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Ihr Körper wird zur Antenne für das Pferd

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Das Biomotorische Training – ihr Körper wird zur Antenne für das Pferd

Je besser SIE das Pferd in seinen Bewegungseinleitungen wahrnehmen können, umso besser können Sie ihm durch eine „spielerische Lenkung“  der Aufmerksamkeit, einen geeigneten Rahmen anbieten. Anfangs reicht es durchaus, den Körperreaktionen des Pferdes nicht im Wege zu stehen, sondern sie kontrolliert, begrenzt und aufmerksam ablaufen zu lassen. Obwohl es auch, gerade am Anfang nötig sein kann, es auch mal in seinen Körperreaktionen zu unterbrechen, vor allem wenn sie merken, dass das Pferd wieder in seine eingefleischten Muster kommt. Die sogenannte „Abruption“ ist für das Pferd eine wertvolle Orientierung seiner Wahrnehmung.

Die Biomotorische Eigenwahrnehmung beginnt

Bei negativen Bewegungserfahrungen ist das Pferd körperlich unfähig, seine beste Spielkarte, das autonome Nervensystem auszuspielen. Das Pferd bleibt in einer passiven Körperhaltung buchstäblich gefangen und kann natürlich auch schlecht mit Stress umgehen. Es hat einfach keine Möglichkeit zu einer Feinabstimmung seines Körpers, die es sowohl zu positiven Bewegung wie auch der Koordination seines Körpers braucht.

Wollen wir dafür sorgen, dass der Pferdekörper von seinen Bewegungseinschränkungen befreit wird, müssen wir dem Pferd den natürlichen Bewegungsfluss seiner neurophysiologischen Ausstattung ermöglichen. Das autonome Nervensystem mit seinen Dienern – den Sinneswahrnehmungen, müssen wieder zum Einsatz kommen. Die Aufmerksamkeitsverschiebungen dazu erfordern die Begleitung des Menschen. Die Anleitung vom Menschen ist essentiell, weil sonst die Aufmerksamkeit des Pferdes schnell in schmerzende, oder eingebundene oder einfach in gewohnte Bewegungsmuster gezogen wird und dort wieder steckenbleibt.

Der Pferdekörper braucht die Möglichkeit und die Einladung des Menschen dazu, seine feststeckenden Bewegungen zu verändern oder sogar zu vollenden. Die Vollendung der Bewegungen führt langfristig zu Lösungen von einschränkenden Bewegungen. Mit den biomotorischen Übungen gibt der  Mensch dem autonomen Nervensystem des Pferdes eine Aufforderung zur Handlung. Damit entsteht die körperliche Eigenwahrnehmung des Pferdes – die Biomotorik.

Die Präsenz des begleitenden Menschen hilft dem Pferd, dem Bewegungsvorgang zu vertrauen, da der Mensch eine Sicherheit darstellt, die es dem Pferd möglich macht, das eigene „Innen“ –    seinen Organismus, vielleicht für einen Moment „loszulassen“ und in einen Prozess einzusteigen. Diese Veränderung braucht Sicherheit, Vertrauen, Orientierung und Unterstützung des Menschen.

Sanfte Grenzen setzen

Für die Orientierung des Pferdes sind sanfte Grenzen genauso wichtig wie die Begleitung des Menschen. Es geht ja darum den Pferdekörper dabei zu begleiten, einen neuen Weg zur „Entbindung“ seiner Bewegungseinschränkungen zu finden. Das darf nichts mit Gehorsam zu tun haben, sondern mit einem vertrauensvollen körperlichen Austausch.

  1. Unterstützen Sie das Pferd darin, seine Aufmerksamkeit auf seine „Restmobilität“ zu lenken – also auf das was im Körper geht, und nicht was nicht geht. Das ist ein ganz wichtiger Prozess, den das Pferd lenkt seine Aufmerksamkeit auf „Bewegungen die noch tun“ .Das können, je nach individuellem Pferd, anfangs ganz kleine, wenige Bewegungen sein. Aber die Aufmerksamkeitsverschiebungen bringen den Bewegungsprozess in Richtung Mobilität, verstärken die positiven Bewegungen, oder bringen neue Bewegungsmöglichkeiten in anderen Körperteilen hervor.
  1. Begleiten Sie das Pferd dabei, die Bewegungen zu vergrößern bzw. sie entwickeln zu lassen – das gibt dem Pferd zusehends Selbstvertrauen in seine eigenen Bewegungen, und beginnt mit „seinem Körper zu spielen“. Es geht darum, dem Pferdekörper zu „erlauben“, einen eigenen Weg zur Entbindung seiner Bewegungseinschränkungen zu finden.
  2. Die Entbindung der Bewegungsenergie verläuft schichtenweise, wie beim Freilegen einer Zwiebel, und kann je nach Pferd über Tage, Wochen oder  Monate ablaufen – aber der Prozess ist im organischen „inneren“ des Pferdekörpers eingeleitet.
  3. Versichern Sie sich als Mensch, dass sie zentriert und ruhig, immer mit dem Pferd in Verbindung bleiben. Spätestens da merken Sie, warum die Körperschulung für den Menschen“ so unverzichtbar ist. Sie brauchen erstens selber eine große Bewegungsfähigkeit, um das Pferd in seinen Bewegungen zu begleiten, und zweitens um dem Pferd jederzeit Orientierung und zentrierte Körpersicherheit zu geben.
  4. Verlangsamen Sie die Bewegungen immer wieder zu ruhiger Aufmerksamkeit, bis fast zum Stillstand in Mikrobewegungen. Führen Sie die Bewegungen immer wieder zu einer kleinschrittigen Freisetzung von Bewegungsenergie. Viele Pferde merken an dieser Stelle wie gut ihnen die unbelasteten Bewegungen tun und wollen „mehr“. Es liegt an Ihnen, den Bewegungsfluss immer wieder in langsame, innere, koordinierte Bewegungen zu bringen.
  5. Lassen sie das Pferd diese Bewegungserfahrungen selber machen, ohne viel einzugreifen, verhalten Sie sich stattdessen unterstützend und beruhigend, damit das Pferd seine Aufmerksamkeit in einem sicheren „Rahmen“ hat und doch in diesem Zustand jederzeit Kontakt mit ihnen aufnehmen kann. An diesem Punkt wird das feine Gebiss ein unschätzbaren „Gehilfe“, damit das Pferd den Menschen mit „seinem“ Gebiss jederzeit spüren kann.
  6. Selbstverständlich darf der Mensch in diesem Prozess das Gebiss des Pferdes nie missbrauchen. Die Aufmerksamkeit muss im Körper bleiben, nicht im Gebiss, ohne dass es getrieben, gefordert oder anderweitig gestört wird. Das Gebiss unterstützt die feinen Prozesse, die im Kopf zwischen Kiefer und Zungenbein, Zunge, Genick, Gehirn und Schulter ablaufen und brauchen die Ruhe um den Organismus mit seinem eigenen „Behandlungsplan“ in Gang zu setzen.( darum auch die Aufrechterhaltung des sicheren Kontaktes zum Menschen)
  7. Der Bewegungseingeschränkte Zustand des Pferdekörpers wird sich nach und nach verändern. Eigene Lösungsmöglichkeiten des Pferdes entstehen, manchmal unabhängig von unserer Vorstellung von Bewegungen. In winzig kleinen organischen Schritten wird sich der Organismus selbst in die Hierarchie des autonomen Nervensystems hinaufarbeiten. Das ist für das Pferd eine tiefe, manchmal sehr berührende Bewegungserfahrung.
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