Print Friendly, PDF & Email

Jede Veränderung ist eine Tür, die man nur von innen öffnen kann (Französisches Sprichwort)Wirbelkette 2 Kopie (2)

Die Tiefe Bewegung ist Spezialist für Situationen und zugleich die ehrlichste Bewegung des Körpers.

Die Tiefe Bewegung ist ein Stimulator und Motivator des eigenen Körpers. Die Bewegungen die mit der Tiefen Bewegung ausgeführt werden, gehen mit verschärfter Sensibilität, größerer Wachheit und höherer Begeisterung einher. Die Aufmerksamkeit verstärkt sich und plötzlich ist der Körper voll bei der Sache, optimistisch, voller Selbstvertrauen und gespannter Erwartung – auch für das Pferd ein großartiger Zustand. Dabei ist es nicht die Tiefe Bewegung allein die den Körper in einen  Zustand des körperlichen „Erfolgserlebnisses“, starker Freude, positiver Überraschung seines eigenen Körpers bringt, sondern das was es an Folgereaktionen im Gehirn auslöst. Es ist ein andauerndes, lustvolles Bei-sich-selbst-Sein, bei dem das Gehirn diese Bewegungen umso besser speicher kann, weil der Körper diese Bewegungen einfach stolz erlebt.

Durch sanftes, eigenes Auflösen von Anspannung steht die zuvor gebundene, festgehaltene Bewegungsenergie dem Körper wieder zur Verfügung.

In der Tiefen Bewegung profitiert der Körper nicht wie manchmal üblich, durch das Erreichen eines Zieles oder eine Belohnung, sondern durch die Tätigkeit, und nicht wie bei einer äußeren Bewegung „angelegt“. Dieses „Anlegen“ vergleiche ich gerne mit dem Anlegen eines Kleidungsstücks – es liegt am Körper an, aber es gehört nicht zu einem. Für eine angelegte, äußere, passive Bewegung dagegen zahlt das Pferd oft einen hohen Preis, in Form von Spannungen, Müdigkeit, einer inneren „Leere“ oder vielleicht sogar einer Depression.

Körperliche Passivität ist ein hoher Stressfaktor, physisch wie psychisch( wie Durchgehen, Bocken, Widerstände). Die Tiefe Bewegungen sind motorische Bedürfnisse und verstärken im Gegenteil die Aufmerksamkeit des Pferdes und fördern den Wachstum von Bewegungsverbindungen ( und zwar entsprechend eines eigenen individuellen Rhythmus und Bewegungsbedürfnisses.

Die Tiefe Bewegung – im Dienste des eigenen Körpers

Doch bevor Sie die ersten Schritte unternehmen um die Tiefe Bewegung für sich und Ihrem Pferd s zu entdecken, möchte ich etwas genauer auf die besondere Wirkung der Tiefen Bewegung auf den Körper eingehen.

Ein Beispiel aus dem Pferdealltag:

Wenn sich ein Pferd bewegt, nimmt es die meisten Reize über seine Augen (eingeschränkt), über Nase und Ohren – ganz viel über das Maul, über die Hufe und vor allem über den gesamten Körper (Tiefensensibilität) auf. Gleichzeitig steuert es die Bewegungen der Beine (Motorik). Der Körper hat zwar keine „Augen“, funktioniert durch den einzigartigen Aufbau aber wie ein großes, gesamtes Sinnesorgan. Die Wahrnehmung findet über verschiedene Rezeptoren in den Gelenken, in den Muskeln, Sehnen und Faszien über Nerven und Nervenbetten statt.

Kleinste Sinnesreize werden von den Rezeptoren des Körpers aufgenommen und blitzschnell an das Rückenmark und das Gehirn weitergeleitet. Die Hauptantwort darauf erfolgt zunächst unwillkürlich und genauso blitzschnell vom  Rückenmark an unser Bewegungssystem. Erst verzögert, also wenn unser Körper schon längst auf die Sinnesreizung reagiert hat, nehmen wir diese Situation im Kopf bewusst wahr. Durch diese Schnelligkeit schützt sich der Organismus vor Schädigung.( Carsten Stark)

Wenn wir diese Sinnesreize dauerhaft umgehen und eine Bewegung beim Pferd von „außen“ erzeugen, oder sogar erzwingen, sprechen wir von einer äußeren Bewegung – die auf Dauer negative Folgen für den Körper hat.

Die erste Grundregel des Körpers lautet daher: je besser und gleichmäßiger die Tiefe Bewegung im Körper umgesetzt werden kann, desto wahrscheinlicher ist das harmonische Zusammenspiel der Körperfunktionen, der Organsysteme, und natürlich – für uns nach außen sichtbar – für die Bewegung des Pferdes in der Reinheit seiner Körperfunktionen.

Es sind viele, viele Bewegungseinheiten, -faktoren, -kleinigkeiten, die sich miteinander Informationen liefern, woraus sich schließlich die Bewegung des Pferdes zusammensetzt. Das Muskelbild des Pferdes ist daher wie ein Fenster in den Körper des Pferdes und vermittelt einem präzise den Ist-Zustand der Körper- Organ- und Bewegungsfunktionen und lässt leicht Rückschlüsse auf den Gang zu. Wer es vermag, diese Muskelkartografie zu lesen, dem eröffnet sich eine spannende Welt.

Je mehr Einfluss desto schlechter

Nun meinen viele Reiter, sie tun Ihrem Pferd etwas Gutes, wenn Sie es mit einer guten Reitlehre „korrigieren“ oder mit mechanischen Hilfen den Körper „ausbilden“. Davon kann ich nur dringend abraten, denn es ist die Belastung auf eine falschen körperlichen „Grundlage“ – der Pferdekörper ohne Tiefe Bewegung, der das Pferd leider weiter deformiert.

Interessanterweise treten die meisten Verletzungsanfälligkeiten, Beschwerden und Unreitbarkeiten selten akut auf sondern durch einen ungesunden Entwicklungsprozess auf, der von „außen“ nicht immer sichtbar ist. Was wir sehen, ist immer nur die Spitze des Eisberges – und eigentlich erst dann, wenn es meist schon zu spät ist. Wieder ein Beispiel aus dem Alltag: Auch unseren Alterungsprozess können wir nicht wahrnehmen: An einem Morgen wachen wir auf und merken, dass wir älter geworden sind. Den Prozess im Inneren haben wir nicht gespürt. Oder wenn, dann in seinen negativen Auswirkungen.

Der Reiter wiegt sich derweil in der Sicherheit, alles richtig gemacht zu haben – möglicherweise signalisiert das Pferd sogar Zufriedenheit – doch der Prozess im Inneren des Pferdes geht weiter. Und äußert sich in den Modekrankheiten Stoffwechselprobleme, Atemprobleme oder in chronischen Belastungsabrieben der Gliedmaßen oder der Gelenke.

Und schmerzt es eben dann doch irgendwann – das ist nur möglich, weil das Gehirn durch die verschobenen Belastungsanreize viel zu wenig richtige Informationen bekommen – zum Schaden des Körpers. Hier fehlen schlichtweg die Propriozeption (Sensoren der Gelenke) das richtige Atemkonzept des Pferdes und übergeordnet die Tiefe Bewegung.

Gerade die Unbeweglichen sind sehr zäh in ihrem Festhalten an irgendwelchen „Sicherheiten“

Ein Trend, den man seit Jahren aus der „Reitindustrie“ beobachten kann, ist, dem Pferd mit Hilfen zu helfen, mit Hilfe vieler „Bewegungserleichterungen“  wie z.B. „ruhig liegenden“ Gebissen! Hilfszügeln und Sätteln in denen der Reiter zur Unbeweglichkeit verdammt wird und das Pferd die Aufprallwucht des Reiters ertragen muss (Billiardkugeleffekt), die den Pferdekörper mehr belasten, als ihm zu dienen.

Durch die fragwürdige Sicherheit, die dem Reiter durch Leichttraben, – durch Verspannungs- und Verbiegetechniken, durch Longieren auf großen Kreisen etc. gegeben wird, erhöht sich die Laufgeschwindigkeit des Pferdes, weil die Schnelligkeitsbremse, die sich durch die Tiefe Bewegung einschalten würde, umgangen wird. Dadurch arbeiten die Muskeln zusätzlich zur falschen Körpergrundlage im anaeroben Bereich, was sie auf Dauer zerstört.

Der Pferdekörper schützt sich allerdings davor, indem er die Muskeln „zu“ macht, worauf diese hart und steif werden, anfangen zu schmerzen und die Tätigkeit verweigern. Die Muskelsehnen verschiedener Bereiche werden extrem angespannt – der Begriff der Trageerschöpfung ist geboren.

Die Konsequenz

Ein anderes Beispiel: Wenn das Pferd ein Hinterbein weniger belastet (meist das rechte)dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass das Becken verschoben in die Bewegung eingeht und dass sich diese ungleiche Belastung auf die Stellung der Wirbelkette auswirkt. Anfangs unbemerkt, nimmt der Körper eine Ausweichbewegung ein. Er hält zum Beispiel die diagonale linke Schulter fest, dadurch muss der den Kopf/Hals nach links neigen um der drohenden Dysbalance auszuweichen.

Wird so nur ein Bein weniger belastet, ist der Körper schief – er kann nicht „gerade“ stehen, geschweige denn laufen. Ein dadurch ungleichmäßiges Auf fußen führt ganz zwangsläufig dazu, dass der Körper diese Dysbalance ausgleichen muss. Dementsprechend werden bestimmte Muskelzüge im Körper stärker angespannt, andere weniger. Somit kommt es zu einer Fehlhaltung in der Struktur, also im Körperskelett, aber vor allem zu Verschiebungen in der Wirbelkette.

Nicht nur, weil sie sich tatsächlich verschiebt, sondern weil sich die natürlichen Wirbelabstände verändern. Die Wirbel – oder auch Tiefenmuskulatur genannt – eine der wichtigsten „inneren“ Muskulaturen, die dem Körper einen ungestörten Informationsaustausch gewährleisten, gestalten sich um. Und wie im „Großen“, wie in der äußeren Muskulatur werden diese Wirbelmuskulaturen einige mehr angespannt, andere weniger. Die Freiheit und der Raum die die Wirbel haben und die Bandscheiben die die Wirbel abpuffern sind wie Indikatoren für die freie Bewegung, denn wir können sicher sein, das sich diese „Unstimmigkeiten“ auch im restlichen Körper wiederfinden.

Hat das Pferd zum Beispiel eine einseitige Beckenbewegung ist die Tiefe Bewegung gestört – die Bewegungseinschränkungen werden auch an anderen Stellen des Körpers – zum Beispiel in der diagonalen Schulter, im Hals und im Maul auftreten.

Und all das zeigt uns das Maul: Jede Verschiebung die in der Wirbelkette vor sich geht – jede Bewegungseinschränkung und jede ungleichen Verspannungszustände zeigt uns das Maul des Pferdes.

Merkmal der Tiefen Bewegung

Die Tiefe Bewegung ist nicht nur das was Sie für Ihr Pferd tun können,   damit es sich frei bewegen kann und Eigenaktivität entwickeln kann,  reiterlich bezeichnet man die Tiefe Bewegung als Durchlässigkeit oder Losgelassenheit und wissenschaftlich gesehen stellt die Tiefe Bewegung die einzige Verbindung vom Gehirn zum Becken dar.

Die Tiefe Bewegung entsteht durch Tiefensensibilität – sie löst im Körper Tiefenentspannung aus, egal ob das Pferd sich stark bewegt oder ob es ruht und führt das Pferd sogar in der Bewegung zur Tiefenatmung.

Der Pferdekörper ist in der Tiefen Bewegung ehrlich. Die Äußeren, herbeigeführten Bewegungen sind dagegen zwar angelegt (wie man ein Kleidungsstück anlegt) – aber erst die Tiefe Bewegung verlinkt und verschaltet sie mit dem ganzen Körper und dem Gehirn.

Der Pferdekörper zeigt ihn in der Tiefen Bewegung alles was nicht korrekt funktioniert. Das Pferd drückt über seine Gestik, über die Atmung, über die unterschiedliche Belastung seines Körpers seinen Ist- Zustand aus. Damit muss der Reiter erst mal klar kommen, sich damit auseinandersetzen wollen und der Ursachenfindung eine Chance geben.Wirbelkette 2 Kopie (2)