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Der Mensch verfügt am Kopf des Pferdes über eine gewaltige Macht…

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Der Mensch verfügt am Kopf des Pferdes über eine gewaltige Macht…

…und leider nutzt  er sie.

Wir Menschen können über den Kopf des Pferdes eine ungeheure Macht auf das Pferd ausüben, wir „zähmen“ (Zäumung) damit das Pferd und können so seine Bewegungen  im hohen Maß bestimmen, wir lenken, steuern, regulieren, kontrollieren und beeinflussen das Pferd durch die Zäumung. Durch die Zäumung – übrigens ist das Pferd das einzige Lebewesen, das eine derartige Vorrichtung an seinem empfindlichen Kopf tragen muss, ist das Pferd dem Menschen ausgeliefert.

Wir Menschen sind an die Methode, das Pferd über eine Zäumung zu beherrschen, gewöhnt, und je gewohnter der Umgang mit etwas ist, desto weniger stellt man es in Frage. Aber – das Gefühl, über den Kopf des Pferdes (besser gesagt, über sein Genick) Macht über den ganzen Pferdekörper zu haben, verführt dem Mensch eben auch gerne dazu, dass er entstehende Probleme mittels Technik auszugleichen versucht. Dumm nur: Zahlreiche Probleme, denen sich der Mensch beim Pferd gegenübersieht, hat er sich zuvor selber damit eingebrockt.

Über Zäumungen wird die Kraft des Menschen auf den Pferdekopf übertragen

Eine Zäumung wirkt auf alle Systeme des Pferdekörpers auf das Pferd ein(motorisches System,  sensorisches System und das zentrale Nervensystem), aber sie hat IMMER auch eine Beeinflussung seines Genicks zur Folge. Genau genommen ist die Zäumung am Kopf des Pferdes eine äußerst hinterlistige Angelegenheit des Menschen, denn das Wirkprinzip einer Zäumung – und zwar JEDER Zäumung, auch der Gebisslosen – ist die, über mehrfachen Druck (Gebisse mit Hebelwirkung, Gebisslose Zäumungen, oder Druck und Zug (bei den Trensengebissen) massiv auf den Pferdekopf einzuwirken.

Ob mittels indirektem Druck, der über den ganzen Pferdekopf verteilt wird, oder über ein direkten Druck – also durch ein sehr perfides Zuschnüren des Kopfes – bei dem dann das Maul den Wirkverstärkern des Gebisses ausgeliefert ist (die Beeinflussung des Kiefers durch das Gebiss ist ein eigenes Artikelthema) oder gleich den „Wirkpunkt“ Genick anspricht – alles spielt sich letzten Endes im Genick und seinen Kopfgelenken ab.

Aber das ist noch nicht alles – denn am Kopf des Pferdes enden zahllose Nervenstränge, Lymphbahnen und Adern, das Knochengerüst am Kopf ist fein und empfindlich, denn die Haut darüber ist nur dünn darübergespannt. Die Lippen sind „normal“ weich und verletzlich, das Innere des Maules mit zartesten Schleimhäuten „gefüttert“. Die Zunge ist höchst schmerzempfindlich und mit der Verbindung Zungenbein/Schulter/Genick, Wechselwirkungen ausgesetzt. Starker Druck auf Laden und Kinngrube rufen gleichfalls Schmerz hervor. Und natürlich finden sich am Kopf alle wichtigen Sinnesorgane wie Augen, Ohren, Nüstern und der Gleichgewichtssinn.

Der ganze Kopf des Pferdes ist mit Wahrnehmung ausgestattet

Für die Bewegungsforschung des BewegungsLernens,, deshalb ein wichtiger Grund, die Wirkungsweise von Zäumungen und der verschiedenen Einwirkungen am Kopf des Pferdes zu untersuchen und zu hinterfragen. Also stellte sich das BewegungsLernen die Frage: Warum und vor allem wie wirkt eine Zäumung eigentlich? Und wie wirkt eine Zäumung auf das PFERD? Wie nimmt das Pferd eine Zäumung wahr? – alles mal ganz unabhängig von reiterlichen Fähigkeiten.

Eines kann man jedoch ganz pauschal sagen: Je enger eine Zäumung den Pferdekopf umschließt, und je größer und intensiver die Berührungsflächen am Kopf und Genick des Pferdes sind – umso schmerzhafter ist es für das Pferd und umso mehr wird das Pferd seiner Eigenwahrnehmung entfremdet. Aus diesem Grund stellt die Zäumung eine invasive(in den Körper eindringende) Form der Kontrolle über das Pferd dar: und zwar bei JEDER Art von Zäumung, und – das wird möglicherweise jetzt viele überraschen – unabhängig davon, ob die Zäumung  mit Gebiss ausgestattet ist, oder Gebisslos ist.

Über den Biomotorischen „Sinn“  und „Unsinn“ von Zäumungen – und den Biomotorischen Weg

Dass der Umgang mit dem Pferd aber auch anders möglich ist, zeigt die uns die Biomotorik (Eigenwahrnehmung des Pferdes). Wer den Biomotorischen Weg eingeschlagen hat, weiß wie wenig der empfindsame Pferdekopf braucht, um mit dem Menschen eine Gefühlvolle Verbindung einzugehen. Auch klar – mit Zwang und Druck geht dabei gar nichts! Aber für eine interaktive Verbindung zum Menschen ist das Pferd immer zu haben. Das vermeidet den Kraftaufwand des Menschen, die Schmerzen beim Pferd und macht beiden Freude. Allerdings verlangt der Biomotorische Weg einen Perspektivewechsel  beim Menschen, da nicht mehr die Unterwerfung des Pferdes im Vordergrund steht, sondern die Verbindung mit dem Pferd.

Aber kommen wir zurück zu den Einflüssen der Zäumungen…

Pferde sind keine Bioroboter mit automatisierten Reaktionen und Abläufen. Pferde sind nicht willenlos und eine „natürliche“ Bewegung ist nicht vorprogrammiert und einfach über Drücken von Punkten, mechanischem Druck und Gewalt abrufbar. Es gibt leider auch keine “mechanisierte Anweisung“, nach der sich ein Pferd automatisch richtet – auch wenn der Mensch es in Reitlehren, Reitformen, Beziehungs- und Bodenarbeiten gerne glauben würde.

Jedes Pferd ist verschieden – deshalb gibt es kein absolutes Muster, um ein Pferd zu bearbeiten. Und Bewegungsfehler und „schlechte Manieren“ liegen sicher nicht beim Pferd – denn es ist ja dem Willen des Menschen unterstellt und führt nur Bewegungen aus, die sich auf die „Hilfen“!! des Reiters zurückführen lassen. Das Pferd hat also immer einen „Grund“ für jede Bewegung und für jede Handlung, und somit kann ein kleiner Fehler des Menschen, der sich unbeachtet einschleicht, völlig unerwünschte und falsche Wirkungen beim Pferd auslösen.

Für den Einfluss des Reiters ist die Kopfposition wichtig – wie beeinflusst die Kopfstellung die Wirkung auf das Genick?

Wichtig für die Einwirkungsmöglichkeiten des Reiters ist es wie das Pferd den Kopf trägt. Denn je nach Kopfstellung des Pferdes wirkt der Zügelanzug unterschiedlich ein. Streckt das Pferd ihn weit nach vorn heraus, macht es sich im Genick fest und schiebt den Schädel ins Gebiss. So kann das Gebiss nur in den Mundwinkeln wirken (und diese sehr schmerzhaft nach hinten ziehen, in den Bereich der scharfkantigen Molearen, also der hinteren Backenzähne). Für den Menschen wirkungsvoll  und „einwirksam“ auf Laden und Zunge wirkt die Zäumung nur, wenn das Pferd den Kopf herannimmt und ihn mit dem Genick als höchsten Punkt trägt. Die „Schwere“ des Gebisses soll dabei das Maul nach unten ziehen. Sobald das Pferd im Genick ermüdet, kann es sich nicht mehr festhalten und „gibt nach“.

Aus dem Bestreben heraus, den Pferdekopf in eine „einwirksame“ Position zu bringen, wird der Kopf festgeschnürt, festgehalten und im Hals „verbogen“ und flexioniert. Die Halsbasis – der Übergang zum Körper – verliert dadurch seine Verbindung.

Aus dieser Erkenntnis heraus – also aus der MECHANIK der Einwirkung (da reden wir noch nicht von der damit verbundenen reiterlichen Einwirkung) ist der ganze Unfug mit dem Pferdekopf entstanden. Denn aus diesem Bestreben heraus, das Maul in eine „einwirksame“ Lage zu bringen, entstanden im Laufe der Jahrtausende die Mundstücke mit Hebelwirkung (Kandaren), Sperrriemen, Kappzäume und viele andere „Hilfsmittel“ die das Maul „per Gewalt“ umleiten, indem sie den Kopf des Pferdes hinunter zwingen versuchen und heranholen, wie zum Beispiel Stangengebisse und Kandaren.  (Die Auswirkungen und Einflüsse der Gebisse besprechen wir in Folge 3.) Die metallene Schwere des Gebisses und der Druck, den der Mensch damit aufbaut ist für das zarte Pferdemaul ein gewaltiger Cocktail, gegen den auch das stärkste Pferd nicht dauerhaft angehen kann.

Als Steigerung zum Gebiss entstanden auch – um den Widerstand des Pferdes zu „brechen“ – die mechanischen Einwirkungen und Veränderungen am Hals und im Genick des Pferdes, wie das „Stellen“, „Biegen“ und „Flexionieren“, die den einzigen „Sinn“ haben, das Pferd quasi „aus den Angeln zu heben“  und auch da den Pferdekopf in eine Lage zu bringen, in dem die Einwirkung der Reiterhand besser „durchgeht“. Und auch heute noch gehören die Verbiegungen im Pferdehals zum festen Repertoire der meisten  Reiter.

Für die Halswirbel ist es ein großer Unterschied, ob die Haltemuskulatur verfestigt wird wie z. B. im Spannungsbogen (oberes Bild) – oder ob die Aufrichtemuskulatur – in einem körperlichen Entwicklungsprozess -ausgehend vom Genick und den Kopfwirbeln den ganzen Körper verändert (Bild unten) Ein freies Genick entsteht in einem langsamen Prozess der Körperaufrichtung. Begleitend mit der inneren Aufrichtung des Pferdes wird der Bereich zwischen 1. – und dritten Halswirbel elastisch und beweglich. Die inneren Vorgänge des Organismus begleiten die entfalteten Bewegungs-Vorgänge im Körper. Vor allem den Atemprozess, der sich dem immer mehr aufrichteten Pferd anpasst.

Denn früher wie heute – nicht immer nimmt sich der Mensch die Zeit um die Aufrichtemuskulatur des Pferdes sorgfältig herauszubilden, sondern geht den schnellen, pragmatischen Weg, um den Kopf des Pferdes „herunter und her zu holen“. Die ganz krassen Auswüchse können wir dann in der sogenannten „Rollkur“ sehen. Aber auch das ist beim Pferd nur möglich mit den entsprechenden Werkzeugen. Und so scheut sich die FN nicht, die „Wirkpunkte“  am Pferdekopf– ganz klar, für jeden nachvollziehbar – zu benennen. Was so eine „Schulung“ des Reiters für den empfindlichen Pferdekopf bedeutet – daraus kann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.

 

Die sogenannten „ Wirkpunkte“ der FN

„Die Wirkpunkte am Pferdekopf“

Wer das jetzt als alles sehr weit hergeholt empfindet – die FN spricht ganz offen von den „Wirkpunkten“ am Pferd, von Zunge/Lade, von Nasenbein, Unterkiefer/Kinngrube, Genick und Nackenband. Also alles, was dem Pferd so richtig weh tut, darf vom Reiter angesprochen werden. Es wird also ganz BEWUSST Druck auf diese hochempfindlichen Teile des Pferdes „gemacht“. Bei Hebelgebissen wird ebenfalls ganz bewusst über das Backenstück der „Wirkpunkt“ Genick angesprochen – und zwar schon beim Aufnehmen der Zügel. Ich kann mir lebhaft ausmalen, was da bei einer unruhigen Hand passiert…

Dabei hätte der Zügel eine ganz andere Wirkung….

Die Zügel sollten im besten – nein, im allerbesten Falle, dem Pferdegenick, den Kopf-und Halswirbeln eine gerade richtende Führung geben und damit dem sensiblen Übergang zwischen Hinterhauptsbein und ersten drei Kopfgelenken eine gerade Ausrichtung ermöglichen. Also nicht als Lenkung und nicht zu Kontrolle und schon gar nicht zur Beeinflussung der empfindlichen und sensiblen Punkte am Kopf – Nasenrücken, Kinngrube, Kiefer, Maul und Genick missbraucht werden.

Die vornehme Aufgabe der Zügel soll das Genick, die Kopf- und die Halswirbel in einer geraden Ausrichtung bewahren.

Das Pferd zeigt in einer unteren Entwicklungsstufe noch eine Pendelbewegung des Kopfes. Daran sieht man dass das Pferd noch keine Aufrichtemuskulatur besitzt und infolgedessen auch nicht tragfähig für den Menschen ist. Ohne Geradestellung im Genick ist die empfindliche Übergangsstelle, bei der viele Nerven zusammenlaufen, immensen Belastungen ausgesetzt. (genauere Beschreibungen dazu im Teil II – „Die Macht des Menschen am Kopf des Pferdes und die Auswirkungen von Zügel und Zäumung auf das Genick des Pferdes“).

Warum sind diese ganzen Vorgänge im Genick für das Pferd so dramatisch?

Das Prinzip aller Zäumungen landet  im  Genick und wirkt auf der sensiblen Übergangsstelle vom Pferdekopf zum Körper ein. Der Hals und das Genick aber sind die Schwachstellen im Körperbau des Pferdes. Alle großen Nervenstränge und große Arterien führen an dieser nur schlecht geschützten Stelle zum Gehirn.

Alles was im Genick des Pferdes passiert wirkt sich so auf verheerende Weise auf alle Systeme des Körpers aus. Jede kleine Irritation, jede Spannung spiegelt sich im Körper auf unheilvolle Weise wieder. Und – je stärker die Beeinflussung auf die Sinneseindrücke des Pferdes ist, desto unsicherer wird das Pferd und wird abhängig von der Kontrolle des Menschen – genau da übernimmt der Mensch die Macht…

Wie viele – im wahrsten Sinne des Wortes – Schieflagen da entstehen, sehen wir an ganz gebräuchlichen reiterlichen Ausdrücken. „Im Genick nachgeben“ – „das offene Genick“ zeugen davon, dass der Mensch genau da wo das Pferd am empfindlichsten ist, die Macht übernehmen möchte.

Grundlegendes über das Genick

Eigentlich ist das Genick gar nicht so zart und empfindlich – immerhin muss es ja freitragend den schweren Kopf des Pferdes „tragen“. Alle Kopfgelenke werden durch starke Bänder, Sehnen und Muskeln geschützt. So kann das Genick auch sehr viel aushalten. Das ist aber eine so fein ausgewogene Aufgabe, dass es die Kombination von beeinflussenden Faktoren ist, die den Genickübergang so empfindsam macht.

Das Genick ist das Körperteil, das Veränderungen der Muskel-und Gelenkspositionen des Körpers am genauesten wahrnimmt. Es ist das präziseste Gelenk – denn an der Wirbelkette entlang, finden sich kleine Muskeln, die mithilfe von „Empfängern“ die Spannungen und Bewegungen extrem genau erfassen können. Diese Feinmotorik sorgt dafür, dass der Kopf des Pferdes so gut gesteuert ist. Das erklärt auch, warum der Kopf des Pferdes (wenn er darf, und noch kann) dauern in Bewegung ist. (Übrigens, genau wie unserer). Das erklärt aber auch, warum diese Fähigkeit des Genicks, selbst die geringste Veränderung wahrzunehmen, es so leicht verspannt, blockiert oder versteift.

Eine gute Balance im Genick

Das Genick ist dafür gemacht, in Bewegung zu sein. Die Gelenke sind eng mit mehreren Schichten von Bändern und Sehnen verwoben. Bänder haben eine hohe Zugfestigkeit, sind jedoch verhältnismäßig elastisch. Die Nackenmuskeln stabilisieren und bewegen zugleich Kopf und Nacken. Aber – das Genick reagiert sofort mit dem ganzen Körper. Die „optimale Genickstellung“ ist deshalb kein Biegen, Stellen oder Flexionieren, sondern die Wechselwirkung, die das Genick mit dem Zungenbein eingehen kann.

Die freie Wechselwirkung zwischen Zungenbein und Genick ist entscheidend für die „optimale Genickstellung“

Die Wechselwirkung zwischen Zungenbein und Genick wiederum istist davon abhängig, das sich die X-Muskulatur am Kopf des Pferdes frei bewegen kann. Jede Stellung im Genick verändert diese freie Beweglichkeit. Hat das Pferd die kurze Nackenmuskulatur (der Bereich über 1. – 3. Halswirbel) in einem gespannten Zustand, geht die Belastung weiter in die Halswirbel. Auch da ist die Kopfposition – d.h. in welcher Höhe das Pferd den Kopf trägt ausschlaggebend dafür, welche Areale der Halswirbelkette betroffen sind.

Im Genick, da wo eigentlich eine Balance und Wechselwirkung stattfinden sollte, gibt das Pferd bei Spannung dem Druck einer Einwirkung nach“ (siehe auch der reiterliche Begriff des „Nachgebens“ im Genick –  damit meint man eine Ermüdungserscheinung der Nackenmuskulatur und damit das ganze Gegenteil von einer mitarbeitenden Genickbalance)  – d.h. der Bereich zwischen 1. -3. Halswirbel dehnt sich und wird so aus dem Zusammenspiel – und Zusammenarbeit des Körpers herausgeholt. Bei häufiger Wiederholung entsteht eine gegenhaltende Spannung in diesem Areal.

Vom Genick aus wird die biomotorische Koordination geleitet  

Der empfindliche Übergang vom Kopf zum Hals kann dadurch schnell Schaden nehmen, denn sogar eine leichte Spannung, ein Stellen, das Gewicht des Metalls im Maul oder Druck von den ledernen Gestellen reicht bereits aus, um die komplexen Funktionen von Muskeln, Nerven, Blutgefäßen und Halswirbeln in der Nackenpartie empfindlich zu beeinträchtigen. Außerdem haben dann die Genickmuskeln haben eine – meistens festgehaltene Wechselwirkung mit dem Zungenbein und dem Kiefer.

Die Zentren der Belastung

Schon kleine Beeinträchtigungen wirken sich auf die Kopf-Hals-Schulterregionen und das Becken aus und beweisen anschaulich wie Nerven, Gefäße  und Wirbelkörper im Körper  zusammenspielen und fatale Folgen haben können. Nicht nur die Bewegungseinschränkungen im Bereich von Kopf und Schulter und Becken sind die typischen Symptome, sondern auch Fehlbeanspruchungen der Gliedmaßen-Gelenke (der kleinen Gelenke). Durch mangelhafte Durchblutung wird die gesamte Körperkonstitution beeinflusst, was sich auf sämtliche Organe, auf Nerven und Stoffwechsel, Herz-Kreislaufsysteme und das Immunsystem auswirkt. Das ist den meisten Reitern jedoch gar nicht bewusst und wird deshalb nicht mit der Belastung des Kopfes und ihrer Einwirkung in Verbindung gebracht.

Welche Wirkung hat eine Zäumung auf das Pferd

Die Zäumung umschließt den Kopf des Pferdes, hält fest, fixiert und stabilisiert. Sie nimmt dem Genick jede Eigenbeweglichkeit. Und sie gibt Druck – Druck von dem Riemen der direkt auf dem Genick liegt, und Druck, den es über die anderen Wirkpunkte bekommt.

Man unterscheidet dabei zwei Arten von Druck: das eine ist ein Druck der entsteht, wenn das Pferd seine gewohnten Bewegungen am Kopf nicht durchführen kann. Wie etwa, wenn der  Kopf durch den Sperrriemen zusammengehalten wird und er diesem Druck weichen muss ( der Druck verlagert sich in Genick. Oder..
… der invasive(eindringen) Druck. d.h. der Druck mit dem der Mensch das Pferd am Kopf belastet wird, dringt in seine Wahrnehmung ein.

Mittlerweile wissen wir, dass jede Beeinflussung am Kopf/Genick/Hals des Pferdes auf die Wahrnehmung des Pferdes wirkt und damit Wahrnehmungsverändernd  ist oder sogar ein Wahrnehmungsentzug für das Pferd bedeutet. Bei Spannung oder Überspannung zwischen Hinterhauptbein und den Wirbeln ist das Genick ungeschützt. Ein permanente Druck und Zug auf diese Stelle verletzt das Pferd in seiner Wahrnehmung – das Pferd wird fügsam.

Je enger die Zäumung am Kopf verschnallt ist, desto größer ist deshalb  der dann vom Pferd selbsterzeugte Druck im Genick. Der Mensch freut sich, denn er kann bei mehr Wirkung weniger Kraft anwenden. Und das Pferd kann mit nichts was es macht, diesem Druck entkommen. Leider im Gegenteil – je mehr es sich „wehrt“ – desto größer wird der Druck und Zug, den es bei sich selber durch den eng anliegenden Zaum auslöst.

Warum wirkt eine enge Zäumung so intensiv auf das Genick ein? 

Als erstes müssen wir davon ausgehen, dass das Pferd sein Maul öffnen MUSS. Es MUSS die Zunge frei bewegen können – es MUSS seinen Kiefer (der Öffnungspunkt des Kiefers ist übrigens ganz weit oben) frei bewegen können usw. Also versucht das Pferd sich in seinem zugedachten Spielraum zu bewegen. Ist die Zäumung sehr eng und umschließend, stößt das Pferd sehr schnell an die Grenzen seiner Verschnürung. Indem das Pferd immer wieder das Maul bis dahin öffnet, wo es geht, gibt es sich selber Zug und Druck  auf das Genick! Irgendwann „zieht es unter dem Druck das Genick ein“  – das Pferd gibt dann im reiterlichen Sinne „im Genick nach“, was nichts anderes bedeutet, als das das Pferd dem empfindlichen Bereich im 1. – 3. Halswirbel festmacht und verspannt oder in die Überdehnung – in die Entspannung geht.

Die Beeinflussung durch Zäumungen

Dabei ist die Beeinflussung der Zäumungen je nach Modell  und Wirkprinzip unterschiedlich, sie wirken aber alle über Druckpunkte am Pferdekopf, die alle im Genick enden. Die Druck/Zugbelastung ist dabei – wie man vielleicht meinen könnte – bei weniger Druckpunkten nicht geringer, sondern konzentriert sich umso heftiger auf die verbleibenden Druck/Zugpunkte. Bei den Modellen mit Gebiss wirkt das Gebiss zusätzlich als Druckverstärker im Maulbereich ein, und ein Sperrriemen als grausamer Wirkverstärker zwingt dem Pferd einen Schmerz auf, dem es nicht entkommen kann (Thema Kiefer – Gebiss)

  • Mechanische Einwirkung (die Schwere des Gebisses – Mundhöhle) mechanisch auf 1) Nasenrücken(evtl. weicher Nasenknorpel  2)Kinngrube 3)Kiefer – bei den Gebissen kommt dazu: 1)Maulwinkel 2) Zunge/Zungenbein 3)Lade
  • Druckpunkte (die Sensoren, Rezeptoren am Kopf werden dauerbeschallt –Wahrnehmungsveränderung – Entzug der Sinne)
  • Erzieherische Maßnahmen ( nach heftigen mechanischen Einwirkungen „gehorcht“ das Pferd dem leisesten Zügelanzug)
  • Wahrnehmungsveränderung ( die Kopfposition wird verändert – Kopf oben oder unten oder seitlich bewusst verändert )
  • Wahrnehmungsveränderung über das Zusammenhalten des Kiefers
  • Bewusst zugeführte mechanische Verletzungen(Quetschen der Zunge, Läsionen des Ladens von sogenannten „ruhig“ liegenden Gebissen, Beeinträchtigung des Zungenbeins etc. (lesen sie weiter im Teil II der Serie)
  • Bewusst umgeleitete Aufmerksamkeit (Maulfixierung)
  • Zwei Wahrnehmungen im Maul (wie bei der Kandare – Trense die aufrichtet und Stange die den Kopf herholt

Kappzaum und Knotenhalfter

Gebisslos – die Alternative?

Ich muss sagen, ich kann jeden verstehen, der nach einer anderen Lösung sucht und das Metall und das Gebiss im Maul des Pferdes ablehnt, weil die so entstehende Muskelanspannung zu einer Überlastung des ganzen Körpers führt. Bei der Trense kann sich das Pferd vorne verspannen, dabei die Längsmuskulatur des Halses anspannen und so immer mehr Gewicht und Muskelkraft dem Zügel entgegenbringen. Und die Macht, die wir auf ein Pferd durch die Hebelwirkungen der Stangen und Kandaren ausüben können, ist so gewaltig, das sie mit nichts, was wir dadurch mit dem Pferd erreichen können, gerechtfertigt erscheint.

Aber sind die Gebisslosen Zäumungen so viel freundlicher zum Pferd, wie wir gerne glauben möchten? Auch das schauen wir uns an…

Hartnäckig  hält sich der Glaube an die „freundlichen“ Gebisslosen. Die Gebisslosen sind beliebt, weil von ihnen vermutet wird, dass sie sanfter als Gebisszäumungen sind.
Bei gebisslosen Zäumungen unterscheidet man zwischen jenen, die ohne Hebelwirkung auf Nase oder Genick wirken, und jenen, die mit durch Anzüge verstärkte Kraft auf Nase, Kinn und/oder Genick wirken, ähnlich wie eine Kandare. Das Pferd kann allerdings auch da nicht dem Druck durch Nachgeben im Maul ausweichen. Deshalb werden die entstehenden Kräfte werden je nach Zäumung unmittelbar auf den Nasenrücken und danach auf das Genick übertragen.

Kopfeinwirkung ohne Gebiss – der Kappzaum

Beginnen wir mit dem Kappzaum, der als schonend, weil Gebisslos einen Siegeszug ohnegleichen angetreten hat. An sich ist der heutige Kappzaum ein Relikt aus der frühen Dressurzeit des 16., 17., und 18. Jahrhunderts. Man nahm den Kappzaum bei jungen, ungerittenen Pferden – allerdings nur einen begrenzten Zeitraum (3 Mon.)lang, weil man auf gar keinen Fall die Kadenz des Pferdes zerstören wollte.

Der Kappzaum wurde „entwickelt“, weil der Mensch auch vom Boden aus, seine Macht über das Pferd ausüben wollte und möglicherweise früher auch musste. Um ein Verständnis für den Menschen von damals zu entwickeln, muss man berücksichtigen, dass Pferde lange Zeit einfach ungezähmte Tiere – und manchmal nicht ganz ungefährlich waren.

Das man dem Pferd zu dem frühen Zeitpunkt der Ausbildung noch kein Gebiss ins Maul gelegt hat, hatte sicherlich nicht den Grund, weil man besorgt um das zarte Maul des Pferdes war, sondern weil der Einfluss auf Nase-Laden-Kinngrube-Zunge(Zungenbein), wenn der Mensch am Boden steht, eher gering ist. Zusätzlich hat man dem jungen Pferd mit den in den Kappzaum eingeschnallten Ausbindern eine Führung gegeben. So hat man den sich häufig heftig wehrenden jungen Pferden zumindest die Überbelastung des Genicks erspart.

Außerdem kam es bestimmt häufiger vor, dass sich ein besonders heftig widersetzendes Pferd mit dem Gebiss den Kiefer gebrochen hat. Also musste was her, was eben präzise und zuverlässig eine starke Wirkung (ohne zu starke Kraftanwendung des Menschen) hat. So sind die Knotenhalfter im amerikanischen Raum und die Kappzäume eher im iberischen Raum entstanden. Ein wichtiges Element bei beiden war und ist das „Rucken“ am Seil. Beim Kappzaum trifft es auf die empfindliche Nase und beim Knotenhalfter auf die empfindliche Kinngrube.

Die „Gebisslosen“ sollten über schmerzlosen!! Druck auf den ganzen Kopf, eine Kontrolle über das Pferd ganz ohne Gebiss möglich machen. Bei näherer Betrachtung fällt da schon auf, dass bei einer so intensiven Kontrolle über den ganzen Pferdekörper, ganz ohne die mechanische Wirkung des Gebisses andere „Kräfte“ über das Pferd wirken müssen. Und – Druck ist niemals schmerzlos. Gerade weil man vor allem den invasiven Druck nicht sehen kann, hat er eine verheerende Auswirkung auf das Innere des Körpers.

Bei den früheren Ausbildern, die den Kappzaum gerne genutzt haben muss man bedenken, dass sie eine andere Ausrichtung ihrer Ausbildung hatten. Auch da wurde der Kappzaum zu Beginn der Ausbildung  genutzt. (Oder wie z.B. in der Spanischen Hofreitschule in Wien für Spezialaufgaben wie Schulsprünge und in den Pilaren, und –  bei Pferden die bereits ausreichend Aufrichte- und Tragemuskulatur ausgebildet hatten)

Ohne zu wissen, welche Nerven und Sinne man anspricht sind diese „Hilfsmittel“ – so freundlich sie im ersten Moment auch aussehen mögen, weil sie das Maul schonen – nicht alltagstauglich, denn die „Gebisslosen“ ziehen zwar nicht ins Pferdemaul – drücken aber schmerzhaft auf den ganzen Kopf.

Was bietet der Kappzaum?

Der Name Kappzaum (von caput = Schädel) ist Programm, denn diese Art Zäumung wirkt über die Schädelknochen, genauer das Nasenbein des Pferdes ein, und nicht über das Maul – in weiterer Folge allerdings auch mit der Wirbelkette, weil die Verkippung aus der Stellung und Biegung weitergegeben wird.  Verwender des Kappzaumes sagen, dass man beim Longieren in der Lage ist, den Kopf des Pferdes punktgenau  positionieren, steuern und somit eine optimale Genickstellung erreichen können (Genau in der durch die Schwere des Kappzaumes übergroße Belastung und zugleich Verkippung des Genicks sehe ich das größte Problem beim Kappzaum)

Durch den engen Umschluss des Kappzaumes, bei dem sich das Pferd dem entstehenden Druck weder durch Öffnen seines Kiefers, noch nach oben entziehen kann, wirkt der Kappzaum unmittelbar und sehr massiv auf das Genick (den Bereich zwischen Schädelbasis und Halswirbeln) ein. Deshalb ist es wichtig das (wenn er denn verwendet werden muss) mit Ausbindern benutzt wird, um dem schweren Gewicht des Kappzaumes, dass sonst ungehindert das Genick belastet, die Stabilisierung der Schultern zu geben. Denn es ist vielen nicht bewusst, dass gerade die „Alternative“  zum Gebiss zum „steifen Hals“ des Pferdes führt.

Das mag ein Grund gewesen sein, warum die Spanische Hofreitschule in Wien, den Kappzaum immer in Verbindung mit Ausbindern genutzt hat. So bleibt der Druckpunkt „nur“ auf der Nase und im Genick des Pferdes und es kommt nicht noch zusätzlich die belastende Kraft der Fliehkraft dazu.

Und ja, man kann das Pferdemaul mit dem Kappzaum schonen – das ist in der Tat richtig. Alle anderen Beeinflussungen am Pferdekopf sprechen aber deutlich gegen den Kappzaum.

  • Die massive Schwere des Kappzaumes allein, baut dem Genick Druck auf.
  • die gezielte Positionierung des Kopfes, die Stellung und die einwirkenden Kräfte wirken seitlich verziehend auf das Genick des Pferdes ein
  • An der Longe in Bewegung treffen zusätzlich die Fliehkräfte auf das Genick.
  • Eine Genickstellung! zu erarbeiten, ist sehr bedenklich. Durch die Drehbewegung bekommen entweder die Kopfgelenke oder die Halswirbel eine einseitige Belastung.
  • Dabei werden entweder die Kopfgelenke oder die Halswirbel der unbelasteten Seite „geöffnet“.
  • Die unausgebildete Halsbasis und das ungeschützte Genick ist führungslos und bekommen die Fliehkräfte an der Longe ab
  • Der Kappzaum baut über die Verschnallung über der Nase dem Pferd einen Druck auf. Das Nasenbein ist nur mit dünner Haut überzogen, ist stark nervendurchzogen und daher sehr empfindlich.
  • Da das Pferd dem Druck über der Nase durch die enge Verschnallung nicht ausweichen kann, wird der Druck auf das Genick weitergeleitet.
  • Die vielfältigen Nerven am Kopf des Pferdes sind nicht nur über den Austrittspunkten, sondern über den ganzen Kopf verteilt. Durch das viel eng anliegende Leder gibt es eine sehr große Wahrnehmungsirritation.
  • Wird der Kappzaum an der Longe verwendet, fällt das Pferd mit der äußeren Kopfseite in den Kappzaum und gibt den Sensoren dieser Gesichtsseite mit den entstehenden Fliehkräften richtig Druck (die „Geradestellung“ ist der Grund, warum der Kappzaum mit Ausbindern verwendet wurde)außerdem ist die Gefahr groß, dass die Riemen in die Sensorik des Auges kommen.
  • Die Backenriemen fangen zwar einen Teil des Druckes auf der im Genick landet, behindern aber den Kiefer durch die eng anliegende Verschnallung
  • Durch die eng anliegende Verschnallung behindert der Kappzaum erheblich die Atmung.
  • Beim Reiten mit Kappzaum hat das Pferd einen permanenten Druck auf der Nase und im Genick und im schlechtesten Fall über die Zügel ein ständiges Klopfen durch die Reiterhände.

Meine Empfehlung zum Kappzaum:
wägen sie die Vorteile und die vielfältigen Nachteile des Kappzaumes vor der Verwendung gut ab. Wenn Sie auf einen Kappzaum nicht verzichten möchten, dann würde ich ihn sehr kurzfristig und mit nicht zu kurz eingeschnallten Ausbindern verwenden. Die Belastung des Genicks durch Zug, Druck und Fliehkräfte wird damit minimiert.
Sie müssen sich aber im Klaren sein, dass ein Kappzaum die Eigenwahrnehmung des Pferdes massiv einschränkt. Die Wirkungsweise des Kappzaumes ist deshalb nicht biomotorisch.

Knotenhalfter

Die vielbeschworene „milde“ und „hervorragende“ Wirkung des Knotenhalfters entsteht  durch nichts anderes  als durch den Sinnesentzug des Pferdes, indem die Nervenpunkte am Kopf des Pferdes ohne Unterlass durch die Knoten stimuliert werden. (Wer sich nicht ganz klar darüber ist, was das für das Sinnesempfindliche Pferd bedeutet: ein tropfender Wasserhahn wird beim Menschen sehr erfolgreich als Folter eingesetzt).

Beim Kappzaum und beim Knotenhalfter kann man nicht mit kontinuierlicher Verbindung zum Pferd arbeiten. Darin liegt beim Knotenhalfter und beim Kappzaum eine große Gefahr für das Pferd. Es wird immer wieder unvermittelt, und für das Pferd unvorbereitet, starke Impulse auf die Nase oder Kinngrube gegeben. Beim Knotenhalfter über die Druckpunkte der Sensoren am Pferdekopf und beim Kappzaum durch die Enge der Verschnallung. Das braucht nicht immer mit Schmerz oder auch nur Unbehagen verbunden zu sein: es macht aber immer unsere Anweisungen unklar. Wie soll ein Pferd solchen unklaren Anweisungen prombt und richtig „folgen“?

Als Longierhilfe eingesetzt, ist das Pferd der Fliehkraft hilflos ausgeliefert. Seine Gleichgewichtsorgane können nicht reagieren– für das Pferd bedeutet dass, eine Permanentbeschallung der hochsensiblen Druckpunkte auf der Kopfaussenseite, unterstützt von der nicht unbeträchtlichen Fliehkraft, auf das Pferd einwirken, und die Eigenwahrnehmung mindestens beeinflussen.

Die Vorteile, dass man das Maul schont, werden so durch die enorme Belastung auf das Genick zunichte gemacht. Vor allem der führungslose Hals und das sogenannte Fallen-lassen des Halses bringt das Pferd auf die Vorhand. Das Pferd kann die Bewegungsbelastung, die nun auf dem Kopf ruht, nicht abfangen und  die ganze Einwirkung geht wiederum ins Genick.

 Als Argument für das Knotenhalfter wird sehr gerne argumentiert, dass man weniger Kraft aufbringen muss! Eine sehr subtile Kraftersparnis auf Kosten der Sinne des Pferdes. Des halb ist auch die Wirkungsweise des Knotenhalfters nicht biomotorisch.

Man verlässt sich bei den Gebisslosen Hilfsmitteln auf Einwirkungen und Beeinflussungen die man zwar nicht sehen kann, aber gerade deshalb ihr unsichtbares „Unwesen“ im Pferdekörper treiben. Meist sind die „Gebisslosen“ noch begleitet von mehr oder weniger kurzen Zügen oder Ruckern am Seil oder Zügel. Auch da geben wir die Verantwortung ab, denn wie oft entsteht aus kurzen Anzügen die aus dem Handgelenk kommen sollen, ein permanentes Festhalten. Und dadurch ein permanenter Druck auf die empfindlichsten Stellen am Pferdekopf!!

Mein Fazit:

Bedauerlicherweise kann man diese komplizierten Zusammenhänge nicht einfacher ausdrücken, SIE SIND KOMPLIZIERT. Aber sie machen klar, welche Einwirkung und Beeinflussung die Zäumung auf den Pferdekopf hat. Ein winziger Unterschied in der Führung, eine Verschiebung von der Breite eines einzigen Fingers, ein kleines Festhalten in der Schulter oder im Becken des Reiters ruft für das Pferd völlig andere Reaktionen seiner Wahrnehmung und seiner Reaktionen hervor – und vor allem Schmerzen….

Aber es ist nicht nur die Zäumung, die dem Pferd schadet, es ist der Zügel an dem der Mensch dran hängt, weil JEDER willkürliche und unwillkürliche Zug am Zügel eine sofortige Wirkung im Maul hat. Es ist der permanente Druck – der sich mehr oder weniger sanft, aber unerbittlich stetig am ganzen Pferdekopf verteilt. Es ist der Zug der Zügel, der diesen Druck auf die empfindlichsten Stellen des Pferdes verstärkt. Und es ist der Zügel, bei dem am anderen Ende ein Mensch seine sollte, der einen unabhängigen Körper besitzt.

Eine Zäumung die mittels Zug und inneren und äußeren Druck – und zwar über den gesamten Pferdekopf verteilt, wirkt – erlaubt keine wirkliche Kommunikation mit dem Pferd, der natürliche Ansatz der fortlaufenden Körperentwicklung des Pferdes wird ausgebremst, das Pferd bleibt an seinem Entwicklungsstand stehen und muss sich damit abfinden – mit oft resignierenden Folgeerscheinungen für das Pferd.

Ich sehe in einem derart mechanischen Frontalangriff auf die Sinne des Pferdes, keinen besonderes Verdienst. Meine Bewunderung für den „Erfolg“ eines Reiters, der ein Pferd mit mechanischen Beeinflussungen, sei es mit Druck auf der Nase oder mit Zug und Druck im Genick und ein Kilo Metall im Maul, die Muskeln des Pferdes „formt“ und mit der veränderten Wahrnehmung des Pferdes wiederholende Lektionen einstudiert und ausführen lässt, hält sich in Grenzen.
Für mich kommt die konstruierte „Traumwelt der  Reiterei“  – egal wie klassisch und traditionell sie sein mag, und egal welche herausragenden Reiter sie hervor gebracht hat, an dem Punkt ganz beträchtlich ins Wackeln, wenn man dem Pferd dazu Schmerzen oder Unwohlsein zufügen muss.

Denn wir müssen uns immer bewusst sein, das die weitaus überwiegende Mehrzahl der Reiter eben keine Nuno Oliveiras sind, also ist es unsinnig von einer Reitweise zu träumen, die auf die Fähigkeiten von einigen wenigen geprägt ist, sondern vielmehr einen Umgang mit dem Pferd zu suchen, der die eigenen Fähigkeiten in den Vordergrund stellt und, bei der das Pferd ein Mitspracherecht über seinen Körper hat und es in vollem Umfang – und zwar mit allen seinen Sinnen, beteiligt.

Eine Zäumung muss also so beschaffen sein, dass sie den Kopf des Pferdes nicht umschließt. Das heißt, das Gebiss muss so unbelastend wie möglich frei im Maul liegen können, damit das Gebiss dem Pferd zur Verfügung steht, und nicht dem Menschen. Durch das freie Kauen auf dem Gebiss, kommt das Kopfstück in Bewegung und so nimmt das Pferd sich selber den Druck vom Genick. Die Wahrnehmung des Pferdes ist geöffnet.

Der einzige „Sinn“ einer Zäumung darf sein, dass das Pferd  den Menschen damit  besser wahrnehmen kann, weil der Mensch damit eine Verbindung zum Pferd aufbauen kann. Und nur dann kann der Mensch dem Pferd eine biomotorische Koordinationsunterstützung geben. Wir dürfen nicht erwarten, das das Pferd mit seinem Maul eine Anlehnung bei uns braucht – denn das ist ein Akt der Hilflosigkeit.
Im Gegenteil – wir müssen das Pferd mit unseren Händen „verführen“ eine Verbindung zu uns zu suchen.

Ich persönlich lehne jegliche Beeinflussung und Einwirkung auf das Genick des Pferdes ab – aber es geht nicht darum, etwas schlecht zu machen – sondern etwas besser zu machen. Und da hat faktisch die enge Zäumung keinen Platz am Pferdekopf. Das heißt aber auch im umgekehrten Fall, gerade weil das Genick des Pferdes so wahrnehmend ist, dass der Mensch damit eine sehr tiefe Verbindung zum Pferd aufbauen kann, und der Mensch eben auch jede Regung des Pferdes spüren kann – das ist Biomotorik.

„Ohne alles“ auf dem Pferd?

Bei allen Problemen, die aber die Zäumung verursachen kann, möchte ich nicht den Eindruck erwecken, dass ich dafür plädiere, dass man das Pferd ohne alles reiten sollte. Aus biomotorischer Sicht ist das glaube ich, das Schlimmste, was man dem Pferd antun kann. Denn die Eigenwahrnehmung (Biomotorik) des Pferdes ist, „ohne alles“ gleich null.

Die Hand MUSS Kontakt zum Pferdemaul haben, dieser Kontakt sollte möglichst verbindend, bei manchen Pferden leichter, bei manchen stärker – aber nie zwingend sein. Aber er MUSS vorhanden sein. Ein Pferd, dass ohne Verbindung am  Zügel (entweder ohne, oder am durchhängenden Zügel latschen muss, und somit immer die Schulter stabilisieren muss erfüllt KEINE Vorgänge der biomotorischen Vorbereitung die ein Pferd braucht, um geritten zu werden. Es ist weder feines Reiten, noch „Freiwilligkeit“ für das Pferd – es ist einfach nur für das Pferd schlechtes Reiten.

Bei den Reitervölkern die „ganz ohne“ auskamen, handelte es sich um eine andere Art der Reiterei und um eine andere Umwelt. Die Reiter waren praktisch auf dem Pferd geboren, mit ihren Tieren in einer kaum mehr vorstellbaren Ausschließlichkeit mit ihrem Körper verbunden, ein Leben lang Tag und Nacht zusammen – und auch ohne weitere Verkehrsteilnehmer, so wie wir es uns kaum mehr vorstellen können.

Unsere Pferde sind mit uns eben nicht mehr animalisch-instinktiv verbunden, sie werden abgelenkt durch ständigen Umgang mit unserer Technik und einer Umwelt, die zugestellt ist mit „Fallen“. Genauso sind wir „abgelenkt“ durch andere vielseitige Interessen, durch vielleicht berufliche Anspannung und vor allem durch unseren Körper, der eben nicht mehr so funktioniert wie zu Zeiten der Reitervölker, die ohne Zügel auskamen und selbst in Schlachten ihr Pferd mit einem Ring um den Hals sicher lenkten.

Und außerdem: Wer von uns ist schon so perfekt, dass er sich leisten kann, nichts mehr dazulernen zu müssen? Schon Guérinière schrieb 1729 sehr treffend: „Jede Wissenschaft und jede Kunst hat ihre Grundsätze und Regeln, die zu neuen Entdeckungen und zur Perfektion führen. Warum sollte die Reiterei die einzige Kunst sein, für die nur Übung erforderlich ist?“

Wie wäre es wenn der Reiter – BEVOR er sich ohne Verbindung zu seinem Pferd auf das Pferd setzt – auf Entdeckung zu den Fähigkeiten seines Körpers geht? Genau dass beinhaltet nämlich das Konzept des BewegungsLernens – das ist genau die Bestimmung der Körperseminare für den Menschen, die in jedem Bewegungsseminar ein wichtiger und entscheidender Bestandteil des Seminares sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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