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Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, wenn man sich nur durch eine kleine Gewichtsverlagerung mit dem Pferd abstimmen  und gemeinsame Bewegungen erschaffen kann. Reiten  in seinem Idealfall, ist  die perfekte Symbiose zwischen Pferd und Mensch, zusammengesetzt aus Konzentration, körperlicher Aufmerksamkeit und zweckfreiem Bewegungserleben. Aber damit sie den schönsten „Ausnahmezustand“ der menschlichen Bewegung auch erleben und genießen können (und auch das Pferd!) brauchen Sie erst eine gute Funktionsweise ihres Körpers.

Der Körper des Menschen ist das Kapital zum Reiten – und die Funktionalität des Körpers entscheidet über den Sitz

Falsches Reiten schädigt den Körper des Menschen und des Pferdes. Falsches Reiten entsteht durch eine falsche Körpernutzung, durch Fehler in der Bewegung oder durch negative Bewegungen. Und – durch Bewegungseinschränkung. Bewegungsfähigkeit ist deshalb nicht nur ein stabiles Fundament für den täglichen Alltag, sondern auch die Grundlage des Sitzes auf dem Pferd.

Irgendwie sein Pferd bewegen kann schließlich jeder

Zu spüren, wie der Körper des Pferdes reagiert, verlangt vom Körper eine sehr gute Vorbereitung, quasi eine Körpervorschule. Denn ein  gutes Körper- und Bewegungsgefühl  SPIEGELT die Bewegungen des Pferdes und nimmt sie nicht nur einfach an. Als Beispiel: das Annehmen des Zügels bedeutet: maximaler Stress für Hand-, Ellenbogen- und Schultergelenke. Der ausgestreckte Arm (also nicht angewinkelt)ist noch schlimmer, er „umgeht“ die Umlenkrolle des Armes und belastet die übrigen Gelenke über. Wir kennen das vom Tennisarm.

Warum keine Bewegungseinschränkung von Ihnen auf den Pferdekörper ohne Folgen bleibt.

Pferd und Reiter bestehen aus zwei biologischen Systemen, die miteinander vernetzt sind. Sie tauschen ununterbrochen Energie aus und „kommunizieren“ so miteinander. Eine Bewegungseinschränkung oder eine Funktionsstörung des Reiters wirkt deshalb nicht nur an einer bestimmten Stelle, sondern wirkt sich als Information für das Pferd blitzschnell im ganzen Organismus und breitet sich aus. Sogar minimale Dauerbelastungen, bleiben nicht ohne Folgen auf die Grundfunktionen des Körpers.

Der Reiter wird so zum Störfeld des Pferdes. In den meisten Fällen haben wir es deshalb nicht mit reittechnischen Fehlern zu tun, sondern mit Bewegungseinschränkungen des Reiters. Und wie jede Bewegungseinschränkung schädlich auf ihren KÖRPER wirkt, hat er genauso Folgen auf den PFERDEKÖRPER. Da das Pferd den Körper des Menschen trägt, bekommt er jede kleine Unebenheit des Menschen ab. Außer – wenn das Pferd auf den Menschenkörper vorbereitet wurde, so wie durch das Biomotorische Training.

Der Körperschulung für den Reiter…

…liegt zugrunde, dass das biologische System des Menschen – sein Körper hochvernetzt ist, und sich als eine Art „offenes System“ mit seiner Umgebung – in unserem Fall mit dem Pferd austauschen kann. Immerhin geht es  dabei  um Informationsübertragung zum Pferd.  Das Pferd tritt damit in eine Wechselwirkung mit dem menschlichen Organismus ein. Übrigens ist der entbundene, störungsfreie Körper  des Menschen auch ist die beste Motivation und „sinnvoller Antreiber“ für das Pferd, das so die enge Verbundenheit und Gemeinsamkeit mit dem Menschen als zweckfreies Bewegungserleben wahrnehmen kann.

Feines Reiten verlangt in erster Linie die körperliche Leistungsfähigkeit des Reiters!

Damit der Körper des Reiters und des Pferdes, die bestmöglichen Übereinstimmungen beim  Reiten bekommen, verlangen Sie eine aktive „innere“ Beteiligung des ganzen Körpers. Alle Bewegungsabläufe müssen beidseitig und gleichmäßig erfolgen. Ihre Wirbelkette muss dabei entlastet sein, weil ja die Lunge in ihrem ganzen Volumen beansprucht werden soll.

„Wenn wir im Laufe eines Lebens nie etwas verändern -wenn wir nur aus Gewohnheiten und Regeln bestehen – werden wir starr und erstarren innerlich“

Zum Nachdenken: Im Idealfall bräuchte der Reiter das Koordinations- und Konzentrationsvermögen eines sehr guten Schachspielers mit der bestmöglichen Bewegungsfähigkeit, um sein ganzes technisches Können einsetzen zu können. Der Reiter muss zugleich auf seinen Körper und auf das Pferd hören können, ohne dass er durcheinander gebracht wird. Die Sinne des Reiters wirken hier wie ein Kompass.

Was sind die körperlichen Belastungen beim Reiten?

Wer Fehlbelastungen seiner Gelenke (und der Gelenke des Pferdes) vermeiden möchte, braucht deshalb eine Körperposition, bei der der Schwerpunkt des Reiters möglichst konsequent mit dem Schwerpunkt des Pferdes in Übereinstimmung liegt (Sattel!). So wird eine Funktionelle Störung vermieden, und Sie können aus dieser Position heraus besser agieren und reagieren, denn die Sinneswahrnehmungen sind „freigeschaltet“.

Und wenn man nichts mit seinem Körper verändern möchte?

Dann ist der entweder der Leidensdruck oder das Verständnis für den eigenen Körper noch nicht stark genug. Oder die bisher angebotenen „Lösungen“ passten einfach noch nicht.

Die 6 Kontrollpunkte im Körper, die Ihnen zeigen ob Ihr Körper reiten kann

Aber es gibt auch 6 Kontrollpunkte im Körper, die uns in Signalen die Bewegungseinschränkungen und Co. deutlich machen. Wir müssen sie  „nur noch“ wahr- und ernst nehmen.  Sie verdienen allergenaueste Beobachtung, denn sie haben eine enorme, bestimmende Wirkung auf das ganze Zusammenspiel des Körpers und verändern letztendlich damit auch die Aussage ihres Körpers auf das Pferd.

Alle 6 Kontrollpunkte haben eines gemeinsam – man kann sie nicht willentlich verändern. Um sie ihrer angedachten Funktionalität zuzuführen muss die globale, funktionale Kette des ganzen Körpers verbessert und die gesamte Konstitution gestärkt werden.

  1. Ihre Wirbelkette

Durch Ihre doppelt S-förmig gekrümmte Wirbelkette, laufen alle Informationen, die in die Gliedmaßen kommen. Die Wirbelkette ist der „unterschätzte Schwerstarbeiter“ in unserem Körper und verdient Freiheit in den Wirbeln. Dann aber federt sie wunderbar in jede Bewegung mit dem Pferd hinein. Druck, Komprimierung und Schonung mag die Wirbelkette allerdings gar nicht. Sie lebt von der Bewegung und von der Bewegungsfähigkeit.

Im Vergleich zu früheren Zeiten in denen Wirbel „geschont“ und „ruhiggestellt“ wurden, ist die „Freiheit“ in den Wirbeln in mehrfacher Hinsicht von höchster Bedeutung. Die Wirbel sind auf das Engste mit den Rippen verbunden und die Wirbel bewegen ihre Rippen und umgekehrt. So entstand bestimmt der Spruch: Wir bewegen uns, wie wir atmen – und wir atmen wie wir uns bewegen. Allerdings „wer nur halb atmet, lebt nur halb“

  1. Ihr Genick

Durch das Genick laufen alle „Aufträge“, die in den Körper kommen. Und ermöglicht dem Menschen mit seinen Sinnen das Reiten auf einem Lebewesen. Deshalb müssen Sie buchstäblich den „Kopf frei machen“. Durch Muskelverkürzungen an der Nackenmuskulatur kommt es zu Funktionsstörungen im Bereich der Halswirbelkette. Die Nerven werden komprimiert – die Folge sind neue Verspannungen. Anspannungen im Körper mag das Genick gar nicht – denn der Eintritt in die Schädelbasis verschiebt sich dadurch und die Hirnnerven werden gequetscht

  1. Ihre Leiste

Die unscheinbare Leiste, die kaum einer beachtet, entscheidet über die Qualität ihres Sitzes. Durch die Leiste, laufen die stärksten Nerven, und werden in die Beine geschickt. Werden die Nerven durch ein falsches Gehverhalten gereizt oder gar gequetscht, strahlen die Fehlinformationen vom Gesäß ausgehend in die Beine, bis in die Füße hinein. Die Leiste mag keine Unbeweglichkeit, oder einseitiges Kippen des Beckens oder festgehaltene Rippen. Wenn die Hüfte in der Bewegung vorschiebt ist für die Leiste sehr schmerzhaft.

  1. Ihr Ellenbogen

Der Ellenbogen überwacht und bestimmt als Umlenkrolle streng die Motorik ihrer Finger und organisiert sie. Über ihn laufen alle Bewegungen der Hand. Und in ihm zeigen sich die Muskelverkürzungen des Schultergürtels. Er ist das entscheidende Scharnier zwischen Körper, Schulter, Handgelenk und Hand – und damit die Schaltstelle zwischen Anweisung und Ausführung. Einseitige Belastung und Überbelastung mag er deshalb gar nicht.

  1. Ihr gluteus maximus – der große Gesäßmuskel

Der gluteus maximus -lassen sie ihren „gluteus“ für sich arbeiten – denn der weiß wohin ihr Becken hin muss, und setzt sich über ungewollte Muskelverkürzungen im Becken, in der Hüfte und in den Beinen durch und erspart dem Hüftgelenk seinen Verschleiß. Außerdem richtet der aktivierte gluteus maximus den Menschen ganz automatisch auf.

  1. Ihr Schultergelenk

Das Schultergelenk ist der Verkehrsknotenpunkt im Körper und zugleich ein kompliziertes Kunstwerk. Nur wenn das Schultergelenk frei beweglich ist, funktionieren die vielen Muskeln und Bänder um sie herum wie ein stufenloses Getriebe für feinste Nuancen der Bewegung. Deshalb lässt das Schultergelenk lieber das Schulterblatt arbeiten und „hängt gerne herum“. Dann ist der Ellenbogen der beste Freund des Schultergelenks. Denn Arm waagrecht ausstrecken mag das Schultergelenk allerdings gar nicht – denn dann bekommt es die Mehrbelastung ab.