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Die angewandte Biomotorik beim Pferd

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In der klassischen Anatomie werden eher Körperhaltungen statt Funktionen abgebildet – aber schließlich ist der Körper für Bewegungen und nicht für den Stillstand gemacht. Die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten die ein Pferd hat, sind alles komplexe Handlungen, die eine unglaublich perfekte Zusammenarbeit des Körpers verlangen. Nur durch dieses Zusammenwirken von Schwerkraft, den Bewegungsenergien im Körper und der Reibungslosigkeit der einzelnen Gelenke entstehen Bewegungen – und das auch noch mit möglichst geringem Energieaufwand.

Bis es zur biomotorischen Kontraktion kommen kann, muss das Pferd „lernen“, (Bewegungsentwicklung) seine kinetische Energie  (Bewegungsenergie) die es erzeugt,  zu einer Bewegung „in sich“ verwandeln zu können. Diese „Harmonie in den Muskeln“ bezeichnet man auch gerne das als Federn des Pferdes.

Der Körper denkt dabei nicht – wie wir es häufig tun – in einzelnen Muskeln. Der Körper denkt in neuromotorischen Verbindungen die koordiniert werden müssen, unabhängig von einem Muskel oder einer „Haltung“.
Der Körper darf da nicht mehr in einer Extension oder Flexion verharren, sondern das Gleichgewicht in den Krümmungen der Wirbelkette muss hergestellt sein. Wie sagte Feldenkrais so treffend: „Jede negative Emotion drückt sich als Flexion aus“.

Das Konzept der „Biomotorik“ ist eine  Möglichkeit das Wechselspiel zwischen der Bewegung und der Stabilisierung des Pferdes zu erfassen. Die Biomotorik erweitert damit sämtliche Trainings- und Behandlungsoptionen, weil sie nicht nur die „Einzelteile“ des Pferdes erfasst, sondern das Gesamtbild der Bewegung.

Die isometrische Kontraktion der Muskeln – die Harmonie in den Muskeln (wird auch als Federn des Pferdes beschrieben) ergibt sich, wenn ein Muskel ausschließlich seine Spannung ändern kann, jedoch keine Längenänderung hat.
Eine Dehnung für den Muskel bedeutet, dass er zwar seine Länge verändert, aber keine Kontraktion hat (Disharmonie in den Muskeln)
Das „Halten“ eines Muskels, bedeutet, dass er keine Kontraktion – sondern nur seine Spannung erhöht hat. Dieser Vorgang ist sehr anstrengend und energieraubend für den Körper. ( beim Menschen z. B. das Tragen einer Tasche)

Die Biomotorik beim Pferd

Bei der Biomotorik muss grundsätzlich zwischen einer biomotorischen Kontraktion (Bewegungsentwicklung Teil I) und dem biomotorischen Training (Bewegungsaufbau Teil II) differenziert werden. Eine biomotorische Kontraktion liegt dann  vor, wenn eine Muskelkontraktion ohne Bewegung erfolgt (Beckenöffnen – Rippenöffnen) Um die Kontraktion auch in die Bewegung zu übernehmen muss das Pferd eine zuverlässige Biomotorische Kontraktion durchführen können. Erst dann schädigt eine Bewegung den Körper nicht (Schwerkräfte) und die biomotorische Kontraktion kann in das Biomotorische Training übernommen werden.

Die Biomotorischen Übungen, die nur durch eine statische Muskelkontraktion ohne Bewegung (wie das Beckenöffnen) durchgeführt werden, können auch nach einer Verletzung des Pferdes zu einer Verbesserung der Muskelharmonie optimal eingesetzt werden, da das Pferd durch eine Verbesserung seiner muskulären Kontrolle eine wichtige Bestätigung seines Körpers erhält, aber nicht belastet wird.
Das Biomotorische Training dagegen führt zu einer harmonischen Muskelkraft und dadurch zu einem Bewegungsaufbau.

Wie lange muss man die Biomotorik durchführen?

Die Bewegungsentwicklung dauert individuell so lange, bis das Pferd zuverlässig  allein die biomotorische  Kontraktion seiner Muskeln auch im Alltag beibehalten kann. Ein Bild zum Vorstellen wäre die Piaffe des Pferdes, die es leicht ohne Aufforderung des Menschen an der Hand in sich federnd ausführen kann.

Die „richtige“ Piaffe hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Beckenöffnen. Es wird dem Pferdekopf angeboten sich leicht zu erheben und die freigesetzte Bewegungsenergie (durch das Lösen des Beckens) federt IM Körper. Eine biomotorische Kontraktion par excellence, die das Pferd keinerlei Kraft kostet.

Wie geht es weiter?

Die biomotorischen Übungen der Bewegungsentwicklung und des Bewegungsaufbaus dienen zur Erweiterung seines Bewegungsspektrums, und lassen sich am Besten ohne Gewicht durchführen. Aus den biomotorischen Übungen mit Gewicht entwickelt sich das Biomotorische Reiten.

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