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Der Hals des Pferdes

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Was ist die natürliche Bewegungsmöglichkeit des Halses?

Wenn der Mensch an den Hals des Pferdes denkt, denkt er im Normalfall an die Muskeln des Pferdehalses – die entspannt, aufgespannt, gedehnt, überdehnt, gebogen, gestellt und auf die merkwürdigste andere Weisen von den Händen des Menschen bearbeitet werden.

So viele Thesen über die bewusste Formung des Pferdehalses, so viele Erklärungsversuche und Begründungen – und so viele Ziele Wünsche und Ansprüche an den Hals des Pferdes. Aber was ist eigentlich die richtige Haltung, die richtige Bewegung und die richtige Funktionalität des Pferdehalses? Muss der Hals oben oder unten, oder in der Mitte sein? Und wie bearbeitet man ihn am besten? Wer hat „Recht“?

Bei allen Fragen und Unsicherheiten ist eines ganz sicher. Die natürliche Bewegung des Pferdehalses ist nicht die, die man in der „freien“ Natur sehen kann– denn da sind die Belastungen und Umwelteinflüsse auf den Hals und generell auf die Bewegungen des Pferdes viel zu intensiv, als dass man das als Vorlage nehmen könnte – und sollte deshalb nicht als Orientierungshilfe für die menschliche Bearbeitung dienen.

DIE BALANCE DES PFERDEKOPFES

Die beste Bewegungsmöglichkeit des Pferdehalses ist deshalb wenn die Wirbel des Halses durch die lockere Halsmuskulatur nach oben getragen werden können und der Kopf dadurch fein ausbalanciert, sodass das Genick frei bewegt auf der Halswirbelkette getragen werden kann

DIE BESTE NATÜRLICHE BEWEGUNG FINDET NICHT IN DER NATUR STATT

Im besten Fall, also bei möglichst vielen aufrichtenden Einflüssen stabilisiert sich zwar der Hals eines freilebenden Pferdes – bzw. eines Leithengstes, mit den entsprechend vielfältigen Bewegungsanreizen selbst. Aber auch freilebende Pferde entwickeln im Laufe ihres Lebens eine besondere Art der Haltung oder Bewegungen. Es kommt zu Bewegungsmustern, die immer wieder unbewusst und automatisch auf die gleiche Art und Weise ablaufen. Sind diese ungünstig, kommt es auch in der „Natur“ mit der Zeit zu Störungen im Bewegungsapparat und zu Verspannungen im Muskelbereich.

Vor allem…

  • In der Wachstumsphase
  • Bei tragenden Stuten
  • In einer „Sinnesarmen“ Umgebung
  • Oder alten Tieren

…wirken sich die stereotypen Bewegungen im Hals aus – dann kann das Pferd auch in der Natur den Hals nicht tragen – und dann fällt der Hals auch in der Natur „hinunter“. Der Funktionsaufbau des Halses und auch die Anreize zur Ausbildung eines Tragehalses, sind eben in der Natur dieselben wie in der Obhut des Menschen.

 

Deshalb kann man natürlich das Halserschlaffungssyndrom auch bei Pferden in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten, sogar sehr häufig – denn der „Druck“ in der Natur ist gewaltig und nicht zu unterschätzen. Allerdings hat die negative Halsverformung  geringere Auswirkungen im Zusammenhang des Körpers, weil keine zusätzliche „Last“ dazu kommt – und die generelle Lebenserwartung des freilebenden Pferdes geringer ist.

WENN MAN SICH NICHT AN DER NATUR ORIENTIEREN KANN, WER KANN DANN EINE RICHTIGE AUSSAGE ÜBER DEN PFERDEHALS TREFFEN?

Da der Hals des Pferdes ein „passives Gewebe“ ist, ist die BESTE „natürliche“ Bewegungsmöglichkeit des Halses die, bei der der Pferdehals die BESTEN Verzahnungen, Verbindungen und Funktionalitäten haben kann. Und die beste „Bearbeitung“ des Halses ist demnach eine Förderung der im Pferdehals angelegten Möglichkeiten.

Das dieses Optimum in der freien Natur, mit ihren vielen Einflüssen nur ganz selten der Fall sein kann, ist eigentlich gut verständlich. Wenn aber mit der angelegten Verfügbarkeit des Körpers – alle Körperebenen und Körpersysteme so gut miteinander vernetzt sind, dass sie mit allem was auf den Körper zukommt, auf  eine gute Weise umgehen kann und der Körper sein unglaubliches Potenzial nutzen kann, befindet sich der Körper in einem Zustand der inneren Bewegung, die bis auf die Zellebene geht.

Das befriedigte Stammhirn signalisiert dem Pferd: „du bist der beste, der du sein kannst. Deine Erwartungen zu überleben, gutes Futter und Wasser zu entdecken und deine Art fortzupflanzen sind überdurchschnittlich groß“. Mit diesen Impulsen in seinem Stammhirn meldet auch das Limbische System des Pferdes: Wohlfühlen(wir Menschen würden es wahrscheinlich als „Glück“ bezeichnen)und das Kleinhirn kann mit den Impulsen dieser beiden Gehirnareale, in Ruhe die „besten“ Bewegungen für den Körper herausfinden und koordinieren.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN KÖRPER

Die Hingabe mit der sich der Mensch um die Funktionalität des Pferdkörpers kümmern kann, ist dann auch der große Vorteil den das Pferd in der Obhut des Menschen genießen kann. Dafür hat das Pferd sicher einmal gerne eine sehr unsichere und anstrengende Freiheit aufgegeben. Denn das Wohlfühlen des Pferdes definiert sich nun mal über seinen Körper. Der Mensch hat nach wie vor die besten Möglichkeiten, um den von außen wirkende Lasten und Kräften (auch die des Menschen) Futterfaktoren, Krankheitserreger, Modekrankheiten etc. keine Angriffsflächen und keine zerstörerische Wirkung auf den Organismus mehr zu geben.

Übrigens: kein Lebewesen lässt sich gerne „verbiegen“ (das betrifft alle Aspekte) – und schon gar nicht im Hals. Wie in allen anderen Aspekten braucht der Hals seine eigenen gut ausgebautes „Standing“ bevor er den „äußeren Angriffen“ etwas entgegen zu setzen hat.

DIE NATÜRLICHE BEWEGUNG IST DER „BEST CASE“ DES KÖRPERS

Um die natürliche Bewegung des Pferdehalses zu erkennen, oder sie sogar zu fördern, ist es absolut notwendig über den anatomischen Aufbau des Halses Bescheid zu wissen. Nur die „Natürliche Bewegung“ –   der „best case“ des Körpers – kann die Vorgabe sein, die wir für unsere menschlichen Bemühungen nehmen können, und auch unsere Handlungen bestimmen müssen. Und automatisch haben wir etwas, worauf wir uns in dem Dschungel der Ausbildungsvarianten für das Pferd, orientieren können.

SPURENSUCHE NACH DER FUNKTIONALITÄT DES PFERDEHALSES

Begeben Sie sich mit dem BewegungsLernen auf Spurensuche nach der Funktionalität des Pferdehalses. Wir durchstreifen DABEI die Funktionalität des Pferdekörpers EBENSO wie die anatomischen, biomotorischen und emotionalen Aspekte des Pferdes. Und zeigen dabei auf, wie stark beeinflussend sich unser falsches Körperverhalten auf das Bewegungsprofil des Pferdes auswirken kann.

Mit diesem Hintergrundwissen können wir die Ganzheit Pferd und auch die enge Bindung, die zwischen Pferd und Mensch entstehen kann, viel besser verstehen, und bekommen gleichzeitig VOM PFERDEKÖRPER SELBST die beste Hilfestellung, wie unsere Handlungen mit unseren Fähigkeiten vereinbar sind, und wie wir das in ein gemeinsames, unbelastendes Reiten mit dem Pferd umsetzen können.

DER „LEHRVERTRAG“ MIT DEM PFERD

Wenn wir den „Lehrvertrag“ mit dem Pferd richtig annehmen, bedeutet das nicht etwa, dem Pferd so viel wie möglich beizubringen, sondern dem Pferd dabei zu helfen, soviel wie möglich mit seinem Körper zu „können“. (Monika Pausch)

Weitere Artikel über den Hals des Pferdes in Vorbereitung:

  • Das Äußerliche und das Sichtbare des Halses
  • Anatomische Grundlagen – wie ist der Hals des Pferdes anatomisch aufgebaut?
  • Die Pflege des Pferdehalses – machen Sie ihn locker
  • Die Denkfehler und ihre Folgen beim Umgang mit dem Pferdehals
  • Der biomotorische Umgang mit dem Pferdehals

 

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