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Das Gedächtnis der Natur – das Biomotorische Training ist die Grundlage für das natürliche Bewegungsverhalten des Pferdes, seine Biomotorik und die Bewegungsentwicklung daraus

Das Umdenken hat bereits begonnen…

…denn was hindert uns daran, dem Pferd etwas zu beizubringen, was für DAS PFERD wichtig ist? Etwas, worauf es im Leben des Pferdes ankommt? Nun, eigentlich nichts…
Wir haben uns einfach nur daran GEWÖHNT, dem Pferd etwas aus der Sicht des Menschen und durch eine Stärkung der Muskulatur beizubringen. Die Muskeln und das Training der Muskeln, ist eine Angelegenheit des Körpers, die zwar wichtig ist, aber im vergangenen Jahrhundert stark überschätzt wurde. Inzwischen wissen wir aber, dass es verschiedene Ebenen des Bewegungskonzeptes eines Körpers gibt und dass man alle Ebenen gleich sorgfältig entwickeln muss.

Welche Ebenen sind das?

Das ist das Dreigestirn – die Biomotorik, das natürliche Bewegungsverhalten und die Bewegungsentwicklung. Diese drei Ebenen bedingen sich gegenseitig. Ohne die Eigenwahrnehmung, die das Pferd braucht, um eigene Bewegungserfahrungen machen zu können und voneinander unterscheiden zu können, kann das Pferd nicht zu seinem natürlichen Bewegungsverhalten (zurück)kommen und ohne sein natürliches Bewegungsverhalten, gibt es keine „körpergerechte“ Bewegungsentwicklung, also eine Weiterentwicklung des Organismus. Das Pferd braucht ein reichhaltiges Spektrum an Bewegungsmöglichkeiten, sonst stagniert diese Bewegungsentwicklung. Zu vielen Pferden, bleiben diese Erfahrungen verwehrt.

Deshalb ist die Vorstellung grundverkehrt, dass der Mensch dem Pferd Bewegungen beibringen muss, denn Bewegungen sind etwas, was das Pferd nicht lernen muss. Als das Pferd in seinem ersten Jahr, in einem Turbotempo Bewegungen gelernt hat, war auch kein Mensch da. Der Mensch dagegen muss „nur“ aufpassen, dass Bewegungen nicht in eine falsche Richtung oder ganz verloren gehen und dann den Körper belasten. Vor allem dann, wenn das Pferd geritten wird.  Keine einfache Aufgabe, schließlich deutet vieles darauf hin, dass es leichter ist das natürliche Bewegungsverhalten zu verlieren, als sie zu erhalten. (Wie man das natürliche Bewegungsverhalten auch unter dem Sattel bewahrt, ist Thema des Seminares „der Bewegungsaufbau)

Man muss ernsthaft darüber nachdenken, wie gut eine Idee ist, das Pferd ständig in seinen Bewegungen verbessern zu wollen, ohne das es eigene Bewegungserfahrungen macht. Das passiert leider mit jedem Versuch, dem Pferd von außen etwas aufzuzwingen. Der körperliche Bausatz des Pferdes zeigt uns das dann ganz genau an. Denn Bewegungen können sich nur aus dem einzigartigen Bewegungskonzept, aus dem Körper heraus entwickeln und entfalten. Zellverbände, Organismen und Organismus werden nicht nach einem „künstlichen“ Plan des Menschen gebaut, sondern sie organisieren sich selbst, nach einem „Bauplan“ den das genetische Programm vorgibt und das man Anlage nennt und den Organismus und das Skelett des Pferdes meint.

Besser wäre doch, wenn der Mensch die Eigenwahrnehmung(Biomotorik) des Pferdes stärkt, damit das Pferd sich auf eine körperliche Entdeckungsreise des Natürlichen Bewegungsverhaltens begeben kann.  Damit kann das Pferd insgesamt besser reagieren als mit einem starren Regelgeflecht, bei dem man davon ausgeht, dass das Pferd nur durch Regeln, Überwachung, Strafen oder Belohnungen von „falschen“ Bewegungen abgehalten werden kann. Das sind Dinge die weder dazu geeignet sind, die schlummernden Talente oder Begabungen des Pferdes zutage zu fördern, noch mit denen das Pferd mit seinem Pferdealltag klarkommt. Zudem ist das Körpersystem des Pferdes noch vor die Aufgabe gestellt, sich zu stabilisieren (wie zum Beispiel beim Fressen) und sich gleichzeitig in der Dynamik weiterzuentwickeln.

Die Art wie wir das Pferd ausbilden, und ihm was beibringen möchten, stammt aus der Vergangenheit. Das Problem bei der Steuerung des „Pferdeverhaltens“ ist: immer wenn man eine „Regel“ angewendet hat, benötigt man innerhalb kürzester Zeit eine neue. Der Körper ist sehr kreativ darin, um ein „Schlupfloch“ und damit ein Ausweichbewegung zu finden und zu nutzen. So entfernt man sich immer weiter vom natürlichen Bewegungsverhalten und der Eigenwahrnehmung, weil sie die Bewegungsspielräume zu sehr einengen und damit auch die Möglichkeit zur Weiterentwicklung beschränken. Auch neue „Methoden“ können das übrigens nicht ändern.

So wird das gegenwärtige Leben des Pferdes bestimmt von regulierten und durchgeplanten Bewegungsabläufen, von Vorschriften und klaren Anleitungen, und von zeitlich getakteten Bewegungsabläufen. Freie, biomotorische Bewegungen kommen für das Pferd in dieser Logik nicht vor. Sie gefährden die Effizienz und den Ablauf einer konstruierten Planung, die nichts anderes machen soll als den Pferdekörper umzuformen. Viel zu mechanistisch ausgeprägt ist das Pferdeleben damit, ohne echtes Interesse an dem, was das Pferd wirklich „bewegt“ und ihm hilft, sein Pferdeleben zu meistern. Die wichtigen Bewegungsentwicklungsprozesse finden so nicht mehr oder nur eingeschränkt statt.

Sinne brauchen Übung

Pferde sind sogenannte „offene Systeme“ das heißt, im ständigen Austausch mit der jeweiligen Lebenswelt und mit den jeweiligen Lebewesen. Pferde sind wie wir Menschen sehr anpassungsfähig und damit das auch bleiben kann  und sich weiter entwickeln kann, brauchen sie die Vielfalt ihrer Sinne. Die Eigenwahrnehmung nimmt dabei eine Schlüsselfunktion hinsichtlich der Aufnahme und Verarbeitung von Reizen aus der Umwelt ein. So organisiert sich der Körper pausenlos aus sich selbst heraus. Diese Bewegungserfahrungen gehen über das zentrale Nervensystem, das darauf achtet das der Organismus nicht zu Schaden kommt und sich die Peripherie(Muskulatur, Gelenke, Faszien und Sehnen) nicht überlastet.

Bewegungserfahrungen lassen sich nicht unterrichten, das sind die Erfahrungen die das Pferd selbst machen muss. Und die Voraussetzung für die Orientierung in der Umwelt ist die Fähigkeit, Sinnesreize zu differenzieren, wichtige Informationen von unwichtigen zu unterscheiden. Dabei läuft im Körper ein überaus komplexer Reifungsprozess ab, der nur gelingen kann, wenn das Pferd seine EIGENEN Bewegungserfahrungen machen kann.  Das Pferd das durch wenige Bewegungserfahrungen aber nur wenige Netzwerke in seinem Körper hat(Trageerschöpfung), verbraucht mehr Energie als ein Pferd der über ein reichhaltiges Informationsnetzwerk im Körper verfügt, um mit denen es in den unterschiedlichsten Situationen die optimale Bewegungslösung findet.

Der Mensch – jedes Pferd ist einzigartig, aber erst durch die „Beziehung“ durch andere Lebewesen wird es zu dem, was es sein könnte

Um die in ihm angelegten Potenziale, Talente und Begabungen entfalten zu können, braucht das Pferd eine sinnbietende Orientierung – einen Blick für das was möglich wäre, und viele Bewegungsanreize und Vielfalte. Bewegungen die aus dem Pferd selbst heraus kommen und nicht gefordert werden. Manche Pferde – leider viel zu wenige, schaffen diesen Weg selbst. Die vielen anderen brauchen jedoch den Menschen, die ihnen den Weg dorthin zeigen. Das können nur Menschen sein, die ihre eigene Lust am Entdecken und Gestalten und an einer Weiterentwicklung von Körpern noch nicht verloren haben.

Das Grundlagentraining des Biomotorischen Trainings

Das Biomotorische Training möchte dem Pferd das körperliche Lernen und den Umgang mit dem Menschen erleichtern. So dreht sich alles in diesem Seminar  um die tiefgehenden Verknüpfungen des Pferdekörpers, um das ausgefeilte Zusammenspiel, das den Pferdekörper mit seinem Organismus verbindet, die Persönlichkeit des Pferdes stärkt und so die natürliche Entwicklung von Bewegungen optimal unterstützt.

Dabei bereitet das Biomotorische Training den Menschen auf seine neue Rolle vor, dass ihm hilft, dem Pferd einen Anstoß für eine Biomotorische Bewegungsentwicklung zu geben, die das natürliche Bewegungsverhalten im Inneren des Pferdes umsetzt und sich ausschließlich an den Bedürfnissen des Pferdes orientiert. Damit kann man das Biomotorische Training als Grundlagentraining für Pferd und Mensch verstehen. Durch dieses neue Rollenverständnis und die entstehende Verbundenheit fördert das Biomotorische Training eine Beziehungskultur zum Pferd,  die eine gemeinsame Suche nach besseren Bewegungen und eine Förderung des individuellen Potenzials des Pferdes ist.

Minimale Bewegungen – maximale Veränderungen
Durch die multisensorischen Informationen an das Nervensystem (nicht an die Muskeln) eröffnet dieses „Training“ ein völlig neues Verständnis für die faszinierenden Gesamtzusammenhänge im Pferdekörper. Das Biomotorische Training aktiviert die neuronalen Verbindungen im ganzen Körper und nimmt so den ganzen Körper des Pferdes mit in die Bewegungen, ohne sich auf die Überlastung von einigen wenigen Körperbereichen zu verlassen. Also ein großer Schritt weg von der Vorstellung, das „Erlernen“ von Bewegungen nur über trainierte Muskeln geschieht. Denn sind gewohnte Bewegungsabläufe erst mal  im „Muskelgedächtnis“ des Körpers eingeprägt, muss man gewohnte Bewegungen durch neue ersetzen – wenn man das Bewegungsmuster, und damit auch das Verhaltensmuster des Pferdes, verändern will. Und zwar durch neue Bewegungsmöglichkeiten, die sich das Pferd aus einem entstehenden Fundus von Bewegungsanreizen und Vielfalten selber erwerben muss.

Die Entwicklung der Wahrnehmung

Das Biomotorische Training mit seinen Bewegungsinformationen der Biomotorik bereitet das Pferd darauf vor, angeborene Bewegungsmuster wieder bei sich wahrzunehmen. Die Sensopathie hilft dem Pferd dabei und unterstützt es bei dieser Art des „Lernens“ (Bewegung in Verbindung mit sensorischen Eindrücken) Das Pferd kann mit diesen Eindrücken spielen, sich ausprobieren, neue Bewegungsmuster ausprobieren und neue Erkenntnisse über seinen Körper gewinnen. Immer, wenn wir dann die gezielten Bewegungen des Biomotorischen Trainings ausführen, kommt es zu einer Aktivierung der Biomotorik und zu einer Integration des Nervenmarks und des Nervensystems. Damit öffnet sich der Weg zum körperlichen Lernen für das Pferd von selbst.

Werden Sie Bewegungsforscher bei Ihrem Pferd

Dazu ist die Voraussetzung beim Menschen, dass er ehrlich daran interessiert ist, was das Pferd ihm „erzählen“ will. Die „Forschung“ um das natürliche Bewegungsverhalten und die Bedürfnisse des Pferdes entspringen so aus einem wirklichen, persönlichen Interesse für die Natur des Pferdes und nicht an künstlichen Bewegungen. Und wer ist besser dazu geeignet wie Sie, wo ihnen am Herzen liegt, mehr wissen zu wollen über das  Gedächtnis der Natur. Diese wirkliche Verbindung und „ehrliche“ Beziehung zum Pferd – die nur auf dieser Basis entstehen kann – wird faszinierend, weil die Hierarchie zwischen Mensch und Pferd aufgehoben ist, und damit eine Beziehung auf Augenhöhe entsteht.

Der Mensch muss Biomotorik aber mit seinem Körper „verstehen“ – nicht nur mit dem Kopf. Er muss das Gefühl haben, das er so die Bewegungen des Pferdes viel besser gestalten kann als durch künstliche Bewegungen. Es muss für den Menschen einen Sinn ergeben, dass das natürliche Bewegungsverhalten des Pferdes  auf den Bewegungsprozess im Inneren des Pferdes vollzogen wird, die das Ergebnis der Bewegungsentwicklung hervorbringen, und dass die Bewegungen des Pferdes nicht auf die Tätigkeit des Reitens ausgerichtet sind. Die erworbenen Überzeugungen der alten „Lehrpläne“ kann nur der loslassen, der die Vielfalt der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten kennt, und der wie in der Kindheit offen für alles ist, was es zu entdecken gibt.

Ist das Biomotorische Training der beste Weg, um das Pferd auf Bewegungen mit dem Menschen und auf seinen Pferdealltag vorzubereiten?

Das Biomotorische Training bietet durch seine vielfältige Anregungen und die eigenen Bewegungserfahrungen all diese Möglichkeiten. Wichtige Entwicklungsprozesse finden durch die  Eigenwahrnehmung im zentralen Nervensystem statt.

Mit seiner Ausprägung auf die Biomotorik und das Natürliche Bewegungsverhalten passt sich das Biomotorische Training, trotzdem, oder gerade deshalb, und ohne dass eine „Konkurrenz“ entsteht, flexibel an die Bedingungen der einzelnen Reitlehren und der bereits existierenden Ausbildungsprogramme, aber auch an alle Therapien an.

Bevor es im Seminar mit den Lehrpferden losgeht:

Das im Pferd angelegte Potenziale und seine natürlichen Anlagen können nur in einem kokreativen Prozess entstehen, entwickeln und sich entfalten. Alles andere ist eine Aneignung von Bewegungswissen. Je „näher“ wir also dem Körper des Pferdes sind, desto stärker rückt ihr Körper in den Vordergrund. Die wichtigsten Kriterien des natürlichen Bewegungsverhaltens beim Pferd sind IHRE Biomotorik und IHR natürliches Bewegungsverhalten. Das entscheidet über „Lesbarkeit“, Kommunikationsfähigkeit, und eben die wunderbare Fähigkeit des Menschen, ein anderes Lebewesen mit seinen Bedürfnissen wahrnehmen zu können. Und das vollzieht sich auf mehren Ebenen gleichzeitig

Im Seminar kommt es viel mehr darauf an, wie Sie sich mit dem Pferd verbinden können

Was wir damit meinen? Nun, auch wenn man weiß, wie der Körper des Pferdes funktionieren könnte, beherrscht man deswegen den eigenen Körper noch lange nicht. Wenn sie allerdings ihren eigenen Körper wahrnehmen können, sind sie auch in der Lage, dem Pferd mit ihrem Körper zu erklären, wie sich andere Bewegungsabläufe anfühlen könnten.

Entscheidend dabei ist, dass jeder Einzelne seine eigenen positiven Erfahrungen mit dem Körper machen kann. Genau wie beim Pferd können wir sie dazu auch nur einladen, ermutigen und inspirieren. Für diese Erfahrungen brauchen Sie die eigene Entdeckerlust. Deshalb geht es viel stärker als in den Reitmethoden der letzten Jahrhunderte, auch beim Biomotorischen Reiten darum, den eigenen Körper wieder an die Hand zu nehmen, seine eigenen körperlichen Lernprozesse selbst zu gestalten und zu organisieren. Genau das erlernen Sie beim Körperseminar für den Menschen, am Freitag dieses Seminars.