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Die (Be)deutung von Körperinformationen

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Denken Sie nur mal an die vielen unterschiedlichen Arten, auf die Sie in Ihrem Leben schon gelächelt haben. Sicher haben Sie sich schon mal mit einem Lächeln gefreut, oder liebevoll gelächelt. Aber haben Sie nicht auch schon sarkastisch gelächelt, oder gar boshaft? Oder geflirtet, herablassend gelächelt, unbeholfen oder siegessicher – alles mit einer Bewegung, mit einem Lächeln.

Bewegungen sind extrem vieldeutig. Beim Pferd, das zum Beispiel tausend verschiedene Möglichkeiten mit den Ohren ausdrücken kann, ist das übrigens ähnlich. Oder den Kopf bewegen, oder….

Das heißt aber auch, dass unsere Bewegungen für das Pferd im Grunde alles mögliche bedeuten können. Jede Information, die zum Pferd kommt, ist offen für unendlich viele Interpretationen, weil die „Quellen“ vervielfältigbar sind – das heißt, Informationen aus mehreren Quellen werden vom Pferd durch seine hochentwickelten Sinne miteinander multipliziert, wodurch mehrdeutige Informationen entstehen.

WIE SOLLEN WIR DAS PFERD IN DAS GLEICHGEWICHT BRINGEN, WENN WIR ES SELBER NICHT SIND?

Mit unseren Bewegungseinschränkungen, Versteifungen, Verspannungen, mit verzerrenden Hilfsmitteln oder mit  Genickbelastung am Pferd -die alle Sinne des Pferdes verändern – kommen wir nicht weiter. Die Informationen, die wir einem Pferd so zur Ausbildung, zur Erziehung oder zum Training geben wollen, kommen beim Pferd komplett anders an wie wir es haben möchten. Dazu kommt, dass wir unlesbar für das Pferd werden, weil wir uns zu kopflastig  bewegen– das heißt, zuerst bewegt sich der Kopf und dann der Körper.

DIE KONTROLLE DES PFERDES IST EINE ILLUSION

Die eigentlich einleuchtende Erkenntnis daraus ist, dass wir das Pferd nicht in seinen Bewegungen kontrollieren können. Kontrolle ist eine Illusion des Menschen – denn sie funktioniert nicht. Nicht beim Pferd, nicht beim Menschen – nie! Wir können das Bewegungsverhalten keines einzigen Pferdes kontrollieren – und ebenso wenig seine Verhaltensweisen – weil wir die Bewegungsareale im Gehirn nicht damit berühren.

Letztlich tun Pferde das, was sie tun können und wofür ihr Körper bereit ist. Sie fühlen, was sie fühlen können, und tun, was sie ihrer Meinung nach tun müssen, um zu überleben. Sobald der Pferdekörper verzerrt wird, wird aber auch das Verhalten immer „verzerrter“. Das Bewegungsverhalten des Pferdes können sie deshalb nur verändern, wenn der Pferdekörper über seine Sinne bei der Veränderung mitmacht. Und diese Bereitschaft – die Bereitschaft des Körpers, erreichen Sie nicht mental, nicht mit guten Worten und schon gar nicht über Druck oder Zwang – sondern nur über Informationen, die die Sinne des Pferdes berühren.

Die Pferdebewegung will nicht in vorgezeichneten Gassen, Linien, Kreisen oder Lektionen  gehen – das ist kräftezehrend, eintönig, langweilig und Körperschädigend. Auch nicht in einer genormten Form – und auch wenn der Mensch sie gut findet – und schon gar nicht in wenigen, eingeschränkten, behindernden Bewegungsmöglichkeiten, in immer wieder kehrenden Wiederholungen, die dieselbe Bewegung ausführen müssen. Denn jede Bewegung und jede Position ist schädigend, wenn man sie länger einnimmt.

ES SIND DIE EIGENEN BEWEGUNGSERFAHRUNGEN…

Das bedeutet, dass das Pferd die Mehrdeutigkeit von Reizen selber erfahren muss, ausprobieren kann welches Bein sich bei welcher Bewegung, wo am besten anfühlt,  seine eigenen Bewegungsmöglichkeiten selber kennenlernen kann, seine Bewegungsvielfalt und die Funktionalität seines Körpers erfühlt und dabei genau die Erfahrungen machen kann, mit denen es auch doofe, unbeholfene, unsichere und schädliche Bewegungen überschreiben kann. Das also genau das Gegenteil wie bei einem kontrollierten Pferd stattfindet.

Kontrollierte Pferde sind brave Pferde. Sie beklagen sich nicht, sie tun mehr als sie tun müssten, sie tun alles, was von ihnen verlangt wird, und der Mensch kommt gut mit ihnen zurecht. Sie versuchen alles richtig zu machen – bis zu dem Zeitpunkt, bis sie verdrossen oder sogar ärgerlich werden, bis sie keinerlei Freude an der Bewegung mehr haben – vielleicht auch, weil plötzlich alles weh tut.

DIE FRAGE IST – WAS KONTROLLIERT WEN?

Der Mensch hat das Gefühl, er müsste jede Bewegung des Pferdes unter Kontrolle bringen. Aber – auf einmal kontrollieren die kontrollierten Bewegungen des Pferdes – den Menschen. Die Bewegungen des Pferdes verzerren plötzlich die Bewegungen des Menschen, der Mensch selber hält seine Bewegungen fest, das Pferd hält seine Bewegungen fest, und jeder passt auf den anderen auf, passt sich ihm an und jeder verliert dabei die Kontrolle über sich selber.

Nun werden wir von den Bewegungseinschränkungen des Pferdes kontrolliert, von den Fehlstellungen und falschen Belastungen. Und das sind starke Kräfte, die auf uns und gegen uns wirken. Allein wenn wir uns die einbindenden Sehnenschnüre einer Schulter anschauen, können wir ermessen welche negativen Kräfte in Kilo im Körper des Pferdes herrschen. Und von denen werden wir dann kontrolliert. Und damit verhindern wir gewöhnlich das, was wir eigentlich erreichen wollten. Nämlich die Übereinstimmung mit dem Pferd – verbunden in fließenden Bewegungen.

Den Kampf verlieren wir haushoch, und dazu verlieren wir unsere Bewegungsfähigkeit – ja, sogar unser Körpergefühl. Denn das wird ja beherrscht von den Bewegungseinschränkungen des Pferdes. Trotz bester Absichten verlieren wir die Möglichkeit, zu fühlen und zu handeln.

Hören Sie auf zu versuchen ihr Pferd zu kontrollieren! Und beginnen Sie ihr Pferd zu spiegeln, damit es sich in ihnen spiegeln kann.  An ihrem Körper erkennt dann das Pferd wie einfach eine Bewegung sein kann. Und beginnt sie bei sich zu suchen. Es probiert aus, wann, welches Bein, zu welcher Zeit am besten Ort ist. Es probiert aus, wann zu welcher Bewegung die beste Kopfposition passt und es probiert aus, wie sich Aufrichtung beim Bewegen anfühlt.

Und warum? Weil es das nun kann. Denn der Mensch hindert es nicht mehr an seinen Bewegungen – sondern unterstützt die Suche des Pferdes nach den optimalsten Bewegungsbedingungen und besten Bewegungserfahrungen. So funktioniert Bewegung!

Die Körperschulungen für den Menschen geben ihnen ihr Körpergefühl wieder und im Biomotorischen Training für das Pferd kann das Pferd ein Gefühl dafür entwickeln, wie man die Informationen des Menschen verarbeiten, bewältigen und im Körper integrieren kann.

Wir können ihnen sagen, wie sich ihr Pferd optimal bewegen muss, wir können ihnen auch sagen WARUM, und – wir können ihnen sagen, wie sie Bewegungen dazu verändern können – aber machen müssen sie es mit ihrem Körper!

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