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Motivation im Sinne des Biomotorischen Trainings bedeutet nicht anderes, als das das Pferd seine Bewegungen selber ausführen soll, denn um beim Pferd etwas zu bewegen, also verändern zu können, braucht das Pferd ein Motiv, d. h. einen Beweggrund, warum es eine Bewegung ausführen will. Das Pferd selber muss bereit sein zum Lernen, deshalb ist es auch kann der Mensch das Verhalten des Pferdes nicht über erzwungene Bewegungen steuern – das ist auch nicht die Aufgabe des Menschen. Man kann das Verhalten des Pferdes zwar durch Bewegungsvorschläge unterstützen,  aber nicht dadurch, das man die Bewegungen des Pferdes kontrolliert.

Bewegung als Gesundheitsquelle?

Aber wir können den Bewegungsvorschlägen einen Sinn geben – damit das Pferd in seinen Bewegungen auch einen Sinn erkennt. Einen Seitengang auszuführen, oder eine Piaffe macht für das Pferd keinen „Sinn“. Genauso wenig, wenn es auf ein Podest steigt oder sich auf Befehl hinlegt. Wenn das Pferd aber bei diesen Aktionen seine funktionierenden Körperfunktionen, seine Geschmeidigkeit und seine Gelenkigkeit wahrnehmen, das Zusammenspiel seines Körpers spüren kann und die Ausführung dieser Handlungen selbst einleiten kann, das macht für das Pferd einen „Sinn“.

Das Ziel muss für das Pferd erkennbar sein – und das Ziel muss erreichbar sein. Einen Baumstamm gemeinsam aus dem Wald zu ziehen, ist für das Pferd ein erkennbares, gemeinsames Ziel und erreichbar ist es auch. Das Pferd kann seine ganze Körperkraft dazu einsetzen und hat am Ende des Tages dieselbe Befriedigung über sein Tagwerk wie der Mensch. Wenn das Pferd ein lohnendes Ziel im Auge hat(wahrgenommen von seinen Sinnen), sorgt sein Körpersystem für die benötigte Bewegungsenergie, um sich ihm zu nähern. Jede positive Bewegungserfahrung verbucht das Gehirn des Pferdes als Gelerntes und speichert es ab.

Das Gehirn des Pferdes kann aber nur angenehme und freiwillig erbrachte Handlungen abspeichern. Wenn es aber keine freiwilligen und angenehmen Bewegungserfahrungen mehr machen kann – vielleicht weil es seinen Körper nur noch in Spannung oder sogar Schmerz wahrnimmt, bleibt es auf seinem Ist-Entwicklungsstand stehen. Die für den ganzen Körper so wichtige Bewegungsenergie stagniert.

Bewegung selbst gemacht

Bei jeder positiven Bewertung dagegen schüttet das körpereigene Belohnungssystem im Gehirn Dopamine aus. Das bewirkt, dass das Pferd von Natur aus gerne jede körperliche Herausforderung sucht. Diese Einstellung seiner Gene hat das Pferd mit einer unglaublichen Anpassungsfähigkeit bis heute überleben lassen – denn die Suche nach „immer besser zu sein“ hat ihm seine Fortpflanzung, sein Überleben und seine evolutionäre Weiterentwicklung gesichert.

Das ganze Pferd im Auge haben

Das bedeutet aber für uns Menschen eine ganz andere Aufgabenstellung: nicht die Handlungen, die wir vom Pferd verlangen, sind für den Pferdekörper das Ausschlaggebende – im Gegenteil, schnell fühlt sich das Pferd von uns abhängig, und ja, vielleicht auch ausgenutzt. Es wird in seinem Körper orientierungslos, seine Sinne werden heruntergefahren und damit gerät es aus seiner inneren Balance. Auch die körperliche Instabilität schwächt das Pferd zusehends und macht es damit körperlich und emotional angreifbar.

Wenn wir die körperlichen Bedürfnisse des Pferdes nicht wahr- und ernst nehmen, wenn wir den Körper des Pferdes nicht als Ganzes sehen, beschleunigen die negativen Einflüsse den Verschleißprozess des Körpers. Und auch wenn das Pferd ein körperliches Problem hat, erfassen wir nur das lokale Problem – aber jedes lokale körperliche Problem hat auch eine tiefer sitzende Ursache – und genau an das möchte sich das Biomotorische Training herantasten, damit das Pferd sich selber wahrnehmen kann und wieder beginnt, auch selber auf Veränderungen in seinem Körper zu hören.

Jeder Pferdebesitzer ist zu einem ganz großen Prozentsatz der Produzent für den Zustandes seines Pferdes – deshalb ist es einerseits wichtig, die Signale des Pferdekörpers zu hören, aber andererseits müssen die „Ziele“ die der Mensch hat, auch für das Pferd überschaubar sein. Dazu müssen sie selbst wissen, was genau sie mit dem Pferd erreichen möchten, oder sie generell vom Pferd möchten und dann den Körper des Pferdes soweit bringen, das er das leisten kann. Der Wunsch eines Menschen, einfach mal ein Pferd zu besitzen, reicht heute nicht mehr aus.

Das Pferd muss seine Bewegungsenergie und Bewegungskraft aus sich selber generieren, wir können sie ihm nicht von außen zuführen. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass wir das Pferd dabei unterstützen können. Im Biomotorischen Training können sie lernen, wie das geht.