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Sie und das BewegungsLernen

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Sie und die Bewegungsentwicklung

Wie Sie ihre Wahrnehmung ins Trainingslager schicken

Legen Sie sich eine Rosine auf die Zunge und schließen Sie die Augen. Nicht zerbeißen! Fühlen Sie Ihre Form, Ihre Struktur, ertasten Sie sie mit der Zunge. Lassen Sie sie langsam auf der Zunge zergehen und  schmecken Sie, wie sich die Süße auf Ihrer Zunge verteilt. Erst nach drei Minuten zerkauen Sie sie.
Sie haben jetzt drei Minuten lang der Rosine ihre ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt. Sie hatten keine Erwartungen an sie und haben sich nicht von Forderungen an sie ablenken lassen – Sie haben die Rosine als das wahr genommen was sie ist – eine Rosine.

„Reiten beruht im Wesentlichen auf unserer Fähigkeit dem Pferd „zuzuhören“, zu sehen, wahrzunehmen und vor allem anderen unseren Körper richtig einzusetzen und erst in ganz untergeordneter Rolle auf der Anwendung von Techniken“

Verantwortung für das Pferd fängt mit der Verantwortung für seinen eigenen Körper an

Ob Sie ihr Pferd interpretieren oder wirklich als das was es ist, und wie es ist, wahr nehmen, beruht auf Ihrer Wahrnehmungsfähigkeit. Und Ihre Wahrnehmungsfähigkeit ist untrennbar mit der Nutzung ihres eigenen Körpers verbunden. Wenn Sie in eigeschränkten Bewegungen verharren, werden Sie auch nur sehr eingeschränkt ihr Pferd wahrnehmen können. Wenn Sie selber schief und unbeweglich sind, werden Sie nicht wahrnehmen können, was bei Ihrem Pferd zu einer befreiten Bewegung beitragen kann.

Der Schlüssel zum Pferd ist der Mensch

Wenn Sie das Bewegungsmuster des Pferdes verändern wollen, machen Sie sich zunächst klar, dass wirklich alles, was Sie mit Ihrem Körper tun, auf das Pferd einwirkt. Das geht uns allen so, ob wir wollen oder nicht. Das „Außen“ wirkt immer auf das „Innen“ des Pferdes und hat einen Einfluss auf seine Fähigkeiten. Selbst wenn wir versuchen, das zu ignorieren, das Pferd nimmt es wahr, und reagiert mit Unruhe, Irritation oder sogar Angst. Wir wollen stets an der Erziehung der Pferde arbeiten, dabei könnten wir gerade in Punkto Sensitivität soviel vom Pferd lernen.

Die Bewegungsseminare sind darauf aufgebaut. Sie stärken das Vertrauen des Pferdes in seinen Körper. Das erreichen Sie über das Erzeugen von körperlichen Aha-Effekten im Pferdekörper. Gestalten Sie Ihr Pferd mit Ihrem Körper. Erinnern Sie sich: Die unsichtbare Bewegungsenergie ist viel stärker als die sichtbare. So können Sie mit der Biomotorik (Eigenwahrnehmung des Pferdes) und der Bewegungsentwicklung den Pferdekörper in eine Selbstformung (Autopoesie – das Körpersystem  organisiert sich selber) führen.

Ihr Körper bewegt sich mit

Da in der engen Zusammenarbeit der Selbstformung (Autopoesie) des Pferdes jede Abweichung und Störung der natürlichen Leitlinien des Pferdes vermieden werden sollte, kommt Ihnen und Ihrem Körper ein ganz besonderer Stellenwert zu – aus diesem Grund gehört zu jedem unserer Seminare das sogenannte Reiterrückenseminar.

Sie fördern mit ihrem Körper die Aufnahme und Verankerung neuer Informationen, neuer Bewegungsanreize und Bewegungsvielfalten. Eine ganz intensive Form davon ist die Sensopathie – die haptische Unterstützung der Informationsaufnahme des Pferdes.
Allerdings wirkt diese Informationsaufnahme des Pferdekörpers unbewusst – also nur wenn sich das Pferd tatsächlich – wie beim Beckenöffnen – ohne Ablenkung des Menschen auch unbewusst wahrnehmen kann.

Wie Sie mit kleinen Schritten schneller zum Ziel kommen

Allein durch diese Vorstellung wird die Bewegung initiiert – und durch Ihre Bestätigung wird die Bewegung unterstützt. Das kann manchmal etwas länger dauern, haben Sie Geduld. Lassen Sie dem Pferd Zeit, die Bewegungsanreize, die Sie ihm geben, zu verarbeiten. Hetzen, schnalzen oder „treiben“  sie nicht, sondern warten Sie die Reaktionen des Pferdes ab.

Das erklärt auch, warum das Gebiss im Pferdemaul beim BewegungsLernen eine völlig andere Funktion hat, warum es nicht zur Beeinflussung oder Korrektur verwendet wird, sondern darum, dass sich das Pferd besser auf seinen Körper fokussieren kann. Und natürlich hat die Fokussiergerte nur den direkten Einfluss auf die Aufmerksamkeit des Pferdes auf seinen Körper.

Ihre Klarheit gibt dem Pferd Sicherheit. Das Pferd wird sofort effektiv beruhigt – trotzdem regen Sie durch die Fokussierung und Eigenwahrnehmung den Stoffwechsel  des Pferdes an, und machen ihm Lust auf eine ruhige körperliche Aktivität. Das Pferd orientiert sich an ihrer Ruhe und Klarheit. Es empfindet sich als individuell und einzigartig und ahmt sie unbewusst nach.

Sie führen Ihr Pferd in die Tiefe Entspannung seines Körpers – sie vertiefen ebenfalls seine Eigenwahrnehmung, die Konzentration und Fokussierung auf seinen Körper. Das Pferd wird nicht von den anderen Dingen drumherum abgelenkt – es ist ganz bei Ihnen, wie immer begleitet von Bestätigungen wie „sehr gut“ und „super“.

Diese „Verbindung“ verstärkt sich immer mehr. Irgendwann verschwimmen die Grenzen – und keiner kann mehr sagen, wer führt und wer geführt wird – ein gemeinsamer Tanz beginnt und das spielerische Element und die Leichtigkeit von Bewegungen kommen zum Vorschein.

Die enge biomotorische Zusammenarbeit mit dem Pferd bringt es auf den Punkt: Nur wenn es Ihnen selber körperlich gut geht, können Sie auch dem Pferd effektiv helfen und neue Verhaltensweisen mühelos verankern – Sie sind  der Dirigent.

Mit ihrem Körper drücken Sie die Aufnahmetaste bei Ihrem Pferd

Um die wichtigen Aufgaben mit Ihrem Körper meistern zu können, erlernen Sie in den Bewegungsseminaren mit Ihrem Körper ebenfalls die Autopoesie (Selbstformung). In der Zusammenarbeit mit dem Pferd haben Sie keine Zeit an bestimmte Handlungen ihres Körpers zu denken, Ihr Körper muss sehr klar in seiner Präsenz sein und vor allem reagieren können. Sie sollen das Pferd über ihre Hände“ wahrnehmen“ können und mit Ihrem Becken animieren können und –  Ihre Aufmerksamkeit soll dabei beim Pferd liegen.

Jeder Mensch ist dazu in der Lage – Sie brauchen dazu noch nicht mal besondere Fähigkeiten. Allerdings sind viele Reitsysteme genau dieser Meinung und lassen deshalb trainieren was das Zeug hält. Sie trainieren den Körper sich über Kraft zusammenzuhalten – und trainieren deshalb jede Wahrnehmung weg. Das Interessante bei diesen Rastern ist, dass sie dem Menschen einen Plan geben. Der Mensch hat damit eine Stütze im Kopf, wie er sich mit dem Pferd verhalten soll. Etwas zu tun haben, gibt auch Sicherheit.
Natürlich handelt sich das um eine Verallgemeinerung und sie treffen nie auf alle Menschen zu. Das macht aber nichts, denn wir können es immer nur besser machen.

Die Balance des Pferdes: seine Grundbedürfnisse

Ein guter Ausgangspunkt der Wahrnehmung sind die Grundbedürfnisse des Pferdes.

  1. Das Gefühl von Sicherheit
  2. Das Gefühl Aufmerksamkeit zu bekommen.
  3. Das Gefühl der eigenen Kontrolle über seine Bewegungen
  4. Das Gefühl starker Bindung an den Menschen und Teil seiner sozialen Gruppe (Herde) zu sein. Beim Pferd ist das ein ganz wichtiger Aspekt – den man Interaktion mit anderen Lebewesen nennt.
  5. Das Gefühl für einen zufriedenstellenden Status innerhalb dieser Interaktion (Respekt)
  6. Das Gefühl des körperlichen Selbstbewusstseins (Ziele erreichen zu können)
  7. Das Gefühl eine „Aufgabe“ zu haben ( ein nicht zu verkennender Aspekt, der bei vielen Zootieren große Probleme bereitet)

Alle diese Bereiche müssen in Balance sein, denn sonst könnte das dazu führen, dass das Pferd innerlich aufgibt. Das Pferd selber kann daran nichts ändern.
Es hat sich daran gewöhnt und akzeptiert diesen Zustand.

Aber wir können daran etwas tun – nur dazu brauchen wir einen neuen Blickwinkel. Und den kann Ihnen das BewegungsLernen verschaffen.

 

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