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Das Bewegungsseminar „die Bewegungsgestaltung“

Aller Anfang ist Körperwahrnehmung

Beim Seminar „die Bewegungsgestaltung“ tauchen Sie ein in die Welt der Bewegungen – in der IHRE Bewegungen verändert werden, damit SIE  die Bewegungen des Pferdes verändern können – und nicht wie gerne üblich, auf die Bewegungen des Pferdes direkt einwirken.

Wie der Name „Bewegungsgestaltung“ schon sagt, lernen Sie in diesem Seminar, wie Sie den Körper des Pferdes über seine Bewegungen gestalten können – der Fokus dabei ist die Funktionale Bewegung des Pferdes. Der Schwerpunkt dieses Seminares liegt also absolut auf der Bewegungsentwicklung des Pferdes. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, gehen wir zuerst den „Umweg“ über ihren Körper. Das Körperseminar ist in seiner Ausprägung darauf abgestimmt, das Sie das Pferd in seiner Bewegungsentwicklung begleiten und unterstützen können.

Das Körperseminar am Freitag – Spielerisches Beweglichkeitstraining

Im dazugehörigen Körperseminar erweitert und verfeinert sich das Bewusstsein für den eigenen Körper. Es wird deutlich wie sehr das eigene Körperbewusstsein mit dem Bewegungsverhalten und mit den Handlungen am Pferd zusammenhängen und dass eine Veränderung seines eigenen Körperbewusstseins auch eine deutliche Veränderung des eigenen Bewegungsverhaltens mit sich bringt.

Sie lernen Ihren Körper genauer kennen und bekommen ein anderes Verständnis für Bewegungen – auch für Bewegungseinschränkungen, aber vor allem für Gewohnheiten, die sie in ihren Bewegungseinschränkungen festhalten. In den Körperseminaren erarbeiten wir das Bewusstwerden von Körperprozessen und –Funktionen, gehen damit  in ihre Alltagsbewegungen und geben denen eine neue Bewegungsvielfalt und  Bewegungsmöglichkeiten. Veränderte Alltagsbewegungen (z.B. das Aufstehen) aus dem bloßen „Funktionsstatus“ zu lösen und in einem neuen Kontext wahrzunehmen, helfen Ihnen ihr Körperbewusstsein auch im Alltag zu verankern. So werden alltägliche Bewegungen – normalerweise im „Autopilot“ ausgeführt –  durch die neue Wahrnehmung zum Erlebnis.

Im Körperseminar geht es deshalb vorrangig um das Zulassen und Finden von neuen Bewegungsmöglichkeiten, als um das bewusste Ausführen von Übungen. So können Sie Ihre Bewegungen viel genauer erspüren und aus diesem Körperbewusstsein heraus Bewegungen entwickeln.

Bewegung mit allen Körperteilen

Sie kommen von der Kunst des „Haltens“ in eine Kunst des „Sich-Lassens“. Ihre sensibilisierte Wahrnehmung für das Pferd wird sozusagen über ihren Körper hergestellt. Die Priorität der Kopfebene wird von Seminar zu Seminar immer mehr aufgegeben, während die Bedeutung der Wahrnehmung, bei allem was sie mit dem Pferd machen, zunehmend  steigt, für sich erforscht und entwickelt wird.

Sie empfinden Ihren Körper wieder als Zusammenhang. Durch die Bodenarbeit entdecken Sie die Verbindung zwischen Rumpf und Armen und Beinen neu. Ihr Körper kann sich wieder als Ganzheit erleben und bekommt wieder die Möglichkeit den Fluss im Körper zu spüren.  Verspannungen können bewusster wahrgenommen und dadurch leichter losgelassen werden – und durch die „Durchlässigkeit“ kann es wieder fließen. Und für „Kopfmenschen“ – alle Erfahrungen dieses Seminars werden im Körper gespeichert.

…und wie es damit weitergehen kann

Nicht mehr die Kopfebene dominiert dann die gemeinsamen Bewegungen, sondern die immer genauere Körperwahrnehmung, das Erleben von diesen Bewegungen und das Spiel mit Reflexen und Gleichgewicht.

Die einfache Formel „Gewicht annehmen, damit man es abgeben kann“ wird bestimmend für Sie, und – das Maß des Gewichtabgebens kann von Ihnen immer feiner differenziert werden und sehr unterschiedlich sein. Durch die gegenseitigen, langsamen Bewegungen ohne die Last des Reiters entstehen vielfältige Bewegungsmöglichkeiten für das Pferd, die ohne ihre Unterstützung nicht möglich wären.

Das Programm von Samstag und Sonntag -der erste Praxisteil ohne Pferd
….und was daraus entstehen kann

Nach dem Körperseminar nehmen wir die Veränderungen ihres Bewegungsverhaltens mit in den ersten Praxisteil. Das Bewusstsein für ihren Körper und seine Handlungen verfeinert und erweitert sich und durch die vielen entstandenen Bewegungsmöglichkeiten kommt Ihr Körper zu mehr Präsenz.

Ihre Bewegungen sehen vielleicht nicht anders aus, aber sie empfinden Sie anders – und das strahlen Sie dem Pferd aus. Manche Teilnehmer merken zum ersten Mal, wie einzelne Körperteile verfügbar sind, die sich nun autonom bewegen können, weil sie miteinander verbunden sind – wie zum Beispiel die Hände oder die Schultern.

Die einfühlsame Bewegung

Die Hand – Gewicht annehmen, damit man es abgeben kann
Ein grundlegender Aspekt für die Biomotorik ist das Gewicht annehmen, damit man es abgeben kann. Die Teilnehmer müssen erst mal ein Gefühl für ihre Hand bekommen. Das ist erfahrungsgemäß ein längerer Lernprozess, da man es nicht mehr gewohnt ist, auf diese Weise mit dem Pferd zu agieren. Im Laufe des Übungsprozesses merken aber die Teilnehmer wie angenehm es ist, mit der Hand zu „spielen“ und damit dem Pferd zu helfen, seinen Körper zu fokussieren.

Die Handlungen ihrer Hände, die vielleicht eher unbewusst waren, und bisher nur auf das Pferd „reagiert“ haben, werden Ihnen auf einmal so bewusst, dass Sie im Voraus damit fein „agieren“ können.

Das Spiel mit Nähe und Distanz
Beim BewegungsLernen gibt es viele Möglichkeiten mit der Verbindung zum Pferd zu spielen. Trotzdem die Verbindung zu bewahren, erfordert von Ihnen ein hohes Maß an Beweglichkeit und Flexibilität. Manchmal bewegen Sie sich dabei auf ungewohnte Weise mit dem Pferd, können jetzt aber auch von gewohnten Bewegungsmustern loslassen und neue Bewegungsmöglichkeiten entdecken.
Die ganze Bandbreite von fast eindeutigem Widerstand bis hin zur Nachgiebigkeit und Flexibilität kann dabei „zum Einsatz“ kommen.

Den zweiten Praxisteil – Bewegungserfahrungen zusammen mit dem Pferd

Von der Wahrnehmung in die Bewegungsgestaltung

Führen und Folgen
Nicht jedes Bestimmen bedeutet gleichzeitig, dass das Pferd unterlegen ist, denn wenn niemand führt, entsteht keine Richtung. Aber – sie können auch mit ihrer Präsenz führen. Damit bauen Sie beim Pferd keinen Druck auf, was nur Gegendruck erzeugen würde und das Führen zu einer Art Kraftprobe ausarten lassen würde.
Das Führen ist eine Angelegenheit von Verantwortung und Vertrauen. Wie sehr diese beiden Eigenschaften zusammenhängen signalisiert uns das Pferd. Ist Ihre Führung unsicher, fällt es dem Pferd schwer, ihnen zu vertrauen. Wer das Pferd wirklich „führen“ will, muss sich selber vertrauen, um das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen, muss sicher sein, um Sicherheit zu vermitteln, muss selber präsent sein, um diesen Zustand beim Pferd zu ermöglichen.

Die Hände haben beim Führen eine ähnliche Bedeutung wie die Beine beim Reiten – ein Hilfsmittel zur Unterstützung am Ende des Arms und eine Erweiterung der Bewegung der Schulter. Entspannte Finger mit viel Aussagekraft sind ein Zeichen für einen guten biomotorischen Umgang.

Bewegung auf „eingegrenztem Raum zum Fokussieren

Über das Fokussieren wird die Fähigkeit des Pferdes erweitert, seine unterschiedlichen Bewegungen zu erfassen und später auch zu differenzieren.

Das Gehen laufend verändern – Fokus ist die Funktionale Bewegung

Sie beginnen mit dem Beckenöffnen, um zuerst die Wahrnehmung des Pferdes zu sensibilisieren und damit  in die Gleichgewichtsübungen zu gehen. Sie fokussieren das Becken des Pferdes. Mit diesem Bild in ihrem Kopf kommt das Pferd langsam in seine Bewegung und Sie spüren wie sich die Aufmerksamkeit im Pferdekörper verlagert.

Stop an go – anhalten ist genauso wichtig wie angehen

Folgen Sie anfangs der langsamen Bewegung des Pferdes, und unterstützen Sie die Bewegung mit der Hand, dann bieten sie mit entspannten Fingern Widerstand und stoppen das Pferd ab – nur weil sich der Druck der Finger erhöht. Dosieren Sie den Widerstand ihrer Finger und versuchen sie schließlich das Pferd zwanglos durch den Raum zu führen

Reizung des Gleichgewichtes  – Übergänge haben es in sich

Kennzeichnend für das BewegungsLernen ist das ständige Spiel mit dem Gleichgewicht, die dann auch ahnen lassen, wie viel Gleichgewichtsreizungen das Pferd braucht. Das BewegungsLernen ist ein intensives Spiel mit dem Gleichgewicht. Der Gleichgewichtssinn wird in allen möglichen Formen ständig stimuliert. Im Unterschied zu Reitformen kann der Kopf des Pferdes alle möglichen Positionen einnehmen um mit der Flexion – Extension das Gleichgewicht in seiner Wirbelkette herzustellen.

Das Spiel mit dem Richtungswechsel für das Gleichgewicht

Insbesondere weil Sie das Pferd unterstützen, entstehen viele neue Positionen und Bewegungsmöglichkeiten für den Pferdekörper, die es ohne Unterstützung durch den Menschen nicht einnehmen würde.

Balance – das dynamisch fließende Gleichgewicht

Das Fixieren und markern von Bewegungen im Körper durch freie Bewegungen.

Sensopathie zum Selbermachen

Die Haut als ein den ganzen Körper umhüllendes Organ wird in die Bewegungsentwicklung miteinbezogen.

Elemente aus dem Seminar „die Bewegungsgestaltung

Das Spiel des Lebens

Bei allem was wir tun – alle Bewegungen im Leben bestehen aus dem Gleichgewicht zwischen Flexion und Extension des Körpers mit dem großen Ziel, die Balance in den Krümmungen der Wirbelkette herzustellen. Um diese Balance so fein wie möglich herstellen zu können muss das Muskelkleid in seinen Verbindungen dehnfähig sein. (Der Unterschied: die Dehnung betrifft einzelne Muskelgruppen – die Dehnfähigkeit entsteht aus der Beweglichkeit des Skelettes).

Die Suche des Körpers nach Flexion und Extension könnte man auch als die große Gemeinsamkeit zwischen Mensch und Pferd bezeichnen, die bei beiden so ausgeprägt vorhanden ist.

Die Biomotorik

Die Eigenwahrnehmung (Biomotorik) des Körpers beeinflusst immer den ganzen Körper – das heißt, alle seine Strukturen, Organe und natürlich Muskeln und Sehnen. So wie wenn man eine Pflanze gießt, die ganze Pflanze davon betroffen ist -und nicht nur der Stängel oder die Blätter- so beeinflusst die Biomotorik nicht nur den Bewegungsfluss, sondern das Skelett als ausführendes Element und als Führung des Körpers die Muskeln.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers durch spielerisches Verhalten zu empfinden, ist die Grundlage des BewegungsLernens. Lernen, Wahrnehmung und Bewegung sind eng miteinander verbunden, und gehen  die wechselseitige Verbindung von körperlichen Prozessen und Bewegung ein.

Beim BewegungsLernen kommen alle Sinne zum Einsatz – und das Spiel mit dem Gleichgewicht, der Schwerkraft und der Fliehkraft stehen hier im Vordergrund.

Nach dem heutigen Kenntnisstand beeinflusst die Wahrnehmung, die Motorik und insbesondere die Wirkungen aufeinander, durch Abhängigkeiten die Anatomie und Funktion des Bewegungsapparates des Pferdes. Demnach müssen sämtliche Informationen die der Körper über Bewegung und Wahrnehmung erhält, zusammenwirken und verarbeitet werden um ihn handlungsfähig zu machen. Das ist die Grundlage für alle Lern-und Verhaltensprozesse und läuft unbewusst ab. Genauso wie wenn auf der Ebene des sensorischen Inputs eine Wahrnehmungsstörung vorliegt, auch alle folgenden Abläufe unbewusst in ihrer Verarbeitung betroffen sind.

Das Spiel mit dem Gleichgewicht, Schwerkraft und Fliehkraft

Die Gleichgewichtsreizung stellt eine elementare Kraft dar, die alle anderen Sinnesempfindungen anregt, reguliert und in den Körper auf eine ganz persönliche Weise integriert. Dabei wird die komplette Bewegungsentwicklung stimuliert. Je vielfältiger diese Funktionen angeregt werden, desto sicherer und müheloser kann sich das Pferd bewegen und mit seinem Körper umgehen. Fohlen suchen geradezu nach einer vielfältigen Stimulation des Gleichgewichtssinnes. Sie laufen nie lange, stoppen ab – laufen wieder an, bauen viele Richtungswechsel ein usw. Man wusste früher, dass die Pferde, die in ihrem Gleichgewichtssinn besonders gut entwickelt sind, später die herausragenden Pferde werden, und dabei fällt auf, wie eng körperliches Gleichgewicht mit dem Verhalten verknüpft ist.

Allerdings sind die Erfahrungsmöglichkeiten für den Gleichgewichtssinn im normalen Alltag eines Pferdes sehr eingeschränkt. Auch die auf Reitinhalte geprägten Reitformen erfüllen die Reizung des Gleichgewichtssinnes nicht mehr. (etliche Verhaltensforscher erklären auch das Weben und Koppen mit der Suche nach der Bewegung des Gehirnes)Deshalb ist die Bewegungsentwicklung des BewegungsLernens den Fohlenspielen nachempfunden. Die Bewegungsentwicklung ermöglicht zusammen mit der Biomotorik vielfältige Gleichgewichtserfahrungen.