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Die „Bewegungsgestaltung“  ist der Einstieg für alle, die eine wirklich nachhaltige Bewegungsveränderung für sich und das Pferd  anstreben. Mit einer Vielfalt an Körperwahrnehmungsübungen, körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten, Bewegungsanreizen und Spielvarianten bei denen Raum, Dynamik und Form immer wieder variiert werden, werden die (häufig brachliegenden) Bewegungsressourcen durch die Bewegungsentwicklung von Mensch und Pferd aktiviert.

Die spielerisch-kreative Wahrnehmung von differenzierten Körperteilen, bezieht alle Partien von Kopf bis Fuß mit ein, schult den Körper auf vielfältige Weise und macht ihn durchlässig für seinen Bewegungsfluss und den Atemmechanismus.  Es hilft, die Beweglichkeit zu steigern und das Bewegungsrepertoire und die Bewegungsvielfalt zu erweitern.

Die Körperwahrnehmungsübungen in der Bewegungsentwicklung des Pferdes haben Ihnen den natürlichen, unverkrampften und unverspannten Umgang mit den Bewegungsmöglichkeiten des Pferdes gezeigt. Die Handhaltungsschulung hat ihr Bewegungsverhalten beeinflusst, andere Bewegungsqualitäten sind entstanden und Sie haben Erfahrung und auch Übung darin bekommen, wie Sie sich mit dem Pferd verbinden können, und sind dadurch besser lesbar und klar verständlich für ihr Pferd geworden.

Wenn sich der Mensch bewegen kann – dann tut es das Pferd auch

Nachdem Sie über die Biomotorik das Pferd in seinen unverfälschten Bewegungsablauf gebracht haben, besteht der nächste Schritt für Sie darin, das Pferd in seinen Bewegungen nun nicht mehr zu stören. Die Gefahr, das Pferd in seinem Bewegungsablauf zu stören oder  gar zu behindern, ist natürlich ungleich höher, wenn wir auf seinem Rücken sitzen, als von unten, vom Boden aus.

Im  „Bewegungsaufbau“ geht es weiter. Es geht um die Möglichkeiten Ihres Körpers, einen Sitz ausführen zu können, der das Pferd  eben nicht stört. Damit bekommen Sie eine Vorstellung darüber, wofür das BewegungsLernen für das Reiten gut ist. Vor allem im Beckenbereich können Sie sich von negativen Verhaltensgewohnheiten befreien, sich von eingefleischten Bewegungsmustern lösen und damit das körperliche Ausdruckspektrum AUF DEM PFERD erweitern, um schließlich ihre eigene Bewegungssprache, ihren persönlichen, ehrlichen und damit lesbaren Bewegungsausdruck auf dem Pferd zu finden. Das Ziel ist, eine einfühlsame Bewegung auch AUF dem Pferd zu erreichen.

Der Wolf den man füttert und sonstige Gewohnheiten

Aber kann man sich denn überhaupt von seinen Gewohnheitsmustern und Erstarrungsmustern lösen? Oder kommen genau die, immer wieder und belästigen uns, weil sie einfach viel präsenter und „gewohnter“ sind als die „guten“ unverkrampften Bewegungen?

Wenn wir beginnen, uns in unserer Wahrnehmung bewegen, kurbeln wir einen neuen Prozess im Körper an, wir „trainieren“ uns, im bewertungsfreien Strom unseres Bewegungsflusses zu schwimmen oder uns mit dem Bewegungsfluss unseres Pferdes treiben zu lassen. Aus den Tiefen unseres Körpers heraus, werden wir kontaktfähig – nicht über unseren Verstand. Wir können die Verbindung zum Pferd aufbauen, und das Wahrnehmen des eigenen Körpers und das des Pferdes schließen sich nicht mehr aus. Wer bei sich ist, kann zum echten, ehrlichen Gegenüber für das Pferd werden.

Durch die Körperwahrnehmungsübungen wird ihr System auf Empfang gestellt und ist in einem Zustand entspannter Wachheit und in einem Aktivmodus der sehr fein abgestimmt ist. Die Auflösung in der gemeinsamen Bewegung besteht in der Wahrnehmung und dem Ausdruck ihres Körpers. Die ermöglichen ihnen ganz neue Wahrnehmungsqualitäten und Erfahrungszustände von sich und Ihrem Pferd.

Am handlungsfähigsten ist Ihr Körper, wenn er sensibel, flexibel, durchlässig und nicht zu stark willentlich beherrscht ist. So kann er sich seiner Natur entsprechend bewegen und im Einklang mit dem Pferd handeln. Der Körper kann schneller reagieren, als in der Durchführung willentlicher, vom Verstand geprägter Bewegungen. Er vertraut seinen Bewegungserfahrungen und dem permanenten Informationsfluss seiner Sinne.

Durch ein völliges Loslassen würde der Körper an Wachheit, Aufmerksamkeit und an Körpertonus  verlieren– er würde träge und schwer (tragbar) für das Pferd werden. Andererseits verdecken Verspannungen und Verkrampfungen  ihre Körperwahrnehmung.

Gemeinsame positive Bewegungserfahrungen bestärken das Vertrauen zueinander, der Körper wird so geschult, seine Handlungen und Reaktionen immer mehr zu verfeinern, um sie in der gemeinsamen Weiterentwicklung immer bewusster und immer gezielter einsetzen zu können. Das gemeinsame Experimentieren und Umwandeln von Bewegungen führt zu einem kontinuierlichen Bewegungsfluss, in denen Bewegungen aus dem Augenblick heraus entstehen können.

All diese Bewegungserfahrungen werden im Körper gespeichert. Wir können uns jederzeit darauf beziehen und Sie damit für unser Pferd verfügbar machen. Dasselbe passiert übrigens auch mit allen Bewegungserfahrungen die sie im Laufe eines Lebens gemacht haben. So sortiert ihr Körper seine Bewegungserfahrungen für Sie vor.

Alltagsbewegungen (wie z.B. das Sitzen) aus dem bloßen „Funktionsstatus“ zu lösen und neu wahr zu nehmen, hilft Ihnen, das Körperbewusstsein auch im Alltag zu verankern. Alltägliche Bewegungen – normalerweise in Gewohnheit und im „Autopilot“ ausgeführt – werden durch neue verbundene Ausführungen zum Erlebnis für Sie. Der Alltag als Training für das Reiten – Alltagstätigkeiten in Reiten umgewandelt.

Wenn wir unsere natürlichen Bewegungsimpulse spontan und ohne Bewertung in Bewegung umsetzen, wird eine tiefe Verbindung zum Pferd geschaffen. Dabei geht es nicht darum, sich in irgendwelchen Übungen oder Lektionen zu verlieren, sondern im Gegenteil – sich gemeinsam in allen Bewegungen immer wieder von neuem zu finden – ohne Vergleiche und Ansprüche auf irgendein Sitz- Körper- oder Bewegungsideal – das von irgendjemanden zu irgendeinem Zweck, aufgestellt wurde. Das wirkt für Sie befreiend und für das Pferd ermutigend. Dieses körperliche Selbstverständnis und körperliche Selbstvertrauen ist eine wichtige Voraussetzung, wenn wir uns vertieft in unseren ureigenen Bewegungsausdruck und in den Bewegungsfluss des Pferdes einlassen  und gut lesbar und verständlich für das Pferd werden wollen(immer mit dem Aspekt, das wir ja was vom Pferd wollen)

Bewegung im Atem – atmen in der Bewegung

Sich seines Atems in der Rolle als ständige Bewegungsbegleitung bewusst zu werden, ist für uns und für das Pferd ein wesentlicher Schritt hin zu einem gemeinsamen, lebendigen Bewegungsausdruck, was natürlich auch ein intensives Bewegungs- aber auch ein Beruhigungspotenzial in sich trägt. Die innere, tiefe Bewegung im Bewegungsfluss im langsamen, lebendigen Bewegungen eignet sich daher wunderbar zur Entschleunigung von Mensch und Pferd. Denn neben der Zunahme an Beckenbeweglichkeit wird mit der Verlangsamung automatisch der Atem vertieft – das Atemvolumen wird größer. Die Koordination und Übereinstimmung von Atem, Bewusstheit und Bewegung vermittelt das Gefühl miteinander eins zu sein. Mit etwas Übung erleben wir was die natürlichste Position unseres Sitzes ist (oder wäre) – ein Ausbalanciertsein, eine lebendige Ruhe und ruhende Lebendigkeit.

Im natürlichen Bewegungsfluss der stetigen Veränderung, bewegen wir uns mit unserem Pferd durch ganz unterschiedliche Bewegungsformen: Momente der Verbundenheit, Momente der Uneinigkeit, Momente der Konzentration, der Unachtsamkeit, des gemeinsamen Verlierens, der Langeweile, des Interesses, der Hingabe, der Faszination, der Inspiration – und ein einziger Moment davon – das miteinander Eins-Sein – die gemeinsame Körperempfindung und das damit einhergehende Bewegungsgeschehen – belohnt für alles. Solche gemeinsamen Erlebnisse mit dem Pferd, wie zum Beispiel das plötzliche gemeinsame Finden von einfachen, simplen Bewegungen sind – Geschenke. Man kann sie nicht „machen“ und auch nicht festhalten, man kann aber an den Bedingungen arbeiten. Und genau das tun wir in den Bewegungseminaren.