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Sensopathie von Monika Pausch

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Eigentlich ist der Körper des Pferdes gar nicht so furchtbar kompliziert, er funktioniert nach einem ganz simplen Prinzip. Das Prinzip des „Systems“ Körper ist, dass alles im Körper – alle Muskeln, Organe und Zellen gemeinsam arbeiten, um eventuelle Probleme und Schwächen auszugleichen. Ziel des Systems „Körper“ ist es dabei, das es dem Körper so gut wie möglich dabei geht.

Wenn wir als Mensch, um mit dem Pferd zu „arbeiten“ in dieses System einsteigen, sollten wir auch dasselbe Ziel verfolgen. Alles was den Pferdekörper noch zusätzlich belastet, stört oder sogar das „System“ Körper zerstört, sollte weglassen werden. Nur dann ist gewährleistet, das wir dem Pferd das „gute Leben“ das wir uns alle für unser Pferd vorstellen, auch bieten können.
Mit der Biomotorik können wir uns besser vorstellen, wie sich das „gute“ Leben aus der Sicht des Pferdes anfühlen kann. Und wie das Pferd beim Ausüben seiner ganz normalen Funktionen und beim Verrichten seiner alltäglichen Tätigkeiten eine gewisse, vermutlich eher stille Freude empfinden kann – eine Befriedigung über seinen eigenen Körper, normalerweise nichts Spektakuläres, einfach ein Wohlsein.

Eine spektakuläre Freude dagegen ist für ein Pferd, wenn es in der Interaktion mit einem anderen Pferd so schnell laufen kann wie es selbst, wenn es in einem riesigen Bogen wieder hinter dem anderen in eine andere Richtung läuft, oder….
Wenn man Pferde bei solchem Spiel beobachtet, hat man den Eindruck, dass die Betätigung der eigenen Gliedmaßen für Pferde sehr lustvoll, sehr aufregend sein kann – und das diese Lust am Bewegen, am Spielen und Ausprobieren des eigenen Körpers eine Funktionslust sein kann.

 

Die Balance zwischen Tun und Lassen:
Leider ist es immer mehr „Mode“ geworden, dem Pferd ausschließlich reiterliche Lehrinhalte zu vermitteln, ohne den Körper davor in seinen Entwicklungsphasen entsprechend vorbereitet zu haben und auch ohne zu beachten, ob der feine Bewegungsfluss ohne Muskelverspannungen und Bewegungsblockaden fließen kann. Im Gegenteil, viele Ausbildungen des Pferdes sind auf Spannungszuständen des Pferdekörpers aufgebaut, und gehen von einer starren Reiz-Reaktionsbeziehung zwischen Mensch und Pferd aus, die sich natürlich auch auf die biologischen Systeme überträgt.

Damit ist der Körper die Archillesferse des Pferdes geworden. Auf der einen Seite sehr anpassungsfähig für Belastungen, die aber in ständigen Wiederholungen und Gewohnheiten den Körper in einem fortlaufenden Prozess schädigen.

 

Die wichtigste Voraussetzung für den Körper ist das biologische Gleichgewicht – die innere Balance – bei dem Muskeln, Sehnen, Gelenke bis hin in die Zellen ihrem Körper dienen und die sensiblen Bewegungsbedingungen erhalten. Es ist nicht wie immer wieder gerne angenommen wird, das künstlich erzeugte „Gleichgewicht“ – das eigentlich eher ein ausgeglichener Spannungszustand des Pferdes ist, das dem Pferd hilft.

 

Bei unendlich vielen Pferde kann man deshalb ihre Funktionslust nicht mehr feststellen. Die Freude über ihren Körper ist verloren gegangen und die Zusammenarbeit mit dem Menschen eine Pflicht geworden. Die Förderung des Pferdekörpers beschränkt sich darauf, dass das Pferd nicht mehr die Signale seines Körpers „wahr“ nehmen kann, sondern nur noch auf die „Regieanweisungen“ des Menschen reagieren muss.

Denn die körperliche Entwicklung und damit alle motorischen Vorgänge des Pferdes verlaufen in festgeschriebenen Prozessen der Entwicklungszyklen, die vergleichbar mit den Entwicklungsphasen eines Kindes sind. Mehr noch, die Natur ist auf diese Prozesse angewiesen, denn aus diesen schöpft sie ihre Freiheit und Vielfalt und daraus wiederum die Fähigkeit, sich an neue Bedingungen anzupassen – auch an den Menschen.

 

Wie können die Pferde von uns Menschen profitieren
Derart körperlich vorbereitet kann die „Zusammenarbeit“ mit dem Menschen eher so eine Art Tauschbeziehung werden, von der beide Seiten was haben – man spricht von Interaktion. Und so kann auch das Pferd von dem Zusammenleben mit dem Menschen profitieren. Der „alte Vertrag“ den das Pferd mit dem Menschen hat, wird wieder erneuert, wenn das Pferd durch den Menschen seinen Körper entwickeln kann.

 

Eigenwahrnehmung – Entwicklungsphasen – Bewegungsvielfalt – Bewegungsanreize

Diese vier Begriffe sind für das Verständnis der Biomotorik unbedingte Voraussetzung. Der Zustand des Pferdekörpers ist abhängig von diesen 4 Faktoren. Sind diese Faktoren nicht gegeben, kann eine falsche Bewegung im Körper einen Brand entfachen, wie ein Feuer in einem Wald, dessen Unterholz überall ausgetrocknet ist. Ein Streichholz reicht, um den ganzen Zunder zum Brennen zu bringen. Wir können auch die gedankliche Gegenprobe machen, fällt ein brennendes Streichholz in einem normalen Wald auf feuchten Grund, verpufft es.

Auch was Bewegungen betrifft, gibt es keinen Unterschied zwischen dem Wald und dem Körper des Pferdes. Wirklich effektiv ist höchstens eine konsequente Vorbeugung bzw. Vorbereitung. Das „Löschen des Waldes“ kommt immer zu spät und verursacht häufig selbst noch Schäden.

Sowohl die Biomotorik als auch die Sensomotorik sind vorbereitende Vorgänge, damit es erst gar nicht zum Löschen kommen muss. Mit Hilfe der Biomotorik kann man die „Schleichwege“ und Ausgleichsmechanismen dazu nachvollziehen und zusammen mit der Sensopathie ausgleichen. Das Wichtigste dabei ist es, das Pferd als eigenständigen Körper zu sehen – und das gelingt am besten, wenn wir ihm seine Eigenwahrnehmung wieder geben.

 

von Monika Pausch

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