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Die Sensopathie – der direkte Weg in den Körper des Pferdes

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Pferde wollen verstanden werden und nicht nur versorgt sein. Aber um das „Verständnis“ der Welt um sie herum zu bekommen steht ihnen nur ein Kanal zur Verfügung – ihr Körper.  Pferde haben tatsächlich nur ihren Körper, um sich verständlich zu machen. Über ihren Körper und ihre angeborenen Bewegungen haben sie die Chance sich auszudrücken und Gefühle und Bedürfnisse zu äußern, die durch den Pferdekörper vermittelt werden.

DIE SPRACHE DER BEWEGUNGEN

Auch das körperliche Selbstvertrauen des Pferdes ist davon abhängig, wie gut sie sich durch ihren Körper mitteilen können. Die angeborenen Bewegungen haben ihre eigene Sprache. Mit einer Kommunikation ohne Worte reagiert das Pferd vor allem auf das was sie empfinden und nicht auf das was sie hören. Die Welt des Menschen ist jedoch eine überwiegend verbale oder mechanisch- orientierte Welt, mit eher sachlichen Informationen oder reiterliche Anweisungen und so übersehen wir oft die Aussagen und körperlichen Bedürfnisse des Pferdes.

Das Pferd hört dem Menschen zwar zu, der Pferdekörper kann aber nicht verstehen, was der Mensch sagt. Das Pferd muss sich so zu sehr bemühen, die Bedeutung von Aufgaben zu erfassen und sie zu interpretieren, denn unser Körper drückt oft was anderes aus, als wir wollen. Die Körpersprache des Menschen dagegen, ist viel verständlicher für das Pferd – denn so kommunizieren Pferde untereinander. Aus dem Grund sind die Körperschulungen für den Menschen entstanden, in denen der Mensch unter anderem wieder lernt, sich mit seinen angeborenen Bewegungen zu bewegen, die für das Pferd leicht lesbar sind.

DIE NATUR AUF UNSERER SEITE

Sowohl die Entwicklung einer Bewegung als auch die Reifung zur Bewegung im Gehirn spiegelt sich in der Sensopathie. Das Pferd lernt wieder, seinen Körper in der Bewegung seines Bewegungsapparates selber zu beobachten und es erfährt, dass es mit der Begleitung des Menschen seinen Körper (weiter)entwickeln kann.
Der Mensch dagegen lernt, die Bewegungen des Pferdes in ihrer verbindenden Wirkung, im wahrsten Sinne des Wortes zu „begreifen“ – denn die Körpersprache des Pferdes spricht auch uns, direkt in unserer Empfindungswelt an. Die Signale und Reaktionen lösen so direkt und unmittelbar unser intuitives Fühlen und unsere Taten aus (Damit ergänzt sich die Sensopathie mit allen erlernten Therapiemöglichkeiten des Menschen)

Mit der Sensopathie können wir uns besser vorstellen, wie sich Bewegungen aus der Sicht des Pferdes anfühlen. Und wie das Pferd beim Ausüben seiner ganz normalen Funktionen und  alltäglichen Bewegungen eine gewisse, vermutlich eher stille Freude empfinden kann – eine Befriedigung über seinen eigenen Körper, normalerweise nichts Spektakuläres, einfach ein Wohlsein. Denn die Sprache der Bewegung findet im Alltag statt – nicht in den wenigen Momenten des Reitens.

Das ist ganz wichtig, denn das Pferd empfindet und versteht seinen Körper als Ganzes, genau wie ein Kind in seinen ersten Entwicklungsphasen. Es kann nicht verstehen, dass der Mensch es nicht als „Verbundsystem“  wahrnimmt und vielleicht nur sein Hinterbein meint, oder seine Kopfhaltung die doch aus so vielen Einflüssen und Faktoren entsteht, oder als krankes Bein – auf das das Pferd im Falle einer Verletzung reduziert wird. Wie oft nehmen wir die Reaktionen oder Signale des Pferdes nicht mehr wahr.

DIE SENSOPATHIE – DIE NATUR ZURÜCKGEHOLT

In der menschlichen Obhut des Menschen, kann das Pferd die Bewegungsanreize einer intakten Umgebung auf „natürlichem“ Weg nicht mehr bekommen, die es zu einer optimalen Bewegungsentwicklung brauchen würde. Das Bewegungslernen holt mit den Bewegungsübungen und den Sinneswahrnehmung des Biomotorischen Trainings, die vom  Stammhirn aufgenommen werden und mit der Stimulierung des Körpergefühls und der körperlichen Eigenwahrnehmung durch die Sensopathie, die Natur wieder zurück.

DIE SENSOPATHIE FINDET IM LIMBISCHEN SYSTEM STATT

Der enorme „Einfluss“ den die Sensopathie auf die Funktionen zur Bewegung auslöst, kann damit erklärt werden, dass es zwischen den, für bestimmte Fähigkeiten der Motorik zuständigen Arealen, starke Verbindungen gibt. Solche Fähigkeiten entstehen…

  • Im Stammhirn des Pferdes, wo die essenziellen Lebensfunktionen die Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung steuern, tätig sind.  Also da wo es um das Überleben, um Reaktionen, Reflexe und intuitives Bewegen geht. Das Stammhirn bildet die Schnittstelle zwischen dem übrigen Gehirn und dem Rückenmark, und deshalb gehört zu seinen Aufgaben das Verschalten und Verarbeiten von ankommenden Sinneseindrücken sowie ausgehenden motorischen Informationen.
  • Im Limbischen System, dessen Aufgabe das Körpergefühl und die körperliche Eigenwahrnehmung sind, und für Gefühle und Emotionen und „Wohlgefühl“ zuständig ist. Außerdem empfindet das Pferd im Limbischen System des Gehirnes Sicherheit und Vertrauen.
  • Und dem Kleinhirn, das für geschmeidige, leichte und koordinierte Bewegungen sorgt, das für den Muskelaufbau äußerst wichtig wird und Abweichungen von der geplanten Bewegung korrigieren kann. Die meisten Pferde, die gewohnt sind, Bewegungen auszuführen, mangelt es an der Stimulation des Kleinhirnes bei der Bewegung

Die aktiv in Bewegung durchgeführten und durch die Sensopathie begleiteten Bewegungen sind dann äußerst wichtig, wenn man Fehlfunktionen des Pferdekörpers beheben möchte. In dem Bewegungsentwicklungsprozess des biomotorischen Trainings kann das Pferd durch die Impulse der Sensopathie von einseitigen, Gewohnheitsmustern abweichen und korrigieren. Denn auf Bewegungen die nicht zu ihm gehören, reagiert der Körper mit Strukturen die nicht zu ihm gehören – mit Ausweichmuskulaturen.

NEUE BEWEGUNGEN ENTSTEHEN

Die Sensopathie kann den Spannungszustand des Körpers, der durch falsches Muskel- und Gelenkspiel verursacht wurde, sofort verbessern. Zusammen mit den Biomotorischen Übungen ist der Pferdekörper dann in der Lage, die neuen Informationen in sein Körperkonzept zu integrieren. Wichtig ist dabei eine Begleitung, die nicht fördern will. Eine „Förderung“ der Bewegung würde unweigerlich Druck aufbauen und in anderen Gehirnarealen umgesetzt werden.

Die Sensopathie ist für das Pferd ein spielerisches Umgehen mit seinem Körper, bei dem es selber heraus finden kann, was geht und was noch möglich ist. Das Pferd ist sich freilich dessen nicht bewusst. Erst in seinem Bewegungsspiel zeigt das Pferd Bewegungen, von denen es wahrscheinlich bisher nicht geahnt hat, dass es sie ausführen kann (und sein Besitzer auch nicht). Je selbstvergessener das Pferd seine „neuen“ Bewegungen ausprobiert, desto besser kann der Körper in seine angeborenen Bewegungen, wieder sprichwörtlich hineinwachsen.

Mit der Stimulierung der Sensopathie ist es auch möglich, Bewegungen zu begleiten, die das Pferd nicht aktiv durchführen kann – sei es durch eine Verletzung, eine Bewegungseinschränkung oder durch ein Muster von Bewegungsabläufen in dem es gefangen ist.

DIE KÖRPERGEFÜHLE

Wohlfühlen ist die Entspannung der Bewegungen – denn das Pferd entzerrt sich dabei. Wie alle Lebewesen (Mensch, Igel, Schnecke) zieht sich das Pferd bei einem unguten Körpergefühl zusammen. Wird diese Reaktion des Zusammenziehens immer wieder ausgelöst, bewirkt diese Dauerkontraktion nicht nur ein emotionales „Zusammenziehen“ sondern auch eine körperliche Veränderung und eine Verspannung der Muskulatur, die vor allem auch die Atembewegung einengt.

DIE SENSOPATHIE UND DER MUSKELTONUS

Das Bindegewebe von Haut und Unterhaut wird tatsächlich starr und steif. Da es durch die vorgebeugte Haltung auch zur Nackenverspannung kommt, die die Blutgefäße einengt – ist die Sauerstoffversorgung und Sinneswahrnehmung des Kopfes noch zusätzlich beeinträchtigt, was zusätzlich wie eine Atembremse wirkt. Die Regulation des Muskeltonus durch das Auslösen des ersten Primitivreflexes ist deshalb auch der erste Schritt im Biomotorischen Training und zugleich die Grundlage für die Sensopathie.

Körpergefühle haben also nicht nur mit Wohlfühlen zu tun, sondern auch mit der Eigenwahrnehmung. Die größtmögliche Wirkung kann man im Biomotorischen Training deshalb erzielen, wenn das Pferd sich wirklich wahrnehmen und selber die Bewegungen seines Körpers „beobachten“ kann.

DIE „FALSCHE“ EIGENWAHRNEHMUNG DES KÖRPERS

Oft nehmen sich die Pferde selbst anders wahr. Sie empfinden ihre Bewegungen selber als symmetrisch, auch wenn sie nur eine Körperhälfte aktiv bewegen (und die andere mitziehen muss) Beispielsweise wenn es den Kopf nur auf eine Seite wenden kann, und nicht auf die andere. Oder sie nehmen ihren Körper garnicht mehr wahr. Viele Pferde wissen nicht mehr dass sie ein Hinterteil haben oder empfinden nur, wenn es schmerzt. Dass dann die Bewegungen nicht sehr geschmeidig und koordiniert sein können, versteht sich von selbst.

Das Gehirn des Pferdes glaubt auch sehr oft, dass es nur drei Beine hat – die Vorderbeine und das linke Hinterbein (wir haben den Begriff des „Holzbeines“ geprägt). Das Pferd nimmt sich subjektiv trotzdem als gerade ausgerichtet wahr, und wird alle „von außen“ (vom Menschen) eingeleiteten Bewegungsaufgaben als gerade annehmen und „schief“ ausführen. Die Muskeln werden so einseitig ausgeprägt, da wo sie genutzt werden, und der Körper gerät immer mehr in eine „Schieflage“ die von Muskel- und Sehnenzügen und Ausweichmuskulatur zusammen gehalten werden.

MIT DER NATUR KANN MAN NICHT VERHANDELN

Wie wichtig die zusammenspielenden Signale für das Pferd sind, sehen wir zum Beispiel dann, wenn es keine Sinneseindrücke bekommt oder nur wenige äußere Reize wahrnehmen kann. Wenn das Pferd von den für ihn so wichtigen Umweltreizen abgeschottet ist, oder der Kopf eingeschnürt wird, kann das Stammhirn nicht stimuliert werden, und das Gehirn konzentriert sich stattdessen auf die inneren Prozesse des limbischen Systems. Bei zu starken emotionalen Reizen wie Stress oder Leistungsdruck oder aber auch bei der Reizüberflutung der Umwelt, zieht das Pferd sich in sich zurück, verliert den Kontakt zu seiner Umwelt und reagiert  nach kurzer Zeit mit intensiver Angst, Schreckhaftigkeit oder Unsicherheit.

Wir Menschen kennen diesen Zustand der starken Stimulation übrigens aus der Zeit starker Verliebtheit – in der man ja auch gerne die Realität anders „sieht“ – gesteuert vom Limbischen System. Man kann das Limbische System deshalb auch mit einem Verstärker vergleichen, der die Intensität der „Gefühle“ – und des  Verhaltens steuern, erhöhen, verringern, oder eben auf die umgebende Welt regulieren kann – je nach der Stimulation.

DER SINN DER BERÜHRUNG IN DER SENSOPATHIE

Galt das Sehen, Tasten und Spüren lange Zeit als unwissenschaftlich und altmodisch, entdecken wir mit der Sensopathie die Bedeutung von Berührungen wieder. Berührungen schicken ihre viel langsamer leitenden Signale (die Reflexe die ins Stammhirn ankommen sind viel schneller)direkt an das Gefühlszentrum – ins Limbischen System des Gehirnes. Da Berührungen  immer vom Gehirn in der momentanen Situation der eigenen Bewegung interpretiert werden, kann die Sensopathie das Muskel und Gelenkspiel da verändern, wo die Eindrücke des Körpers verankert sind.

Allerdings sind die taktilen Informationen nicht langanhaltend – aber zusammen mit der Biomotorik und dem Biomotorischen Training, ist der Körper  in der Lage sie mit den biomotorischen Informationen in seinem Archiv zu verankern und sein Körperschema im passenden Entwicklungsprozess langsam und stufenweise in seinem Rhythmus zu verändern.

Die Sensopathie gibt dem Pferd Sicherheit und Vertrauen
Die Sicherheit die dem Pferd während der Bewegung gegeben werden kann, ist unersetzlich. Das Vertrauen, dass sich sofort im ganzen Pferdekörper ausbreitet, ist nicht nur sichtbar sondern sogar fühlbar. Der Muskeltonus entspannt sich augenblicklich.

Durch die fühlbare Sensopathie weiß der Mensch, wonach er „suchen“ muss. Mit der Verbundenheit und Sensibilität, die über die Fingerkuppen bei der Sensopathie entstehen, kann der Mensch die unterschiedlichsten Signale des Pferdekörpers wahrnehmen. Diesen Berührungseindruck den man „am Finger“ hat, vergisst man niemals, er ist durch die Gesamt-Sinneswahrnehmung abgespeichert und kann vom Menschen jederzeit abgerufen werden. Lesen Sie weiter unter: SENSOPATHIE – DIE FÜHLBARE SPRACHE DER BEWEGUNGEN

SIND SIE AN DEN VIELFÄLTIGEN EINDRÜCKEN DER SENSOPATHIE INTERESSIERT?
Die Sensopathie wurde von Roland Pausch entwickelt und wird im Rahmen des 8-teiligen Weiterbildungsseminars gelehrt und weitergegeben.

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