ihr Körper schlecht an, mit viel zu viel Aufwand und einseitiger Kraft, wird ihre Bewegung zu einer Last für das Pferd. Und egal was sie mit ihrem Pferd tun – im Laufe der Zeit stellen sich bei ihnen und ihrem Pferd Beschwerden ein, die bei beiden nicht wahrgenommen werden – bis es zu viel wird.

Ihr Becken ist ihr größtes Kapital – das Becken als Reitzentrum

Merkwürdigerweise kommt der Mensch viel zu selten auf die Idee, das der Grund für „Sitzprobleme“ schlicht und einfach daran liegt, wie sich das Becken – also das Teil unseres Körpers, dass das Pferd berührt – bewegen kann. Die beste Strategie sind also weder Kräftigungsübungen noch ist eine Sitzhaltung, sondern die für den Körper vorgesehene Bewegung des Beckens – aber, ganz wichtig – aus den Krümmungen der Wirbelkette entstehend.

Dabei ist unser Becken so eine geniale Konstruktion. Alle starken Muskeln haben Verbindungen zum Becken. Und weil sowohl die Aktion ihrer Arme und Hände, wie auch die ruhende Stille ihrer Beine von der Bewegung des Beckens abhängt, ist es durchaus logisch, den Beckenmuskeln die Führung zu überlassen und es nicht im traditionellen Korsett von Muskeln oder sogar vom Sattel abstützen zu lassen und damit in seiner Bewegung einzuengen.

Balancieren Sie sich durch ihr Becken aus,  denn das ist die Beckenbalance die ihnen Gleichgewicht gibt, und machen sie es ihrem Becken unmöglich, dass es sich steif hält. Es wären unweigerlich Rücken und Schultergelenke, Hände, Arme und Beine davon betroffen. Am allerschlimmsten trifft es dabei aber ihr Genick – denn das muss dem steifen, festgehaltenen Becken gegensteuern. Die unausweichliche Folge ist, dass die fehlende Genickbalance alle Hirnnerven betrifft.

Damit unser Bewegungsapparat auch beim Pferd funktioniert, ist das ausbalancierte Verhältnis zwischen Rumpf und Kopf und Hals vorrangig. Für ihre optimale körperliche Koordination ist die Beziehung zwischen diesen Körperbereichen entscheidend für eine freie Steuerung all unserer Bewegungsabläufe. Der Kopf sollte – bei allen Bewegungen auf und mit dem Pferd – möglichst gerade ausgerichtet mit dem Wackel-Dackel getragen werden. Ihre Sinne können so über ihre Augen wahrnehmen, und Informationen kommen auch beim Pferd über seine Wahrnehmung an.

Ihrem Körper nicht mehr im Wege stehen

Beim Biomotorischen Körperseminar ist ihr ganzer Körper dabei und wird mit einfach nachvollziehbaren Bewegungen beschäftigt, die über das Nervensystem verstanden werden. Damit  aktiviert es auch Körperbereiche, die sich eigentlich bewegen sollten, bzw. könnten und es aber nicht tun. Durch die sinngetränkten Bewegungen wird ihr Körper beweglicher und hat mehr Möglichkeiten für innere Bewegungen, die wiederum ihren Stoffwechsel, Kreislauf und Blutzirkulation unterstützen.

Körperinformationen geben können – die Lesbarkeit ihres Körpers

Im Körperseminar für den Menschen möchten wir ihnen die immens wichtige Bedeutung von Bewegungen die über das Nervensystem laufen, am Beispiel und Vorbild ihren eigenen Köpers näher bringen. Bei  ihnen entsteht dabei ihr eigenes, persönliches, biomotorisches Bewusstsein, davon kann auch das Pferd profitieren kann, wenn das Körperseminar in ein dreitägiges Bewegungsseminar eingebunden ist.

Mit den Biomotorischen Bewegungen wählt ihr Körper automatisch auch die leichteste Möglichkeit mit und auf dem Pferd – und weil diese Bewegungen über ihr Nervensystem im Körper transportiert werden, kann ihr Pferd sie mit seinen offenen Sinnen „lesen“. Ihr Körper braucht keine – meistens störenden – „Hilfen“ mehr geben, die den Körper sowieso nur verziehen und verspannen würde, sondern der Körper „spricht“ mit der Einfachheit und Schlichtheit seines unverwechselbaren Körperausdrucks mit dem Pferd. Damit sind die biomotorischen Körperseminare die unersetzliche Vorbereitung zu allem, was sie mit ihrem Pferd machen.

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