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Die Voraussetzungen für ein gutes Körpertraining des Pferdes

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 Ein gutes Körpertraining muss für jeden umsetzbar sein

Die wirkliche Qualität eines guten Körpertrainings für das Pferd zeigt sich in der Umsetzbarkeit. Man darf nicht erst Nuno Oliveira sein müssen damit man es durchführen kann. Deshalb sind die Voraussetzungen, die der Mensch zum Biomotorischen Training braucht, nicht seine Fertigkeiten, sonder seine Fähigkeiten. Jeder Mensch der mit Pferden in Berührung kommt, soll ein Körpertraining mit seinem Pferd leicht ausüben können – unabhängig von Fähigkeiten, Begabungen, körperlichen Begünstigungen oder Defiziten.

So wird die Bindung zum Menschen  Freiheit fürs Pferd

Trotz der Vielfalten an Blickwinkeln und Aspekten , die ein gutes Körpertraining einfach haben muss, muss es bei jedem Pferd, bei jeder Reitart  – und vor allem wenn es nicht geritten wird – so einfach in der Anwendung sein, damit es für jeden Menschen umsetzbar wird.

Weil das Pferd von Natur aus dazu neigt, sich vom Menschen an seine körperlichen Grenzen bringen zu lassen, muss es bei einem guten Körpertraining für das Pferd, zuallererst um den Körper des Pferdes gehen. Es darf sich nicht von  Reittheorien verführen lassen, denn kein schneller reiterlicher Erfolg kann die langfristige Gesundheit und das Wohlbefinden des Pferdes aufwiegen. Die Bewegungs- und Körperleistungsfähigkeit beginnt IM Körper des Pferdes. In einem guten Körpertraining müssen die Fähigkeiten und nicht die Fertigkeiten des Pferdes im Vordergrund stehen und ein tiefes Verständnis für den Körper des Pferdes da sein.

Es gibt eine Bewegung vor der Bewegung

Aus diesem Grund ist ein gutes Körpertraining für das Pferd zwingend erforderlich, denn der Pferdekörper, und vor allem der Rücken des Pferdes sind ohne entsprechende Vorbereitung nicht lange belastbar. Der Energiestoffwechsel in der ausführenden Muskulatur, das Herz-Kreislauf-System und die Lunge müssen sich an die geforderten Belastungen des Menschen anpassen können. In einem Körpertraining begleitet man das Pferd durch seine körperlichen Entwicklungsphasen und beseitigt  in erster Linie die Bewegungseinschränkungen, die im Leben des Pferdes bei abnehmender Alltagsaktivität das Problem Nummer eins sind.

Die Kultur der Aufmerksamkeit –Anlerntechnik oder Körperausbildung

Ein gutes Körpertraining ist ein Training der individuellen Fähigkeiten des Pferdes, die aus der Wahrnehmungs- und Gleichgewichtsfähigkeit, und der Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit  entstehen und nicht aus auswendiggelernten Fertigkeiten. Die für das einzelne Pferd optimale körperliche Beziehung zwischen Kopf, Hals, Rumpf und Becken haben dabei vorrangige Bedeutung für die Koordination. Das ausbalancierte Verhältnis dieser Körperteile ist entscheidend für eine freie, entbundene und gelöste Steuerung der Bewegungsabläufe, des Gleichgewichtes und ist deshalb die elastische Triebfeder des eigenen Körpers.

Eine motorische Entwicklung wie in der Natur des Pferdes – „Lernen“ durch Spielen

Ein gutes Körpertraining muss unendlich viele Aspekte und Blickwinkel in sich beinhalten, ohne dass sie für das Pferd „spürbar“ werden. Die Körpererfahrungen, die sich für das Pferd wie ein zweckfreies Bewegungserleben anfühlen, müssen spielerisch verpackt sein. Alle Bewegungen sind ja bereits im Pferdekörper angelegt und müssen nur durch Anreize „freigelegt“ werden. Der Schwerpunkt muss deshalb auf „Übungen“ liegen, die Spielsituationen für das Pferd sind, und spielerisch die Anpassungsfähigkeit, Bewegungskoordination und das kardio-vaskuläre Leistungsvermögen entwickeln. Statt wiederholtem „sinnlosem Einüben“ entwickeln sich so „sinnvolle Körperprozesse“, die alle Sinne einbeziehen.

Die Freiheit der biologischen Systeme – Sinneswahrnehmungen und Sinneseindrücke

In einem guten Körpertraining bestimmen die eigenen Körpererfahrungen in der Biomotorik und das „sinnliche“ Lernen die Bewegungen. Das Training weiß, dass der Körper nur durch die eigenen Erfahrungen der Sinne und seiner Wahrnehmung geprägt wird. Neue Wahrnehmungen über die Nervensysteme,  werden dabei mit dem bereits „Gelernten“ verbunden. Durch den feinen „organischen“ Prozess im Training konstruiert und formt das Pferd  seinen Körper auf der Grundlage seines Skelettes selber, alle Körpererfahrungen bilden sich im Körper ab und spiegeln die Bewegungen in seinem Körperausdruck.

Ein gutes Training muss deshalb viele wechselvolle und vielfältige Anreize setzen. Die Güte eines Trainings entsteht durch die Vielfalt der Wahrnehmungsangebote. Ein gutes Training weiß, dass eine bewusste Formgebung des Körpers dabei extrem kontraproduktiv ist.

Bewegung wird Bewegungslust

Ein gutes Körpertraining für das Pferd muss Freude an den eigenen Bewegungen im Pferd wecken und gleichzeitig Sicherheit geben. Unsicherheiten entstehen, wenn körperliches Selbstvertrauen fehlt. Sie blockieren die Bewegungen des Pferdes, die „Leistung“ des Körpers, und damit auch sein Lernverhalten und die körperliche Weiterentwicklung. Der Pferdekörper lebt aber von der Bewegung und der größtmöglichen Bewegungsfähigkeit und das eigene Tun und Handeln ist die Energiequelle des Pferdekörpers.

Die Entfaltung der einzigartigen Persönlichkeit jeden einzelnen Pferdes

Ein gutes Körpertraining lässt aus einer natürlichen Entwicklung des Pferdes zusammen mit dem angeborenen Wissen des Körpers (Primitivbewegungen), Bewegungsfreude entstehen. Aus der Bewegungsfreude wiederum entsteht eine Energie zur Bewegung, die nichts mit Kraft oder automatisiertem Muskelaufbau zu tun hat. Ein Training das die „Sinne“ anregt, spricht zugleich seine Emotionen an, verfeinert die Wahrnehmungsfähigkeit, und weiß, dass der Körperausdruck, die Gänge und die Faszination des einzelnen Pferdes dann umso eindrucksvoller werden. „Sinnloses“ anerzogenes Verhalten dagegen führt zu nichts.

Bewegungen wachsen lassen

Ein gutes Körpertraining basiert darauf, dass die anatomische Bauart des Pferdes mit weit mehr Flexibilität und Vielseitigkeit ausgestattet hat als andere Tiere. Und dass das Pferd in die Entfaltung seiner körperlichen Entwicklung geführt werden muss, damit es seine Bewegungen selbst erleben und empfinden kann. Dazu müssen auch kleine Signale des Pferdes ernst genommen und nicht unterdrückt werden, damit es zu großen Signalen und Widerständen gar nicht erst kommt.

Das Pferd braucht zur Bewegung Sauerstoff

Ein gutes Körpertraining muss von Anfang an – vom ersten Schritt des Pferdes an, ein betont aerobes Training (aerob = mit Luft)sein, bei dem der Pferdekörper in jeder Phase mindestens so viel Sauerstoff anfordert, wie er verbraucht, um Herz und Lunge zu versorgen. Bewusst formende  Trainings sind dagegen anaerobe Trainings(an-aerob =ohne Luft), die die Energiereserven des Pferdes angreifen. Sie sind ohne Zugriff auf weiteren Sauerstoff, da der Bewegungsapparat nicht mit dem inneren System des Pferdes verbunden ist, was zu Spannungen und zu einer Übersäuerung in den Muskeln und Organen führen kann.

Über das Nervensystem hinaus

Ein gutes Körpertraining weiß das sich die Bewegungsfähigkeit des Pferdes  gleichermaßen aus dem Anschluss der Muskeln an die Sehnen, den elastischen Sehnen, der Bänder und der zentrierten Gelenke, sowie der Gelenkigkeit, zusammen setzt. Dabei wird das Volumen des Herzens automatisch an die umfangreicheren, inneren Bewegungen angepasst. Auch das reibungslose Zusammenspiel des Autonomens und willkürlichen Nervensystems, die verantwortlich sind für die innere Regulation körperlicher Zustände,  sind davon abhängig. Die Funktionen des Herzes, der Gefäße, der Atmung, der Verdauung, der Fortpflanzung und der urologischen Tätigkeiten werden so harmonisch aufeinander abgestimmt.

Das biomotorische Training geht unter die Muskeln

Ein gutes Körpertraining muss die organischen Strukturen jederzeit  im Blick haben. Es  trägt zu einer gesunden funktionsfähigen Sehnen-Muskulatur-Verbindung bei, und beeinflusst darüber hinaus die Kreislauf-und Atmungssysteme positiv, da Muskeln letztendlich auch die Diener für Durchblutungs- und Stoffwechselmechanismen darstellen. Diese Verbindung ist eine lebendige Verknüpfung zwischen dem Organ-Nerven-System und dem Bewegungsapparat.

Ein Körpertraining muss die Bewegung aller Zellen berücksichtigen und vor allem über das Nervensystem gehen. Entscheidend ist dazu, wie Kopf, Brustkorb Rippenkorb und Becken  im Wiederausrichtungsprozess des Trainings angeordnet werden. Das bedeutet, im Training nichts auszulassen, was den großartigen Zusammenhang und die Funktion von Sehnen, Faszien, Bänder und des Bindegewebes mit den Muskeln herstellt.

Die Lehre der Muskelspannung – Spannungsmuster und ihre Wirkung auf Körperbereiche

Ein gutes Körpertraining weiß, dass die Muskeln das nicht allein schaffen, sondern dass das nur ein Verbund der Sehnen die Mobilität, Flexibilität und auch Stabilität der Gelenke, entwickeln kann.  Es weiß dass bei einem reinen Muskeltraining der Druck im Muskel viel zu schnell ansteigt und der Spannungsanstieg die Durchblutung behindert und dadurch Muskelverhärtungen und Ausweichmuskulatur erzeugt. Durchblutungsstörungen und Stoffwechselprobleme sind die Folge.

Einschränkungen vermeiden – sonst gehen Bewegungen auf die Nerven

Ein gutes Körpertraining weiß wie wichtig die Nervensysteme für alle vier Phasen des Körpertrainings sind. Sinneswahrnehmungen sind die Diener der Nervensysteme. Es müssen deshalb konsequent ALLE  Einschränkungen der Sinne vermieden und die Funktionen des Körpers als Empfang- und Wahrnehmungsorgan quasi von allen äußeren Einflüssen „gereinigt“ werden. Die Sinneswahrnehmungen machen einen wichtigen Teil des Körpererlebens aus, und alles was die Funktion beeinträchtigt muss aufgelöst oder vermieden werden.

Den Pferdekörper „entbinden“ 

Ein gutes Körpertraining muss deshalb erstens während dem Training die Fehlfunktionen beziehungsweise Fehlregulationen und Bewegungseinschränkungen „abstellen“ und zweitens alle Einschränkungen von außen, (auch die der eigenen Muskeln)wegzulassen, „einstellen“. Es muss also alles vermieden werden was das Pferd an seiner Eigenwahrnehmung hindert. Ein großes Thema ist dabei das Genick und der Kiefer des Pferdes, bei dem man die Ursache-Folge-Wirkung schnell im Körper erkennen kann und bei dem ein gutes Training wirklich sehr konsequent sein muss.

Der Wiederausrichtungsprozess

Der körperliche Wiederausrichtungsprozess eines guten Körpertrainings muss Gelenke beobachten, die fehlbelastet  und eingebunden sind, genauso wie Wirbel die sich stabilisieren müssen. Denn sie stören die Körperfunktionen, wenn sie den Bewegungen der Gliedmaßen nur standhalten müssen.  Ein Körper funktioniert motorisch umso besser und auch die Wahrnehmungsleistung ist umso besser, je symmetrischer er ist. Das lässt sich sogar evolutionspsychologisch nachvollziehen. Hengste mit stark symmetrischem Körperbau haben bei Stuten die besseren Chancen – denn Symmetrie ist ein Indikator für Gesundheit, und somit haben symmetrisch gebaute Tiere die besseren Überlebenschancen.

Ausweichsmuskulaturen – der Körper weicht aus

Ein gutes Körpertraining ist ein Körperprozess, bei dem man den Körper des Pferdes ernst nimmt. Ausweichsmuskulaturen sind deswegen sehr aussagekräftig, denn sie sind Zeugen und sogar Seismographen für eine zu intensive,einseitige Belastung des Körpers, der er „ausweichen“ muss. Wenn der  Mensch das Pferd motivieren, antreiben oder gar strafen muss, macht er etwas falsch – denn die stärkste „Motivation“ ist immer noch der funktionierende Körper des Pferdes.

Das Pferd passt sich mit seiner Anpassungsfähigkeit an sehr vieles an, doch Negative Bewegungen zehren von seiner Substanz, und bilden Ausweichmuskulaturen. Und das ist das paradoxe – je mehr das Pferd auf diese Weise trainiert, oder geritten wird (ohne Vorbereitung und mit zusätzlicher Belastung) desto größere und stärkere Ausweichsmuskulaturen bildet der Pferdekörper, um den Belastung gegenhalten zu können,  die es dann aber durch Bewegungseinschränkungen geradezu einbinden und freie Bewegungen unmöglich machen.

Wenn es dem Pferd schwer fällt, aufmerksam zu sein

Ein gutes Körpertraining löst zuerst die Grundspannung (Tonus) damit sich die Muskeln entspannen können, denn es ist bekannt, dass Pferde mit einem schwachen Muskeltonus nicht ausreichend Bewegungsfähig sind. Sie sind unaufmerksam und eigentlich nicht fähig Lasten zu tragen. Ein Pferd mit hohem Muskeltonus dagegen ist in einem permanenten Spannungszustand. Beide Varianten haben, eine sehr problematische Regenerationsphase. Denn wirkliche Entspannung setzt Aktivität voraus – nicht „nichts tun“ oder Überspannung. Das heißt, auch wenn das Pferd zur Ruhe kommt – tritt die regenative Phase kaum oder gar nicht ein. Damit ist auch kein Muskelaufbau möglich.

Muskeln – bereichernde Bewegungen

Ein gutes Körpertraining führt das Pferd aber auch zielgerichtet in die entscheidende Phase – in den Muskelaufbau. Die Gliedmaßen – für einen funktionellen Muskelaufbau – müssen davor entlastet worden sein, indem das Pferd Kopf und Brust anheben kann. Auch von der Zusammenarbeit zwischen Ober- und Unterlinie des Pferdes  hängt ab, ob und wie das Pferd sich aufrichten kann und sich die Wirbelkette dabei strecken kann. Davon wird die Tiefensensibilität stimuliert. Dieser Reflex gibt dem Pferd angepasst Gelegenheit Muskeltonus, Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeit zu trainieren.

Eine Fixierung und Steifigkeit der Wirbelkette dagegen beeinträchtigt die Kooperation zwischen Ober- und Unterlinie und wirkt sich auf die Balance des Genicks, sowie die Möglichkeiten des Beckens aus und belastet die Gliedmaßen. Voraussetzung für einen gesunden Muskelaufbau der keine weiteren Bewegungseinschränkungen „züchtet“ ist deshalb das Zusammenspiel des Körpers und damit der Austausch des „inneren Systems“ mit dem Bewegungsapparat.

Ein gutes Körpertraining muss deshalb genau wissen, welche Muskeln auf welche Weise trainiert werden dürfen – denn sonst züchtet man Panzer. Ein konstruktiver Muskelaufbau muss wissen, wie die neuromuskulären Schaltungen beschleunigt werden können, damit neben Flexibilität und Kraft der Muskulatur auch die Funktionen des Körper und die stabile Beweglichkeit von Wirbeln und Gelenken angepasst erhöht werden können.

DAS BIOMOTORISCHE TRAINING ERLERNEN

In den sogenannten „Montagstrainings“ können Sie das Biomotorische Training erlernen.

Sehr empfehlenswert, aber keine Voraussetzung ist die 2-tägige Körperschulung für den Menschen im Vorfeld. Die Termine für die Körperschulung entnehmen Sie bitte auf unserer Webseite unter: www.bewegungslernen.com

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