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Die Natur des Pferdes – DAS BIOMOTORISCHE TRAINING

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DIE NATÜRLICHE BEWEGUNG DES PFERDES – DAS BIOMOTORISCHE TRAINING

„Bewegen kann sich mein Pferd, warum soll ich das noch mit ihm lernen“?

So schön die feine Reitkunst irgendwann sein kann, aber es verwundert doch immer wieder, dass der Mensch es anscheinend nicht hinbekommt, das Pferd auf den Menschen und auf den Reiter, auf die zusätzliche Last, auf die andere Art der Aufmerksamkeit, der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, auf eine andere Bewegungsverteilung und Bewegungsrhythmus, vorzubereiten.

So sind die meisten Pferdekörper überhaupt nicht dafür gerüstet, sich Verletzungs- und Beschwerdefrei an den Menschen anzupassen. Die reine, ständig erzeugte Mechanik des Pferdeskelettes reicht nicht aus um das Pferd zur Bewegungsfähigkeit zu „erziehen“ und der Zwang sich besser, anders oder reittechnisch zu bewegen, ruft in Folge im Körper des Pferdes jede Menge Kompensations-, Schutz-, und Ausweichsmechanismen hervor, die es dem Pferd erschweren oder sogar verhindern, ihre ursprünglichen, unbewussten oder reflexhaften Bewegungen zu wecken.

Vom „gehorsamen“ neben-dem-Menschen-her-gehen bis hin zum Bewegen mit einer zusätzlichen Last auf dem Rücken und mit einer Beeinflussung im Genick, ist einfach für den Pferdekörper  etwas ganz anderes als ein „natürliche“ Bewegung. Und hat deshalb auch ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Bewegungsfähigkeit und auf den Pferdekörper selber.

Die Form der Knochen und die Länge der Strukturen passen sich sehr schnell an die am meisten angenommenen Haltung und Gewohnheiten an, deshalb  bewegen sich die meisten Pferde so ineffizient, dass sie mit ihren Bewegungen selber zu Rücken-, Gliedmaßen-, Atmungs- oder organischen Problemen beitragen.

Automatisierte Bewegungsabläufe verursachen in Folge Abnutzungen, Beschwerden, Sehneneinbindungen, Ausweichsmuskulaturen und Bewegungseinschränkungen, vermindern die Bewegungsqualität des Pferdes und schädigen in einem negativ verlaufenden Körperprozess die Wahrnehmung und die Funktionen des Pferdekörpers. Der Körper des Pferdes reagiert eben sehr sensibel auf Bewegungen, aber auch auf einen Mangel daran.

Der  Mangel an Bewegungsfähigkeit lässt sich aber weder durch Training noch durch Reiten kompensieren, obwohl genau das, ganz gerne dem Reiter eingeredet wird. Beides, Training und Reiten sind immer nur ein kleiner, ein  „erzeugter“ Teil der Bewegungsfähigkeit des Pferdes.

EINGESCHRÄNKTE BEWEGUNGSFÄHIGKEIT

Das Schwierige bei künstlich erzeugten Bewegungen ist, das man kaum sagen kann, an welchem Punkt eine künstlich erzeugte Bewegung zur körperlichen Belastung wird. Und – jedes Pferd geht mit den Belastungen einer Bewegung anders um – außerdem ändert sich die Belastungsresistenz  mit dem Alter, mit den Bewegungserfahrungen, mit dem allgemeinen Gesundheitszustand und sogar mit den vielen „normalen“ Faktoren des Alltags, wie Futter, Hufe, Hitze, Kälte etc.

IM BIOMOTORISCHEN TRAINING LERNEN SIE DEN WEG IN DIE FUNKTIONALITÄT DES PFERDEKÖRPERS KENNEN

Die Konzentration auf die Funktionalität des Pferdekörpers und die Gesetzmäßigkeiten vom Gehirn koordinierter Bewegungsabläufe im Biomotorischen Training hilft dem Pferd seine „innere Natur“ zu finden, was nichts anderes bedeutet, als das biomotorische Bewegungen spinale, rumpforientierte und organische Bewegungen sind, bei denen die Bewegungsareale des Gehirns zugeschaltet sind.

Im Vergleich zu einer Bewegung die stupide 1000 Mal wiederholt wird und vielleicht die Bewegung im Körper bahnt, aber das Bewegungsverständnis und die Bewegungserfahrungen des Pferdes nicht bereichert hilft das biomotorische Wiederholen einer Bewegung dem Nervensystem die Nervenschaltungen zu trainieren und schafft neue Verknüpfungen im Körper. Bei jeder Bewegung geht eine alte „Idee“ zu Grunde und eine neue geht daraus hervor. Das ist Bewegungsentwicklung und das ist das BewegungsLernen.

Die meisten vom Menschen erzeugten Bewegungen verändern weder das Bewegungsverhalten noch das Bewegungssystem des Pferdes. Erst die Biomotorische Bewegung – das heißt die Eigenwahrnehmung des Pferdekörpers mit allen Sinnen und dann die Integration – das Markern des neu Erlernten, kann die Bewegung und die Strukturen langfristig verändern, sowie mechanische Belastungen reduzieren. In der unbewussten Bewegung liegt das Potenzial zur Bewegungsentwicklung, in der körperlichen Eigenwahrnehmung das Potenzial zur Veränderung.

DAS BIOMOTORISCHE TRAINING

Die meisten Bewegungseinschränkungen lassen sich mit fast keinem zusätzlichen Zeitaufwand durch das Biomotorische Training rückgängig machen. Dafür können Sie durch die „Grundbewegungen“ die Grundlage für alle Bewegungen schaffen und damit die natürliche Bewegungsfreiheit IM KÖRPER des Pferdes ohne viel Aufwand wieder (zurück)gewinnen. Zu Gute kommt,  dass der Körper des Pferdes – wie der Mensch ist auch – von Beginn seiner Existenz an darauf ausgerichtet, sich zu bewegen und alles dafür Erforderliche bereit hält.

BIOMOTORISCHE GRUNDBEWEGUNGEN

Das Zusammenspiel des Bewegungssystems bis zu einem harmonischen Ganzen und zu einer Funktionellen Einheit, ist das Ziel und zugleich die Herausforderung an den Menschen. Kopf, Brustkorb und Becken – also die drei großen Krümmungen der Wirbelkette – bilden den Stamm. Schulter und Hüfte die „großen Gelenke“ und die Gliedmaßen die „kleinen Gelenke“. Die einzelnen Gelenke werden in sich zentriert, die Strukturen im Gleichgewicht. Bewegungsfähigkeit und Belastung gleichmäßig verteilt. Die Bewegung des Pferdes in ihren Bedürfnissen zu verstehen, erleichtert dabei vieles (siehe auch „Bewegung verstehen“ auf unserer Webseite).

Es werden keine Bewegungen „erzeugt“…

Biomotorische Übungen sind Bewegungen, die das Pferd nicht einfach auf gut Glück und irgendwie bewegen, sondern bewusst die angeborenen, rumpforientierten, spinalen Bewegungen fördern. Das Pferd muss keine „neuen“ Bewegungen trainieren, sondern sein Körper kann sich an seine angeborenen Bewegungen erinnern, und kann unbeschwert zeigen, was er kann – denn die Natur im Körper übernimmt die Bewegung.

…und plötzlich steckt in jeder Bewegung eine Übung

Wenn wir die Bewegungen des Pferdes auf der Biomotorischen Ebene betrachten, bekommen wir einen Eindruck davon wie LEICHT es ist, sich gesund zu bewegen, und wie LEICHT und unbeschwert Bewegungen sein können. Die konventionelle Vorstellung, wir müssten hart dafür arbeiten (sprich: viel trainieren oder reiten) um das Pferd in der Welt des Menschen gesund zu bewegen, ist nicht unbedingt falsch, aber sie setzt die richtige Reihenfolge einer aufeinander aufbauenden Bewegungsentwicklung im Pferdekörper voraus.

DIE VORSCHLÄGE DER NATUR ANNEHMEN

Mit der Bewegungsentwicklung des Pferdes macht die Natur uns einen perfekten Vorschlag, um das Pferd zu „bewegen“ – das heißt: Bewegungen erfahren, erproben, integrieren und verändern. Auch im Biomotorischen Training nutzen wir die Sinne und die Nervensysteme des Pferdes. Das ideale „Bewegungslernen“ für das Pferd spricht die Sinne des Pferdes an, damit sich einfache aber auch komplexe Bewegungsmuster frei im Pferdekörper entfalten können.

Mit Bewegungen die die Gehirnareale „berühren“, kann der Pferdekörper seine Bewegungen über den ganzen Körper verteilen und die Strukturen gleichmäßig belasten. Nur dann kann man von einer „inneren Balance“ des Pferdekörpers sprechen. Bänder und Sehnen werden dabei  im Rhythmus des Körpers gespannt und gelockert, Muskeln gedehnt und kontrahiert, und die Gelenke be- und entlastet. Besonders eindrucksvoll ist die harmonisch aufeinander abgestimmte Muskelspannung, die die Wirbelsäulenkrümmungen erhält.

AUFRICHTUNG – der Kopf des Pferdes als Motor der Aufrichtung

„Kopf führt – Körper folgt“ – diesem Bewegungsprinzip folgt das Pferd seit es geboren ist – deshalb bekommt der in der Mitte der Schultern, über der Brust- und Halswirbelkette ausbalancierte Kopf, sowie die frei tragenden Schultern, der Genick-Kiefer-Zungenbein-Komplex und die unbelastete Genickbalance, eine besondere Bedeutung für die Ausführung einer dreidimensionalen, fließenden, koordinierten Bewegung.

MIT DEN WIRBELN DES PFERDES SPIELEN – SIND DIE SCHULTERN DES PFERDES DAFÜR WICHTIG?

Wie in der körperlichen Ausprägung der Natur ist eines der Ziele, dass das Pferd eine entspannte Aufrichtung von der Halswirbelkette bis hinauf in das Genick einnehmen kann, weil die Überlastung durch die ständig stabilisierten Schultern das ganze Körpersystem belastet. Durch die Auslösung der Primitivreflexe lösen sich die strukturellen Fixierungen und Einbindungen auf und die oft eingezogene  Brustkorbhaltung wird Vergangenheit.

MIT DER AUFRICHTUNG SPIELEN – DER ERFOLG DER BECKENREGION WIRD UNSER REITERLICHER „ERFOLG“

Die ganze Wirbelkette bis hin zum Becken und einschließlich der Rippen bekommen- oder behalten ihre Flexibilität und fördern damit die Atmung. Beim Becken des Pferdes geht es deshalb nicht nur als das Becken als Ende des Rückens, sondern darum, welche Rolle das Becken bei jeder Bewegung des Pferdes spielt – oder spielen sollte. Ein neuer Gefühlsausdruck des Pferdes entsteht – gut zu beobachten in der entstehenden Aufrichtung.

„Es ist genauso leicht eine gute Bewegung herbeizuführen, wie eine schlechte“

Und wenn schon neue Vorschläge für eine neue Bewegungsqualität, dann können es Informationen sein, die über die Gehirnareale verbreitet werden. So wird aus dem konventionellen Longieren ein Verlängern und Verkürzen des Rumpfes, aus einem schlichten Angehen ein durch die Tiefe gehendes Loslassen des Kiefers, aus dem Anheben des Kopfes ein Loslösen des Beckens und aus einer Richtungsänderung ein Entbinden der Schulter. Mit dieser begleiteten Freiheit in seinem Körper beginnt das Pferd „immer ein bisschen mehr“ auszuprobieren – unterstützt auch von der Sensopathie. Und entbindet so selber seinen Körper von einschränkenden Sehnen.

DAS BIOMOTORISCHE GEBISS – die „neue Generation“ eines Gebisses

Ein ganz wichtiges „Helferlein“ des Pferdes, mit dem es sich selber sein Genick entlasten kann, und SELBER einen Informationsprozess im Genick-Kiefer-Zungenbein-Komplex in Gang setzen kann, ist das Biomotorische Gebiss. Mit dieser  „neuen Generation“ eines Gebisses, benutzen Sie nicht mehr die Genick-und Kieferbelastenden Gebisse- oder Nicht-Gebisse, die ihnen plötzlich wie „aus einer anderen Welt“ erscheinen, sondern ein Gebiss, das für das Pferd einen „Sinn“ macht. Weil die einzige Aufgabe des biomotorischen Gebisses das Bewegen der Zunge ist, um das Zungenbein wieder zu aktivieren, damit die Gehirnareale zu berühren und das Genick zu entlasten.

Der Umgang des Menschen mit dem Biomotorischen Gebiss besteht aus zwei Teilen: Aus der Handhabung des Gebisses an sich, dass dem Pferd unterschwellig und doch unaufhörlich kleine Botschaften schickt und aus dem Körperausdruck des Menschen, der dem Pferde diplomatisch das Gefühl geben kann, auf seine neuen Bewegungen selbst drauf gekommen zu sein.

Der Mensch kann sich dabei entspannt zurücklehnen und sich mit seinem Körperausdruck beschäftigen, weil er das Pferd nur auf den biomotorischen Pfad bringen und begleiten muss und den Körpersystemen des Pferdes die Verantwortung überlassen kann. So wird der Körperausdruck des Menschen ist im Grunde wichtiger als die Handlung selber, denn erst daraus – aus dem Placement des Menschen – kann die Bewegungsbeziehung  entstehen (mehr dazu in der Körperschulung für den Menschen). Und das macht die Biomotorischen Übungen auch für jedermann so einfach nachvollziehbar.

Sobald der Mensch, die Pferdbewegung und seine Bewegungen als eine sich bedingende Einheit sieht und immer mehr über die Vernetzung zwischen den verschiedenen Körpersystemen und seinen Emotionen erfährt und begreift, betrachtet er plötzlich die körperlichen, mechanischen Zusammenhänge nicht mehr isoliert voneinander, sondern versteht dass Emotionen, Organe, Wirbel und Gelenke miteinander Botschaften austauschen, deren Bedeutung nicht nur für das Pferd wichtig sind, sondern für den Beziehungsaufbau, das Reiten und die gemeinsame Verbindung dabei.

 

DIE NATUR DES PFERDES KANN MAN NICHT ERZWINGEN UND NICHT ERZEUGEN

Die Natur des Pferdes ist nicht der Offenstall, es ist nicht das Gebisslose Reiten, es bedeutet nicht das Erzwingen, Kontrollieren und Trainieren von Bewegungen und auch nicht das gewollte Erschlaffen von Körperpartien. Es bedeutet für das Pferd auch keineswegs, es in die „Natur“ zu entlassen – was immer das bedeuten mag…

… es bedeutet viel mehr, dass das Pferd wieder seine „Natur“ nutzen kann und zu seiner „Natur“ finden kann. Nicht die vom Menschen erdachte Natur – sondern seine, seine eigene Natur, die, die im Körper stattfindet.

Das Pferd findet seine „Natur“ in seinen Bewegungen. Dem Pferd seine „Natur“ zu geben, und zu seiner „Natur“ zu verhelfen, bedeutet für den Menschen die Einflüsse und Belastungen wegzulassen, die das Pferd unweigerlich zu einem „unnatürlichen“ Pferd machen und bei dem nichts mehr einen „Sinn“ ergibt.

Es gibt kein wirkliches Reiten – keine Übereinstimmung mit dem Pferd, bevor die „Natur“ des Pferdes – sein Körper, nicht verstanden wird. Da die Basis dazu die Bewegungen des Pferdes sind, sind die Kernstücke des Biomotorischen Trainings:

  • Die Genickentlastung
  • Der Aufbau des Bändersystems der Wirbelkette
  • Die entbundene Schulter
  • Das durchlässige Becken

Im Biomotorischen Training für das Pferd kann das Pferd ein Gefühl dafür entwickeln, wie man die Informationen des Menschen verarbeiten, bewältigen und im Körper integrieren kann.

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