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Bodywatching

Die Sichtweise für die Bewegung ist uns verloren gegangen. Wir sehen oft nicht mehr, ob eine Bewegung durch den Körper geht oder stecken bleibt.

Diesen alten Faden nehmen wir im Bodywatching wieder auf. Man kann Bewegungen oder eben Nicht-Bewegungen sehen und sogar hören. Man sieht wenn eine Bewegung durch den Körper geht und wo sie stecken bleibt – denn genau da entstehen Verspannungen.

Unsere Erfahrung zeigt uns, dass das Beobachten des Pferd anscheinende in Vergessenheit geraten ist – ein Beobachten des momentanen Zustandes des Pferdes ohne zu bewerten oder zu spekulieren. Viele Pferdebesitzer und manchmal auch Therapeuten können die unbewussten Verspannungen des Pferdekörpers gar nicht mehr wahrnehmen – und deshalb auch nicht ändern. Manchmal ist das „Sehen“ ein Weg, um aus dem Eingefleischten der gewohnten Verfahren herauszukommen und dann bewusster zu spüren, was man tut, und bewusst auch etwas anderes zu tun als zuvor. Wie genau kennen wir den Satz „Jetzt verstehe ich erst, was Sie mir am Anfang gesagt haben“.

Sehen sie sich das Pferd von hinten an. Bewegt sich das Becken nach links und rechts oder nach oben und unten? Sieht man den Rücken? Von der Seite gesehen: Bewegt sich das Schultergelenk im Widerrist? Kann sich das Knie beugen? Geht die Bewegung durch den Hals? Ist eine Bewegung in der Psoasmuskulatur zu sehen oder bleibt die Rückenbewegung starr. Wie weit gehen die Beine nach vorne? Wie weit nach hinten. Rollen die Hufe ab?
„Sehen“ kann man lernen.

Auch wenn uns das „Sehen“ irgendwann abhanden gekommen ist, aber man kann das Beobachten des Pferdes auch wieder erlernen. Ein Beobachten, das uns auf geradem Weg dazu führt, das Pferd in seine „richtige“ Bewegung zu begleiten. Weit davon entfernt, nur zu beurteilen ob das Pferd taktrein läuft oder gut geputzt ist. Das Bodywatching ist die Kunst des Körperlesens, die nicht bewertet.

Das Bodywatching ist auch für Sie eine Wahrnehmungsveränderung . Sie bemerken auf einmal Bewegungen oder Nichtbewegungen von denen sie gar nicht wussten dass Ihr Pferd Sie hat. Das BewegungsLernen begleitet Sie in der Beobachtung der Möglichkeiten des Muskels, der Möglichkeiten des Pferdes und der Bewegung. Ihre Wahrnehmung speichert die präsentierten Beobachtungen wie Wörter in einer Akte ab. Je reichhaltiger dieses Wörterbuch aus Bewegungen und Bewegungsmöglichkeiten ist, desto umfangreicher wird in Erleben, Erkennen und Verstehen von den Bewegungen Ihres Pferdes sein.

Aber auch Ihr Pferd bemerkt die neue Aufmerksamkeit, die Sie seinem Körper geben – unabhängig von putzen und streicheln hilft dem Pferd diese Aufmerksamkeit manchmal mehr wie tausend Worte – denn Sie begleiten mit den Augen seine körperlichen Probleme.

Zunächst wird das Beobachten für Sie wahrscheinlich gar nicht so leicht sein – aber wenn sie öfter „sehen“ und vor allem wissen auf was sie achten müssen, werden Sie ganz schnell immer mehr sehen. Haben Sie einmal gelernt, auf die Körperhaltung und Bewegung zu achten, erkennen Sie auch bald den Zusammenhang. Denn alles was unbewusst festgehalten, verspannt oder sich aus dem Bewegungsschema des Pferdes entfernt, bewegt sich nicht.

Das Bodywatching schult in der Beobachtung des Glieder- und Muskelspiels und auch in dem Erfassen jeder Bewegung des bewegten Pferdes. Die Landkarte des Körpers also nicht nur nach dem momentanen Zustand zu beurteilen – dabei sind dann die Biomotorischen Marker eine wichtige Orientierungshilfe – sondern darüberhinaus zu sehen was der Pferdekörper an Möglichkeiten noch bereit hält, wenn man durch die Biomotorik seine weiteren Entwicklungsstufen begleitet.
Fotos zeigen mehr oder weniger authentische, allerdings sehr bewertende Zustandsaufnahmen, die mit dem nächsten Wimpernschlag anders aussehen können – durch das Bodywatching kann man bis in die Seele des Pferdes schauen – das heißt, Sie nehmen das ganze Pferd wahr. Seine Emotion, seine Durchblutung, seine Bewegungsfreude- oder Unwillen, seine Verspannungszustände, seine Fehlstellungen- oder eben die Zentrierung seiner Gelenke – alles, alles das sehen Sie durch das Bodywatching.

Aber was ist eigentlich die Natur im Pferde?
Können wir die sehen, spüren oder vielleicht sogar fühlen?
Wenn wir den Pferden nachhaltig in seinen körperlichen Problemen helfen wollen, ist einer der ersten Wege erstmal zu „Sehen“ wo die „Bewegung“ stecken bleibt. Deshalb hat das Bodywatching für die Biomotorik aber auch für die Sensopathie eine ganz große Bedeutung. Das Sehen von Bewegen und Nichtbewegen, ist für uns heute nicht so einfach, denn in unserer Kultur denken wir primär statisch und achten eher auf die Form als auf die Bewegung.

Hier hilft der klare Blick des Bodywatching, auf den Körper des Pferdes. Es ist absolut von Vorteil sich die Muskel und Gelenkspiele genauer anzuschauen. Auf diese Weise können wir die Grundzüge herausarbeiten, die für das Pferd zur Bewegung wesentlich sind und die für uns, für unsere Interaktion mit dem Pferd wichtig sind. Wenn Sie die Bewegung mit der Sensopathie auch noch erfühlen und ertasten wird ihnen das Bewegen und Nicht-Bewegen der Muskeln immer deutlicher.
Wir müssen die Körperstrukturen des Pferdes davor schützen, falsch benutzt zu werden. Die Gefahr droht vor allem da, wo Bewegungen instrumentalisiert und automatisiert worden sind und sich die Prinzipien der Biomotorik ihrem Diktat unterwerfen. Die Signaturen des einzelnen Körpers können als Kriterien dafür dienen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, da de Möglichkeiten des Körpers voll ausgeschöpft werden können. Oder wo wir mit einer Rückführung durch die Biomotorik Einspruch erheben müssen – dabei helfen uns die Orientierungshilfen der Biomotorischen Marker.

Kurz gesagt, wollen wir das Wesen der Bewegung beobachten, damit wir es nachher mit der Berührung erfühlen können und durch die Biomotorik die Lebendigkeit des Pferdekörpers zur Geltung bringen und den vollen Umfang der Bewegung mit der Sensopathie herausarbeiten können– aber auch damit wir wissen in welche falsche Richtung die Bewegungen laufen könnten oder vielleicht schon gelaufen sind.

Damit wir mit dem Biomotorischen Training die Fähigkeiten und Fertigkeiten trainieren können und den Artenreichtum vielfältiger Bewegungen auf eine „richtige“, weil gesunde Grundlage des Körperschemas bringen können.
Andere Pferde durch eine andere Sichtweise

Auch wenn Pferdebesitzer ihrer Reitweise „vertrauen“, erkennen sie oft nicht, dass das Pferd ein muskuläres Problem hat, und dass Bewegungen von außen nicht wirklich gegen Verspannungen und Fehlhaltungen helfen. Meist sind die „Lehrer“ sehr treffsicher, was die Anatomischen Strukturen, oder Reittechniken angeht, jedoch oft ungenügend was die Bewegung des Pferdes betrifft. Das Bodywatching bewertet nicht den Zustand des Pferdes und auch nicht die verschiedenen reiterlichen Möglichkeiten das Pferd zu verändern. Es sammelt die Möglichkeiten die ein Körper bereit hält um sich zu bewegen – denn wenn man sie gesehen und erspürt hat, kann man sie auch verbessern.

Eigentlich jeder der sich mit einem Pferd beschäftigt, sollte wissen was er tut. Er sollte sich bewusst! entschieden haben wissen nach welchem System er die Bewegungen seines Pferd entwickelt und sich auch über die Konsequenzen im Klaren sein, die für das Pferd daraus entstehen. Seien Sie gespannt, was Sie in Zukunft alles bei Ihrem Pferd wahrnehmen werden.
Und wenn Sie dann so begeistert sind von der ungeahnten Vielfalt von Bewegungen im Pferdekörper die sie sehen– dann sind Sie richtig beim der Sensopathie bei der Sie erlernen, dass was Sie gesehen auch ertasten und erfühlen zu können und zusammen mit dem „Biomotorischen Training“ auch begleiten, unterstützen und verändern können.
So kann es auch wieder ein ungetrübter Genuss werden, Pferdebeobachter zu sein.

Der zweite Teil des Bodywatching – das „Spiegeln“ des Pferdes
Das Nachmachen des Pferdes ist die etwas andere Art des Bodywatching. Man sollte es nicht unterschätzen, einmal in die „Haut“ des Pferdes zu schlüpfen um seine momentane Wahrnehmung zu empfinden.

Man kann das Nachmachen auch dazu benutzen, um generell etwas über die Funktionsweise des Körpers zu erfahren. Laufen Sie z.B. mal mit angespannter Lendenmuskulatur herum und beobachten sie die Auswirkungen beim Gehen, Stehen und Laufen. Auf jeden Fall werden sie selbst merken, wie sehr die Lendenmuskulatur an Ihrer Atmung, Ihrer Bewegung – aber auch an Ihrer Aufrichtung beteiligt ist. Können Sie spüren, wie sie mit einer angespannten Lendenmuskulatur gleichzeitig den Bauch festmachen und nicht mehr so gut atmen können. Und das Ihre Schritte kleiner werden?

Sich wie das Pferd wahr zu nehmen und zu fühlen, kann man am besten durch eigenes Ausprobieren herausfinden. Aber nicht nur das, denn Sie werden dann auch besser merken, wenn in Ihrer gemeinsamen Arbeit, Ihr Pferd Sie „nachmacht“.
Inzwischen gelten die Spiegelneurone, die dadurch zwischen Ihnen gefeuert werden, als Grundlage der Fähigkeit sich in ein anderes Lebewesen hineinzuversetzen und sein Handeln zu verstehen. Eine perfekte „Einstimmung“ also zum Biomotorischen Training.

Sowohl das Bodywatching wie auch das „Spiegeln“ mit seiner Auflösung, können Sie in unseren beiden Fortbildungsreihen erlernen.