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Ohne die Verbindung zum Pferdemaul ist es unmöglich, die für den Pferdekörper so wichtige Wechselwirkung zwischen Genick und Zungenbein herzustellen (das Biomotorische Training).

Bei allen Problemen, die die Zäumung verursachen kann, möchte ich nicht den Eindruck erwecken, dass ich dafür plädiere, dass man das Pferd ohne alles reiten sollte. Aus biomotorischer Sicht ist das glaube ich das Schlimmste, was man dem Pferd antun kann. Denn die Eigenwahrnehmung (Biomotorik) des Pferdes ist, „ohne alles“ gleich null.

Die Hand MUSS Kontakt zum Pferdemaul haben, dieser Kontakt sollte möglichst verbindend, bei manchen Pferden leichter, bei manchen stärker – aber nie zwingend sein. Aber er MUSS vorhanden sein. Ein Pferd, dass ohne Verbindung am  Zügel (entweder ohne, oder am durchhängenden Zügel latschen muss, und somit immer die Schulter stabilisieren muss erfüllt KEINE Vorgänge der biomotorischen Vorbereitung die ein Pferd braucht, um geritten zu werden. Es ist weder feines Reiten, noch „Freiwilligkeit“ für das Pferd – es ist einfach nur für das Pferd schlechtes Reiten.

Bei den Reitervölkern die „ganz ohne“ auskamen, handelte es sich um eine andere Art der Reiterei und um eine andere Umwelt. Die Reiter waren praktisch auf dem Pferd geboren, mit ihren Tieren in einer kaum mehr vorstellbaren Ausschließlichkeit mit ihrem Körper verbunden, ein Leben lang Tag und Nacht zusammen – und auch ohne weitere Verkehrsteilnehmer, so wie wir es uns kaum mehr vorstellen können.

Unsere Pferde sind mit uns eben nicht mehr animalisch-instinktiv verbunden, sie werden abgelenkt durch ständigen Umgang mit unserer Technik und einer Umwelt, die zugestellt ist mit „Fallen“. Genauso sind wir „abgelenkt“ durch andere vielseitige Interessen, durch vielleicht berufliche Anspannung und vor allem durch unseren Körper, der eben nicht mehr so funktioniert wie zu Zeiten der Reitervölker, die ohne Zügel auskamen und selbst in Schlachten ihr Pferd mit einem Ring um den Hals sicher lenkten.

Und außerdem: Wer von uns ist schon so perfekt, dass er sich leisten kann, nichts mehr dazulernen zu müssen? Schon Guérinière schrieb 1729 sehr treffend: „Jede Wissenschaft und jede Kunst hat ihre Grundsätze und Regeln, die zu neuen Entdeckungen und zur Perfektion führen. Warum sollte die Reiterei die einzige Kunst sein, für die nur Übung erforderlich ist?“

Wie wäre es wenn der Reiter – BEVOR er sich ohne Verbindung zu seinem Pferd auf das Pferd setzt – auf Entdeckung zu den Fähigkeiten seines Körpers geht? Genau dass beinhaltet nämlich das Konzept des BewegungsLernens – das ist genau die Bestimmung der Körperseminare für den Menschen, die in jedem Bewegungsseminar ein wichtiger und entscheidender Bestandteil des Seminares sind.