fbpx

Handhaltungsschulung Teil II

Print Friendly, PDF & Email

Handhaltungsschulung

Teil II  – So machen Sie aus Ihrer Hand ein Präzisionsinstrument

Auf spielerische Weise können Sie die unglaublichen Bewegungsmöglichkeiten ihrer Hände wieder neu entdecken und damit den „Handlungsspielraum“ zusammen mit ihrem Pferd erweitern. Die Hand hat mehr Bewegungsmöglichkeiten als jedes andere Körperteil, deshalb kann ihr Pferd durch Ihre Hand, ihren Körper bis in die Fingerspitzen wahrnehmen. Das Beste daran: ihre Hände sind jederzeit „zu Hand“. In unseren Bewegungsseminaren unterstützen wir sie darin, ein Gefühl für die richtige Bewegung der Hand zu entwickeln und die Einsatz- und Ausdruckmöglichkeiten der Hand zu vergrößern.

Im Teil I der Handhaltungsschulung habe ich beschrieben, dass Sie ihr Pferd ja nicht nur in der Hand, sondern auch an der Schulter und im ganzen Körper haben. Die die Zusammenarbeit der Schulter- und Armmuskeln und die  strahlenförmige Anordnung der Muskeln über den Körper hinweg verleihen den Armen und Händen zwar eine enorme Kraft, sind aber eben auch die Basis für die fein gesteuerten Tätigkeiten der Hände und Finger,  also für die Autonome Hand. Die Hand, der Arm und die vielfältigen Schulter-, und Nackenmuskulaturen stehen so in einem sehr engen Verhältnis zueinander (beobachten Sie sich mal, wenn sie ein Marmeladenglas aufdrehen – durch die gemeinsame Bewegung verstärken sich die Freiheitsgrade, aber auch die Aktion der Hand)

Um aus ihren Händen ein „handliches Bewegungsinstrument“ zu machen, müssen wir uns also viel eher die Frage stellen, was die Hände daran hindert, es auch zu sein? Die strahlenförmige Ausbreitung der Schulter- und Armmuskulatur über den Körper haben bei allen Vorteilen natürlich auch ihre entgegengesetzte Wirkung – vor allem dann, wenn die Arme- und Hände die Regie übernehmen müssen.

Der Clou an der Konstruktion der Hand ist nämlich: fast die Hälfte der Muskeln, die die Finger bewegen und ihnen Kraft geben, sitzen gar nicht in der Hand, sondern erstrecken sich im Unterarm. Mittels Sehnen ziehen die Muskeln wie mit Seilen an den einzelnen Gliedern. Sie sorgen dafür, dass die Finger extrem beweglich und dennoch stabil bleiben, und übertragen die Kraft von den Muskeln auf die Knochen. Deshalb müssen Sie auch darauf achten, dass die Hand immer offen ist, d.h das sie so auf die Hand schauen können, als wenn Sie etwas Essbares zum Mund führen. Dann liegen Elle und Speiche parallel nebeneinander und die Informationen zur Hand und zurück können ungehindert fließen (Wenn Sie dagegen die Tastatur ihres PCs bedienen, sehen Sie auf die Hände d.h. in den Unterarmen ist die Elle um die Speiche gedreht!).

Durch die geniale Konstruktion der Hand ergeben sich nahezu unendlich viele Griffmöglichkeiten, aber – alle Beuger von Fingern und Handgelenk befinden sich auf der Innenseite der Unterarme – alle Strecker auf der Oberseite. Kontrahieren wir diese langen Muskeln im Unterarm nur wenig, können wir zarte Bewegungen ausführen. Kontrahieren wir sie stark, stehen uns enorme Kräfte zur Verfügung. Der Daumen ist an diesen Aktionen nicht beteiligt. Der Daumen ist der „Kraftmeier“ unter den Finger – kommt er dazu, gibt es Spannung im Arm und in der Hand.

Haben Sie eine Primatenbewegung?

Durch das Aufrichten wurden die Arme und Hände von der Fortbewegung freigestellt, so dass sie selbst beim Gehen für völlig andere Verwendungszwecke zur Verfügung stehen. Die Bewegung der Arme ist über Kreuz d.h. während z.B. die linke Hüfte zurück geht, geht die rechte Schulter vor usw. Unsere Schultern wollen also wie selbstverständlich gegenläufig mit den Armen mitschwingen (geht die Hüfte in der Vorwärtsbewegung allerdings vor, haben sie einen Passgang und machen sich im Lendenbereich fest)

Alle vermeintlichen Handbewegungen des Alltags führen wir  also mit den seitlichen Körpermuskeln aus, die sich über die Rippen erstrecken. Unseren Vorfahren fiel dies weniger leicht, denn ihre Bewegung ähnelte der heutigen Primatenbewegung. Ihre Gliedmaßen waren deutlich massiver, das Anwinkeln der Arme, das unserer Schulter heute den besten Bewegungsspielraum verspricht – kostete entsprechend mehr Kraft und der Rumpf hatte nicht die Bewegungsraum.

Die anfangs noch breite und kaum bewegliche Taille (Die Taille – „Spielplatz“ für den angewinkelten Arm) verschmälerte sich dann und der Rumpf kann heute unabhängig von Kopf und Hüfte – dem Federn der Schritte entgegenwirken. Durch die Taille ist das mühelose, indirekte Armpendeln in den Schultern möglich, und trägt dazu bei, den Körper in der aufrechten Position zu bewahren.

Was macht ihre rechte Schulter, wenn Sie jemand die Hand geben?

Leider machen wir es uns sogar schon in unserem Alltag schwer, indem wir uns nur aus den Händen oder Armen heraus bewegen. Also nur motorisch, ohne sensorische Steuerung. Wir halten unwillkürlich Schultern und Körper mit angespannten Muskeln fest und arbeiten eigentlich gegen den Rest des Körpers. Der gesamte Komplex ihrer Hand-, Arm-, und Schulterbewegungen wird aber über Sensorik gesteuert. Sehr eng ist die Verbindung der Handbewegung mit ihrer Biomotorik – also der Eigenwahrnehmung – deshalb bestimmt die Verbindung ihrer Hand zum Pferd auch die Handlungen ihrer Hand.

Ist die sehr enge, sehr tiefe Verbindung – die Wahrnehmung -zum Pferd gegeben, wird das „Werkzeug“ , das wir mit unserer Hand spüren und führen – wie der Zügel, der Strick und sogar das Gebiss in unser Körperschema mit einbezogen, denn nun spüren und fühlen wir, was wir mit diesem Werkzeug tun.

Dabei sind differenzierte, aber nicht isolierte – also autonome Arm-/Handbewegungen Teil der intelligenten Konstruktion Mensch. Leider sind aber Hände und Arme nicht nur die Übermittler von neutralen Informationen, sondern erzählen auch emotionale Botschaften. Jeder weiß, dass unsere Hände bei Angst kalt, fahrig und zittrig werden können. Aber wegen der Feedbackschleife von Motorik und Sensorik gilt auch wieder umgekehrt: Auch unser Pferd fühlt uns auch so, wie wir Hände und Arme bewegen und spüren. Jede Spannung, die wir spüren – spürt auch das Pferd.

Bewegt man den Arm aus und mit dem ganzen Körper, bedient man sich der großen, starken Muskeln und der langen Hebel. Die meisten „Handprobleme“ rühren daher, dass man den Arm nicht aus dem Körper bewegt. Ohne es zu wollen und ohne es zu merken, hält man einen Teil der Schultermuskeln und die Körpermuskeln in Dauerkontraktion und schließt sie damit aus der Bewegung aus.

Genau an dieser Stelle kommt der Ellbogen ins Spiel. Beim Bewegen der Hände ist es noch möglich, den übrigen Körper aussen vor zu lassen. Mit dem Bewegen der Ellbogen gelingt das nicht mehr. Zumindest der Oberkörper wird ins Bewegungsgeschehen mit einbezogen – der Ellbogen führt also eine Befreiungsaktion für den Körper durch. Die Schultergelenke, die Schulterblätter, die ganze obere Wirbelkettenpartie wird aktiviert, der Brustkorb wird „aufgedehnt“ der Rumpf wird durchgeknetet, der Herzbereich geöffnet.

Wenn Sie alle Armgelenke mit einbeziehen,  wird auch die Armbewegung eine Verlängerung der Bewegung aus dem Zentrum. Arme sind ja von Natur aus sehr gelenkig und vielfältige und differenzierte Armbewegungen bereichern die Ausdruckskraft ihrem Pferd gegenüber – und verändern die eingefahrenen und automatisierten Nullachtfünfzehn-Muster. Oder  angelernte, zufällige Gewohnheits -Bewegungen, die nichts mit Ausdruck zu tun haben. Damit wird die festgefrorene Energie im Schultergürtel befreit, was bedeutet dass blockierte Kraft wieder in Fluss kommen kann. Das verspannte Eigenleben der Schultern wird aufgehoben. Der Schulterbereich wird gelöster und weicher – und ihre Stimmung ebenso.

Abhilfe

Sie sehen, der ganze Schulter-Arm-Hand-Nacken Komplex sollte automatisch die Position einnehmen können und dürfen die am spannungsfreiesten sind, denn nur so kann der Körper die gigantischen Bewegungs-und Ausdrucksmöglichkeiten der Hand ausnutzen. Für die Spannungen und die motorischen Einschränkungen sind letztendlich viele neue Bewegungsinformationen, Anreize und Impulse nötig, damit sie ihrem Pferd einen lebendigen und sehr klaren Ausdruck ihrer Hand geben können, aber auch für Sie selber – für ihre Emotionen – denn dieselben mechanischen Behinderungen, die sie an einer Feinmotorik hindern, machen dem Menschen oft mehr zu schaffen, als ihm bewusst ist.

Deshalb ist es ganz wichtig, dass sie Schultern bei allen Bewegungen beteiligt sind. Isolierte Bewegungen der Hand führen unweigerlich zu Spannung der Hand, die sich wiederum in der Schulter festsetzt – ein Teufelskreis.

In den Körperseminaren bekommen Sie die nötigen Bewegungsanreize-, und Informationen, auf welch vielseitige und vielfältige Weise Sie ihren Körper positionieren und bewegen können. Sie erfahren ein verbundenes Bewusstsein für alle Körperteile und  Möglichkeiten für die sensibilisierten Fähigkeiten ihres Körpers – immer begleitet von der aufmerksamen Wahrnehmung und dem passiven Geschehenlassen des Körpers. Die sollte geübt sein, damit Sie sie in unerwarteten Situationen mit dem Pferd entsprechend spontan mit dem Pferd kombinieren können.

Interessiert Sie dieses Thema? Dann lesen Sie weiter:

Teil I : Die Handhaltungsschulung

Teil II  :  Was Sie Ihrem Pferd durch die Hand sagen können

Teil IV:  Die Hand und das Reiten

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.