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Das Biomotorische Training ergänzt, begleitet und unterstützt den Pferdekörper bei jeder Art des Umgangs vom Menschen mit dem Pferd, natürlich als körperliche und mentale Vorbereitung  beim Reiten, aber auch  bei allen Arten von Therapien. Die Möglichkeit, sich dem inneren, also dem organischen Zustand und der inneren Bewegung des Pferdes zu nähern, ist das Besondere am Biomotorischen Training.

Dazu vereint das Biomotorische Training die verschiedensten Blickwinkel in sich. Sie dienen NICHT dazu, um dem Pferd zu zeigen, dass und wie der Mensch Macht über das Pferd besitzt, sondern die im Pferd angelegten Bewegungen, seine Fähigkeiten und Begabungen wirklich und deutlich zur Entfaltung zu bringen. Dazu müssen wir den Pferdkörper aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten. In den nächsten Wochen werde ich die verschiedenen Aspekte die das Biomotorische Training in sich sammelt, genauer ausführen…

MAN HAT IMMER DIE WAHL

Egal ob man Pferdebesitzer, Reiter, Trainer, Reitlehrer oder Therapeut ist, man hat immer die Wahl das Pferd entweder so oder so zu behandeln: entweder als Objekt oder als Lebewesen mit eigener Persönlichkeit. Es gibt wohl wenig, was so demütigend für das Pferd ist, das mit seinen feinen Sinnen so vieles „zwischen den Zeilen“ lesen kann, wie als Objekt behandelt zu werden. Gerade das sinnesbegabte Pferd spürt deshalb die Einstellung eines Menschen, der eine fremdbestimmte Ausführung, einer „sinnfreien“ Anordnung oder  eine technischen Reitvorgabe verlangt. Leider passiert dass sehr viel häufiger als es gut sein kann – sogar bei Menschen, die aus vollem Herzen betonen, das Pferd zu lieben.

WELCHEN STELLENWERT HAT DAS PFERD FÜR DEN MENSCHEN

Wir betrachten das Pferd allzu leicht in Bezug auf seine Nutzbarkeit oder Verwendbarkeit. Das Pferd zum ausreiten, zum Turniere reiten, zu therapeutischen Zwecken, zum Liebhaben, zum…die Ideen des Menschen sind vielfältig. Aber es darf nicht sein, das das Pferd zu Objekten irgendwelcher Maßnahmen gemacht wird, denn allzu leicht übersehen wir dabei die Signale des Pferdes, die es uns sendet. Aber sie sind bestimmend dafür, was der Pferdekörper braucht, welche Urbedürfnisse er hat, welche Ängste und Zwänge das Pferd bei was empfindet usw.

Eigentlich wäre es schon ein guter Maßstab für alle Erziehungen und Schulungssysteme, wenn wir das ärztliche Handlungsprinzip zugrunde legen würden, dass man mit allem was man an und mit dem Pferd macht, dem Pferd möglichst nicht schaden sollte. Aus meiner Erfahrung ist das allerdings wenig hilfreich, denn die wenigsten wissen, wie körperliche Schädigungen, Bewegungseinschränkungen oder Widerstände des Pferdes aussehen –zu sehr haben wir uns an Bilder gewöhnt, die sogar pathologische Bewegungen zeigen und die trotzdem hochgejubelt werden.

DIE BIOMOTORISCHE ANTWORT

Unsere Antwort darauf sind die biomotorischen Weiterbildungen, in denen man unter anderem lernt, wie Bewegungseinschränkungen und Einbindungen des Pferdekörpers aussehen, wie sie sich anfühlen, wie sie in den Pferdekörper ausstrahlen und natürlich, wie man den Pferdekörper dabei unterstützen kann, sich von ihnen zu trennen.

Aber wir müssen uns trotzdem immer wieder die Frage stellen, ob man generell am Umgang mit dem Pferd was ändern muss… Wie gesagt, man hat immer die Wahl – und deshalb macht es mir eine besondere Freude, mit dem Entstehen des Biomotorischen Trainings für das Pferd, dazu beizutragen, solche Ideen und Impulse im Menschen zu wecken und zu fördern.

BEWEGUNGSERFAHRUNGEN DIE UNTER DIE HAUT GEHEN

Wenn der intuitive Körper des Pferdes, durch sein Körpergefühl, über sein Nervensystem geleitet wird, stellt der Körper schnell selbst infrage, was im nicht gut tut, was ihn hemmt und was gegen den Körper geht.

Bezeichnend ist dabei, dass alles, was die Fähigkeiten, Talente und Begabungen des Pferdes im Rhythmus des Pferdes entwickelt, ganz offensichtlich damit identisch ist, was das Pferd gesund erhält. Dazu müssen wir das Pferd immer wieder für seinen Körper begeistern. Und deshalb kommt auch das Biomotorische Training nicht ganz ohne „Regeln“ aus:

  1. Das Pferd muss verstehen können, was es tun soll – d.h. es braucht seine körperliche Eigenwahrnehmung (nur mit dem eigenen Körpergefühl erreichen wir die Zentren für Bewegung im Gehirn – ansonsten „züchten“ wir körperfremde Muskulaturen)
  2. Das Pferd muss das Gefühl haben, dass es an seinen Bewegungen beteiligt ist, und nicht nur der Mensch. Das Pferd muss über seine Bewegungen entscheiden dürfen. (fremdbestimmte Bewegungsmuster, eine für das Pferd „sinnfreien“ Anordnung oder technische Reitvorgaben sind nicht förderlich, sondern hinderlich)
  3. Und drittens müssen die Bewegungen für das Pferd einen Sinn ergeben. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Sie müssen über die Sinneswahrnehmungen z.B. Augen herbeigeführt werden, aber die Bewegung selber muss für das Pferd einen Sinn machen. (Ein Kompliment ausführen macht für das Pferd körperlich gesehen keinen Sinn. Genauso wenig, wie an einer Leine im Kreis rumzulaufen. Das sind Elemente aus den Wegen der „Regeln und Vorschriften“)

Das biomotorische Training vereint viele Blickwinkel in sich – in den nächsten Artikeln werde ich die verschiedenen Aspekte beleuchten. Als erstes:

  1. Blickwinkel: die Verbindung zum Menschen

Wollen Sie das Biomotorische Training kennenlernen und auch für sich und ihr Pferd nutzen? In den sogenannten „Montagstrainings“ haben Sie die Möglichkeit dazu. Die Teilnehmer nehmen genau das auf und mit, was sie zu Hause auch umsetzen können.

Besonders empfehlenswert ist dafür eine Körperschulung für den Menschen, denn mit zunehmender Bewegungsfähigkeit und Geschmeidigkeit werden ihre Bewegungen immer reduzierter und feiner. Und sie lernen dadurch das Pferd, und die körperlichen Bedürfnisse des Pferdes, immer besser kennen.