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Ihr Körper lernt reiten

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Reiten bedeutet in erster Linie, den eigenen Körper im Blick zu haben

Aber nicht nur der Reiter braucht eine gesunde Funktionsweise seines ganzen Körpers. Bewegungsfähigkeit und Koordinationsfähigkeit sind auch für jeden „normalen“ Menschen – also den Nichtreiter oder auch für den Menschen, der mit seinem Pferd nur vom Boden aus seine Gemeinsamkeit pflegt, von zentraler Bedeutung.

Nie war es so wichtig seine Bewegungsfähigkeit und Koordinationsfähigkeit zu verbessern. Der weitverbreitete Bewegungsmangel, viele auch unbewusste Negativ-Bewegungen, berufliche Zwänge führen zu falschen Körperhaltungen. Wer aber den Alltag stemmen will, und wer flexibel bleiben will, der muss beweglich sein. Wer alles unter einen Hut bekommen will, muss koordinieren können. Das spielt in allen Bereichen des Lebens eine wichtige Rolle, nicht nur beim Reiten. Und nicht nur auf dem Pferd, ist es wichtig auf seinen Körper zu „hören“.

Aus der Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit kann der Mensch  immer wieder neue Kraft schöpfen – denn sein ganzes Wohlbefinden ist davon abhängig. Das traurige Gegenteil spüren heute Millionen Menschen im Alltagstress und können ihn auch beim Pferd nicht ablegen. Können sie aber diesen Stress nicht durch ihre Bewegungsfähigkeit abreagieren, führt das automatisch zu Verspannungen – die Nerven werden so eingeengt, dass sie nicht mehr frei arbeiten – und der Reiter überträgt die  “Spannung“  damit aufs Pferd.

Deshalb ist vor allem der Reiter einem zweiteiligen Druck ausgesetzt, wenn eine fehlende Bewegungsfähigkeit schädigt Pferd und Reiter. Wenn das Pferd aber durch den Reiter Bewegungseinschränkungen bekommt, ist  der Reiter mit seinem Körper beeinflusst, was er wiederum auf das Pferd ausstrahlt. Der Teufelskreis ist perfekt – und körperliche Schäden quasi vorprogrammiert.

Am Anfang steht Ihr Körper

Der eng vernetzte Orientierungsverbund und die Wechselbeziehung mit dem Pferd signalisiert zwar pausenlos beiden Körpern, dass Aktionen und Bewegungsabläufe nicht mehr gut ausgeführt werden – aber ohne Gefühl für den eigenen Körper hören wir nicht mehr hin und können so die Bewegungen mit dem Pferd nicht mehr abstimmen.

Warum Ihr KÖRPER Reiten lernen muss?

Das Reiten als „schönsten Ausnahmezustand“ für den menschlichen Körper, verlangt eine Unmenge an Bewegungsgefühl und noch mehr Gefühl für den eigenen Körper. In der Perfektion ist es eine Körperkunst – stärkt Muskeln und Sehnen gleichzeitig und verbindet die zwei Systeme des Körpers über Sinneswahrnehmungen miteinander. Nichts macht auf diese Weise den Körper elastischer und geschmeidiger, nichts verleiht eine größere Aufmerksamkeit und Gewandtheit und nichts verfeinert die Sinne mehr – wie das Reiten.

In seinen positiven Aspekten tut Reiten deshalb dem ganzen Körper gut. Herz und Kreislauf, auch die Atmung und der Stoffwechsel des Menschen profitieren davon. Durch die doppelte Sinneswahrnehmung (Aufmerksamkeit auf sich selbst und auf das Pferd)wird die Kondition gestärkt und  das Koordinationsvermögen gefördert.  Die innere, dynamische Ganzkörperbewegung ist optimal für alle Wirbel und Gelenke, die ja von Bewegung und nicht von der Ruhestellung leben und von Belastung und nicht von der Schonung.

Das Konzept des Körpers

So  ganz einfach macht es uns der Körper dazu allerdings nicht. Um diese Leistung vollbringen zu können, braucht er eine nahezu perfekte Zusammenarbeit des Körpers. Der so oft zitierte Körper als „Ganzes“, oder als „Einheit“ beschreibt deshalb das Zusammenspiel des Bewegungs- und Muskelsystems mit seinem  „inneren System“ dem Zell-Nerven-Organ System. Das verbindende Element dazu sind Sehnen und Bindegewebe, die den ganzen Körper miteinander buchstäblich verbinden, aber nicht einbinden dürfen.

Der Kopf muss für das Pferd frei sein…

Der feinsinnige Informationsaustausch von beiden im Körper ist die Quelle der Intuition. Bestimmte Zonen des Gehirns sind eng gekoppelt an das Nervengeflecht des Darmes, des „Bauchgehirnes“. Sie verwalten die „einfachen“ – die primitive Reaktionen und Instinkte, die der Mensch auch dringend zum Reiten braucht, und die erst funktionieren wenn das Zell-Nerven-Organ System mit dem Muskel- und Bewegungsapparat verknüpft ist.

Negative Bewegungen dagegen, lassen die Muskeln zu einem Panzer verhärten und blockieren die Informationsströme. Muskuläre Verspannungen verhindern unsere Bewegungen, sie verringern unsere Motorik, sie schränken die Möglichkeiten ein, sich mit dem Körper auszudrücken und haben deshalb auch ihre negative Wirkung auf die Gesundheit des Pferdes. Alle grundlegenden motorischen Fähigkeiten, die in uns angelegt sind, verändern sich. Im schlimmsten Fall spüren Sie ihren eigenen Körper und die bewusste Wahrnehmung nicht mehr, interpretieren und werden intolerant, auch gegenüber den Verhaltensweisen des Pferdes.

Das Prinzip der biologischen Anpassung

„Wie sollen wir dem Pferd wohl tun, wenn wir uns selbst nicht wohl fühlen“ hätte Goethe gesagt. Theoretisch ist unser biologisches System tatsächlich so beschaffen, dass wir durch das Zusammenspiel unserer Körpersysteme so reiten könnten, damit es auch  dem Pferd gut tut. Unser Körper hat sich in Jahrtausenden darauf spezialisiert, sich an aktuelle Erfordernisse anzupassen und sich auf so ziemlich alle Umwelteffekte (also auch das Pferd) einzustellen. Als genialer Anpassungskünstler, stellen sich dann die Systeme (Muskelapparat, Herz- Kreislauf-System, Verdauungsapparat etc.) über ihre Sinneswahrnehmungen auf die stärkeren Belastungsreize ein und passen sich damit den höheren Anforderungen an. Übrigens ist der entbundene, störungsfreie Körper  des Menschen ist die beste Motivation für das Pferd, das so die enge Verbundenheit und Gemeinsamkeit mit dem Menschen als zweckfreies Bewegungserleben wahrnehmen kann.

Dieses Prinzip der biologischen Anpassung funktioniert aber leider nicht, wenn die Sinne nicht beteiligt werden. Wenn wir den Körper nicht ausreichend über seine Sinne fordern, schaltet der Körper gewissermaßen auf Sparflamme. Nur die begeisterungsfähigen Muskeln machen noch mit, denn der Organismus kann sich den Energiefressenden Luxus nicht leisten, ohne Signale der Nerven, Teile des Systems zu aktivieren, die offensichtlich aus Sicht des Körpers nicht gebraucht werden. Wenn ein Training deshalb rein auf die Muskulatur abzielt, werden nur die Muskeln unkontrolliert gestärkt, ohne die inneren Systeme mit einzubeziehen.

Die einseitige Folge

Die unvermeidliche Folge ist, dass die Verbundenheit, das Zusammenspiel des Körpers und seiner Systeme immer mehr abnimmt. Schlimmer noch – die unkontrolliert aufbauende Muskelmasse binden nach kurzer Zeit den Körper über das Bindegewebe richtiggehend ein, und Bewegungseinschränkungen entstehen. So sind die Bewegungen nicht mehr für schnelle Reaktionen frei verfügbar und können sich nicht an Situationen anpassen  – es entstehen Gewohnheiten, die den Körper auf Dauer schädigen.

Wie Funktionsstörungen entstehen

Die angeborenen Bewegungsoptionen des Körpers sind massiv eingeschränkt und es entstehen Funktionsstörungen im Körper. Auf diese massive Vernachlässigung reagieren dann aber auch unsere inneren Organe – großes Thema dabei – der Darm. Das ganze Prinzip Mensch funktioniert dann nicht mehr. Die Bewegungseinschränkungen strahlen in den ganzen Körper aus und binden die Bewegungsenergie. Das wird sogar am Beispiel eines inaktiven Stuhles deutlich: wenn ein Bein nur ein kleines bisschen kürzer ist, wackelt der ganze Stuhl, und bricht irgendwann, durch die kleinste Belastung.

Die eigensinnige Ausweichmuskulatur

Es wird Zeit sich von ihrer Ausweichsmuskulatur zu verabschieden, die nicht mit dem Zell-Organ-Nerven System verbunden ist, und ihren Körper „ausweichen“ lässt. Auch alle Bewegungseinschränkungen, die ihre Gelenke und Wirbel am Bewegen hindern, müssen soweit wie möglich reduziert werden und in einen geordneten Bewegungszusammenhang eingebunden werden. Sie stehen unter einer Dauerbelastung und strapazieren die Schutzmechanismen über, so kommt es zum Körperstress.

Ohne Sinneswahrnehmungen ist kein Lernen möglich

Durch diese Fehlbelastungen verändert sich dann der Tonus im Körper – und mit einer fehlgeleiteten Grundspannung ist aber der Körper nicht fähig, zu „lernen“ und verhindert die lebenswichtige körperliche Weiterentwicklung. Der Körper kann in diesem Zustand nur noch „auswendig lernen“ und sich in Bewegungsabläufen konditionieren. Leider stärkt er dabei noch weiter die ausweichenden, informationsfreien Muskeln, bewahrt negative Bewegungen, und trainiert  Gewohnheiten, Bewegungseinschränkungen und Funktionellen Störungen geradezu in den Körper hinein.

Lesen Sie wie der menschliche Körper in den Körperschulungen des BewegungsLernens das Reiten lernt:

Die spannenden und wunderbaren Zusammenhänge des menschlichen Körpers sind übrigens auch eines der Hauptthemen der großen Fort- und Weiterbildung, die 2019 in Deutschland-Mitte, Deutschland-Süd und in der Schweiz beginnt.

 

 

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