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Die Genickentlastung des Pferdes nach M. Pausch

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Die Genickentlastung des Pferdes nach M. Pausch – das Pferd hat seinen eigenen Kopf oder die Suche des Pferdes nach Sicherheit

Die Genickentlastung des Pferdes nach Pausch ist ein bahnbrechender Umgang mit dem Pferd, der eindrücklich verständlich macht, wie der Mensch die Natur des Pferdes nicht mehr beeinflussen muss, sondern wie  einfach der Körper des Pferdes mit allen seinen Funktionsweisen zur Grundlage für alles werden kann.

Die Situation in den Genickwirbeln durch Druck

Durch die andauernde Belastung und der ständige Druck im Genick entsteht eine Regulationsüberlastung der Körpersysteme des Pferdes. Die Situation in den Genickwirbeln wird durch den verhärteten Druck des Nackenbandes und den zusätzlichen Druck der Zäumungen – dramatisch. Die Übertragung der Körperinformationen durch die Hirnnerven ist eingeschränkt bis verhindert. Aber auch der Informationsfluss in den Kopf hinein ist gestört.

Die Situation im Körper mit Genickbelastung

Da die Hirnnerven aber die Sinne des Pferdes „nähren“ ist das Pferd quasi auf einem permanenten, energieraubenden „Blindflug“ – und zwar mit all seinen Sinnen – einschließlich Gleichgewichtssinn. Es wird abhängig vom Menschen und davon dass der Mensch versucht, sein Gleichgewicht herzustellen – was nicht gelingen kann, denn man kann nicht das Gleichgewicht eines anderen Körpers erzeugen. Die Augen – die Führer des Körpers (siehe Eye-Tracking) sind eingeschränkt, die innere Balance kommt durcheinander – der Organismus des Pferdkörpers ist nur noch auf seine Mechanik angewiesen und kann nicht mehr auf seine Werksseitige Regulierung zurückgreifen.

Eine unlösbare Aufgabe?

Die Aufgabe, die ich mir gestellt habe, war, wie es gelingen soll, diese Art von unbewusster Stimulation zu verringern, damit das Nervensystem des Pferdes nicht mehr ständig und mutmaßlich reagieren muss, sondern sich auf seine Eigenwahrnehmung – auf seine frei fließenden Biomotorik „besinnen“ kann. Die bestehende Situation des Pferdegenicks sah ja so aus, dass alles was der Mensch dem Pferd an den Kopf legt, einen unberechenbaren Druck im Genick ausübt – also im Prinzip jede Zäumung. Sogar die verständliche Gegenantwort auf Mörder-Gebisse, Sperrriemen und Co. – die Gebisslose Zäumung.

Meine Untersuchungen bestätigten sogar noch meine Vermutungen – der Genickdruck der Gebisslosen Zäumungen erhöhte sich sogar, durch den verstärkten Druck des eigenen Nackenbandes, weil die vorgeneigte Position des schweren Kopfes mit Gebissloser Zäumung die Genickwirbel extrem belastet.

Geradezu niederschmetternd empfand  ich aber die Genicksituation, die dem Pferd bewusst über Druckpunkte zugeführt wird (zu sehen in den Videos der FN). Druckpunkte sind die besonders sensiblen Zonen des Pferdekopfes, wie Genick, Kehlgrube, Nasenrücken und Kiefergelenk. Ganz bewusst – und ich möchte dass betonen – ganz bewusst – wird an diesen hochsensiblen Zonen Druck ausgeübt, weil das Pferd damit händelbar und leichter führbar für den Menschen wird. Ich enthalte mich des Kommentares über diese bewusst schädigende Art der Kontrollreiterei.

Das Pferd wird dabei über  Zwangsmittel an seinem Kopf, mit Kopfgestellen die eng am Pferdekopf anliegen und sogar noch zusätzlich dicken zugeschnürten Sperriemen und noch mehr Riemen gezielt und bewusst in die „Sinnlosigkeit“ geführt und bis hin zur Wahrnehmungslosigkeit beeinträchtigt. Ohne Navigator im Kopf ist das Pferd  dem Menschen ausgeliefert – mit allen zer- und verstörenden Verhaltensstörungen und Organschädigungen (darüber habe ich ausführlich in anderen Artikeln berichtet).

Zudem verstärken die Druckpunkte, die über ALLE (wirklich alle!) Zäumungsarten ausgeübt werden, die Kopf- und Genickstarre weil sie den Bewegungsradius des Kopfes beschränken, und versetzen das Pferd so in einen Zustand, der zu ständiger Übererregtheit oder Depression führt und den Körper und seine Funktionen belastet. Ich bin davon felsenfest überzeugt, dass durch diese andauernde Belastung eine Regulationsüberlastung des ganzen Körpersystems des Pferdes entsteht – vor allem natürlich der über allem stehenden Atemregulation – die wiederum eine ganze Reihe von funktionellen Problemen, wie Herzfunktion, Stoffwechsel und Problemen des Bewegungsapparates nach sich zieht.

Das Pferd kann es sich aussuchen – Druck auf Gaumen, Genick oder Zunge

Das Tragische bei der ganzen Geschichte ist, dass das Pferd sich den Druck im Genick über die Zugwirkung des Kopfgestelles selber erzeugt. Im Maul des Pferdes hat eigentlich nicht mehr Platz als seine Zunge. Wenn das Gebissstück so im Maul liegt, dass in den Mundwinkeln kleine Fältchen entstehen und das Pferd seine Zunge bewegt – und das Pferd MUSS seine Zunge bewegen (weil… siehe oben)dann verstärkt sich der Druck im Genick und es kann diesem Druck nicht entkommen.

Davon rührt übrigens auch die Nussknackerwirkung der einmal gebrochenen Trense. Das Pferd bewegt seine Zunge und drückt sich die dadurch aufgestellte Trense selber gegen den Gaumen (ähnliches passiert auch mit der Zungenfreiheit der Kandare). Noch schlimmer wird es wenn Riemen das Maul des Pferdes zuhalten. Aus der pressenden Gewalt des Gebissstückes kann sich das Pferd überhaupt nicht mehr befreien. Öffnet es das Maul auch nur einen Spalt breit – verstärkt sich der Druck im Genick. Lässt es das Maul zu, kann es seine Zunge nicht bewegen. Aus dieser Qual heraus, strecken die Pferde die Zunge heraus, um sich ein kleines bisschen Freiheit zu verschaffen oder fangen an zu schäumen, denn die ganze Feinmotorik des Maules wird durcheinander gewirbelt.

Dass dieses Pferd feinsinnig auf die „Hilfen“ eines Reiters reagiert, können wir vergessen – es ist so mit seiner Qual und Pein beschäftigt, dass es seine Umwelt und sich selber nicht mehr wahr nehmen kann. Und noch immer ist der Druck im Genick da – gegen den sich das Pferd wehrt. Wundert uns das, dass da ein Widerstand entsteht? Manche Pferde resignieren aber auch. Sie geben ihr Genick her – und eine Genickstarre um den Genickdruck herum entsteht.

Fragen???

Da ich annahm, dass nur ganz wenige Menschen diese Quälerei bewusst machen, und nur eben nur keine Lösung sehen, stellte ich mir die Frage, wie man das Pferd aus dieser Situation befreien und vielleicht trotzdem dem Menschen eine Möglichkeit an die Hand (im wahrsten Sinne des Wortes) geben kann, um eine gemeinsame Verbindung zu gestalten. Also musste ich noch weiter ergründen, noch tiefer nachfühlen, spüren und verstehen, welche Bedingungen dazu für Pferd und Mensch erfüllt sein müssen.

Die Antwort war verblüffend simpel, aber genauso einleuchtend. Das Pferd – eines der friedfertigsten Lebewesen die ich kenne, musste seine Sinne wieder bekommen. Der verbindende Kontakt zu den „Kräften“ des Pferdes ist aber wiederum  nicht möglich, ohne sorgfältiges „Ordnen“ und „Richten“ dieser Kräfte. Meine langjährigen Beobachtungen bestätigten es mir, sobald ich an diesem Punkt angekommen war.

Die Sinne des Pferdes

Alle Verhaltensstörungen, Fluchtreflexe, Panikattacken und die daraus entstehende motorische Störungen des Bewegungsapparates resultieren aus einem Mangel an Sicherheit im Empfinden des Pferdes. Die Sicherheit wiederum kann das Pferd nur durch zwei Faktoren bekommen – durch ein funktionierendes Sinnessystem und durch eine sehr verbindende Beziehung zu einem oder mehreren Lebewesen. Aus der Sicht der von mir geprägten Biomotorik, ist ein Mangel an einem Gefühl der Sicherheit der entscheidende  Aspekt bei der Entstehung von reiterlichen Problemen, aber auch bei allen Themen im Umgang mit dem Pferd.

So, jetzt musste noch eine Lösung her – die aber buchstäblich auf der Hand(des Menschen) lag. Das Pferd muss sich selber seinen Druck im Genick lösen können, und der Mensch muss ihm mit seiner verbindenden Hand helfen, sich dem Druck des Nackenbandes zu entledigen. Meine Forschungen über die Primitivreflexe des Pferdes kamen mir dabei zu Hilfe. Durch seine Verbindung zum Pferd kann der Mensch über die Primitivreflexe eine Genickbalance herstellen und das Pferd damit in seine Eigenwahrnehmung – in seine Biomotorik bringen, bei der alle Informationsquellen der Hirnnerven frei fließen können. Im Biomotorischen Training werden diese einfachen Vorgänge vollzogen.

Die Genickentlastung nach M. Pausch war geboren – ohne Druckpunkte, die Druck auf die Hirnnerven des Pferdes erzeugen, kann sich das Pferd bewegen,  und muss nicht ständig der Wirkung von nicht beeinflussbaren Signalen ausgesetzt sein – es kann sich voll auf seine Sinne konzentrieren, die beim Sinnesbegabtem Pferd besonders ausgeprägt verfügbar sind.

Die Selbstregulierung

Diese durchgreifende Genickentlastung ist nur mit einem anderen Umgang mit einem Gebiss möglich, das dazu bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss. Die ganz wichtigen Ringe müssen groß, sehr groß sein –
damit a) das Pferd das Gebiss-Stück selber leicht in seinem Maul bewegen kann (wie es das Pferd möchte – nicht der Mensch). Das Gebiss dürfen nicht „ergonomisch“ oder wie Olivenkopfgebisse oder Knebeltrensen festgehalten sein. Damit kann die Zunge des Pferdes an jedem Vorgang beteiligt sein (WICHTIG! – die Zunge und Zungenbein beeinflussen Schulter(die Schulter entscheidet ob das Pferd statisch oder dynamisch ist), Vorderbein, Genick, Kiefer, Schilddrüse etc.)

  1. b) kommen durch die großen, übertragenden Ringe alle nötigen Impulse – aber auch unkontrollierte Zuckungen des Menschen – nur als variierende Vibration im Pferdemaul an, was das dann das Pferd begeistert nutzt, um noch mehr mit SEINEM Gebiss zu spielen.

Und das ist ein ganz wichtiger Faktor – das Gebiss gehört dem Pferd! – der Mensch hat mit irgendwelchen kontrollierenden, führenden, strafenden, belohnenden, unkontrollierten, oder sogar gewalttätigen Handlungen – im Heiligtum des Pferdes – in seinem Maul nichts zu suchen. Punkt!

Der Selbstregulierungseffekt zur Genickentlastung.

Mit dieser veränderten Energie des Gebisses – übrigends ein dünnes, einmal gebrochenes (das braucht wenig Platz und liegt nicht auf den empfindlichen Laden auf )– kann das Pferd mit SEINEM Gebiss umgehen. Das Gebiss ist dabei extrem tief geschnallt – so tief, dass der Mensch zuerst mal denkt „wow – viel zu tief“. Im nächsten Moment fängt das Pferd jedoch an mit dem Gebiss zu spielen und zieht es sich selber bis in seine Mundwinkel hoch (siehe Zeichnung). Das Kopfgestell hebt sich dadurch an und befreit das Genick von seinem Druck. Das Pferd lernt, das es sich durch sein Kauen den Druck vom Genick selber lösen kann – das ist der Selbstregulierungseffekt zur Genickentlastung.

Die Lösung liegt also nicht in der Variation der Gebisse, sondern im Lösen des Genickdruckes, den das Gebiss erzeugt. Das ist die Null-Genickdruck-Toleranz.

Oftmals muss das Pferd erst wieder lernen, seine Zunge frei zu benutzen, denn manchmal sind auch Schädigungen des filigranen Zungenbeins vorhanden. Jedes Pferd bewegt seine Zunge anders und es ist immer wieder beglückend anzuschauen, wie begeistert die Pferde IHR Gebiss mit der dazugehörenden Freiheit annehmen, zum Spielen anregen und wie sie es in IHREM Maul nutzen.

Die Genickbalance

Je stabiler die äußere Situation – also der Mensch; neben ihm ist, desto mehr kann das Pferd nun „riskieren“ seine „verletzliche“ Seite zum Vorschein kommen zu lassen. Nun kann es das Pferd zulassen, was es uns schon lange zeigen wollte. Die „Stabilität“ des Halses – die nur über viel Raum zwischen den Wirbeln, „die Sensibilität der Zwischenräume“ – entstehen kann, und die über das BOMOTORISCHE TRAINING erreichte „geordnete Struktur im lebenden System“, erlaubt dem Pferd nun, in der Zartheit seines Genicks zu verweilen – die Genickbalance entsteht.

Aber – das Auftauchen dieser verletzlichen Seite in unserem Pferd verlangt eine aufmerksame, liebevoll weiche und doch Sicherheit gebende Haltung vom Menschen, der das Genick aufmerksam einlädt und auf jede „Ausführung“ verzichtet.

Abzuwarten, Kontrolle aufzugeben und Entfalten lassen, ist für viele Menschen eine neue Erfahrung, aber damit helfen wir dem Pferd bei der Entstehung einer Verbindung, bei der Sicherheit oberste Priorität hat. Durch die Qualität unserer Präsenz und vor allem mit einem anderen Umgang mit unseren Körperinformationen( allem voran natürlich auch mit unserer Genickentlastung, aber auch  mit unserer Hand bzw. mit unserer Schulter) unterstützen wir das Pferd in seiner Entfaltung( Jeder Zug der Hand beeinflusst die Wirbel des Pferdes!).

Die Hand ruht lebendig am Platz, jederzeit verfügbar für das Pferd, die Hand setzt liebevolle Grenzen, die dem Pferd sicheren Schutz für einen sehr verletzlichen Prozess in seinem inneren bieten – denn diese Vorgänge berühren auch den Kern des Pferdes, sein Innerstes – seinen Organismus. Der sichere Raum erfordert aber auch konkrete physische Grenzen, die den Raum erst dann wirklich sicher machen. (Man denke an den Schutz, den alte Kathedralen ausstrahlen). Im nächsten Moment muss die Hand des Menschen aber einladend – motivierend – beruhigend sein. Unsere Hand erschafft so einen Raum, der für das Pferd einladend und sicher wirkt.

Die Genickentlastung des Pferdes für einen ungehinderten Fluss der Hirnnerven, statt Druck auf seine Nerven

Die Genickentlastung des Pferdes zwingt uns, auch ein „gewohntes“ Verhalten des Pferdes aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Oft ist uns gar nicht klar, wie viele der Signale, die die Sinnesorgane des Pferdes durch das Nervensystem am Kopf empfängt, das Pferd zu Reaktionen veranlasst, die wir gar nicht haben wollten. Die Anpassungsfähigkeit des Pferdekörpers führt den Körper in Handlungen, die wir gern als freiwillig einstufen und doch negative Prozesse im Körper entwickeln- genau dass ist aber ein gefährlicher Irrtum – denn was ist freiwillig? Gewöhnung? Oder immer wieder dieselbe Ausführung einer Handlung?

Damit die Wirbelkette Stabilität geben kann, müssen die umgebenden Wirbelmuskeln flexibel sein. Heute ist es gerade anders herum – die umgebenden Wirbelmuskeln sind zu stabil, was für die Wirbelkette viel zu viel Flexibilität bedeutet – die Wirbel nähern sich dabei an, das Informationsbett der Nerven wird verkleinert und dieser Zustand führt unweigerlich zu einem Druck auf die Nerven.

Im BewegungsLernen haben wir uns sehr lange und eindringlich mit dem Thema Genickentlastung beschäftigt, weil in allen Bewegungssituationen mit dem Pferd, so viele Fehlkommunikationen durch das belastete Genick stattfinden. Damit der Mensch mit dem Pferd auch eine körperlich verbindende Beziehung  einzugehen kann, muss der Mensch gerade diese Zusammenhänge des Körpers sehr genau beachten.

Sinne oder Sinnentfremdung

Viele Reitweisen und deshalb auch fast aber alle Zäumungen, zielen aber auf eine na, sagen wir mal Entfremdung der Sinne des Pferdes ab, was eine Desensibilisierung – also eine Reaktionsverminderung des Pferdes bedeutet. Die Hoffnung dabei ist, dass man das Pferd gegen bestimmte Reize unempfindlich macht, indem man das Pferd systematisch an Reize „gewöhnt“ – sprich, abstumpft – und seine Sinne dabei einschränkt.

Besonders kritisch wird es bei besonders „sinnigen“ Pferden – mit dem der Mensch mit seinen oftmals auf Reiterei reduzierten Verhaltensweisen, nicht zurecht kommt. Die Reaktionsbereitschaft wird runtergesetzt, indem die Sinne des Pferdes eingeschränkt werden.

Nach diesem System arbeiten ein Knotenhalfter, ein Kappzaum, ein Sperriemen und alle Zäumungen die im Genick aufliegen, oder am gesamten Kopf des Pferdes mit Druck aufliegen – also eigentlich alle! Die Muskulatur für Kauen und des Essverhalten des Pferdes, ist aber Teil des autonomen Nervensystems des Pferdes – also Heimat seiner Sinne. Es ist Teil seiner Wahrnehmung nach außen, seiner Eigenwahrnehmung und jeglicher Form von engen sozialen Kontakten – auch zum Menschen. Alle sind abhängig von der Aktivität des Nervensystems das mit den Hirnnerven verbunden ist.

Nicht nur die dabei entstehenden Dysfunktionen des Körpersystems kosten das Pferd ständig viel zu viel Energie, auch die ständige Bereitschaft alles „mitzubekommen“ – also das was die Sinne automatisch machen –  führt zu innerlicher Erschöpfung.  Gerade wenn sich  das Pferd nicht viel bewegen kann, um zu kompensieren, dass es nicht „in die Sinne kommt“. Die „normale“ Offenstallbewegung und nur viel Schritt reichen dann nicht aus, um das Körpersystem in eine gesunde Balance zu bringen. Was natürlich das Märchen vom „gesunden“ Schritt, beträchtlich ins Wackeln bringt – denn die Bewegung bleibt buchstäblich im Pferd stecken.

Aber auch wenn sich das Pferd unter Zwang bewegen muss, springt nur ein Bruchteil der Informationsquellen seiner Sinne an. Trotz dieser Vorgänge ist ein großer Teil der Reiter noch immer von der Notwendigkeit überzeugt, den Kopf und das Genick des Pferdes „im Zaum“ zu halten. Gerne noch über die fatale Wirkung der sogenannten „Druckpunkte“ – also besonderes sensible Regionen an Kopf und im Genick, die über Druck (wie der Name schon sagt), bis zur „Besinnungslosigkeit“ des Pferdes beeinflusst werden.

Auch die Gegenantwort – die Nichtbeeinflussung des Maules ist leider keine Lösung. Denn das Pferd gibt sich durch die Vorbeugung des schweren Kopfes selber durch sein Nackenband Druck auf die Nerven des Genicks. Das Problem ist: das Nackenband kann nicht gespannt und nicht gedehnt werden – die Struktur des Nackenbandes gleicht eher einem Seil als einem Gummiband. Die „Dehnung“ verhärtet das Nackenband und faltet sie auf. Leidtragende sind die ersten drei Halswirbel. So landen alle Maulfreien Zäumungen mit ihrer Wirkung unweigerlich im Genick, außer – es wurde zuvor die Balance im Genick hergestellt. Also mit jeder – auch klitzekleinen Vorbeugung des Kopf/Halses in die Vorlage hinein, werden die Informationsströme abgesperrt – das Pferd wird unsicher und hilflos und sucht seine „Anlehnung“ beim Menschen.

Der das natürlich toll findet, und diesen Umstand manchmal auch beabsichtigt. – und damit die Anlehnung des Pferdes mit Unsicherheit, Bravsein und Abhängigkeit verwechselt. Immer mehr weicht die „Kopfresonanz“  des Pferdes und macht einer erzwungenen Anpassung des Pferdes Platz – um den inneren Zustand den Erfordernissen des Menschen anzupassen – es werden Routine – und Gewohnheitsvorgänge daraus, bei denen das Pferd seine Bewegungen nicht mehr erleben kann. Daraus hat sich die Konditionierung entwickelt, was ein vom Menschen ausgelöstes, zielgerichtetes Verhalten betrifft, bei dem das Pferd  keine Kontrolle mehr über seinen Körper hat. Streng genommen ist also fast jedes Krafttraining im Sinne der Biomotorik, ein Konditionieren und ein Entwöhnen der Sinne.

 

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