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Das BewegungsLernen – aus Körper wird Bewegung

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Das BewegungsLernen – aus Körper wird Bewegung

Teil I. Die faszinierende Welt der angeborenen Bewegungen

Nur wenige Dinge im Leben haben so viele, so einseitige und so widersprüchliche Beschreibungen hervorgerufen wie die Bewegungen des Pferdes. Deshalb sind auch die Versuche, die Bewegungen des Pferdes zu erklären, so vielschichtig. Und eigentlich sind sie bis heute ein faszinierendes Rätsel geblieben. Das Bewegungslernen versucht dieses Rätsel zu lösen, indem wir den Körper des Pferdes selber befragen. Die angeborenen Bewegungsmöglichkeiten bieten dazu ein perfektes „Fenster“ hinein in den Körper des Pferdes.

  1. Austausch: die Bewegung als gemeinsames Ziel
  2. Die Körperprozesse des Pferdes
  3. Die angeborenen „biomotorischen“ Bewegungen des Pferdes

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  1. AUSTAUSCH: DIE BEWEGUNG ALS GEMEINSAMES ZIEL

Während fast der gesamten Menschheitsgeschichte standen Menschen und Pferde miteinander in engem Kontakt, haben sich zusammen weiterentwickelt und festgestellt, dass ein Zusammenleben für beide Seiten von Vorteil sein kann. Das Pferd übernahm dabei Aufgaben, die der Mensch nicht leisten konnte. Dafür gab der Mensch dem Pferd ein Zuhause, in dem es immer genug Nahrung und Sicherheit gab. Also eine klassischen Win-win Situation, wenn alles glattging und Mensch und Pferd gut miteinander harmoniesierten.

Verbunden durch die Wirbelketten

Die Geschichte der Reiterei ist auch immer die Geschichte des Menschen und offenbart auf sehr eindrückliche Weise die Entwicklungsphysiologie von Pferd und Mensch. Mehr noch – das Pferd ist ein Teilprozess in der Entwicklung der Menschheitskultur, denn Mensch und Pferd sind und waren ja in ihrer BEWEGUNG durch ihre Wirbelkette verbunden. Erfindungen und Errungenschaften, die im Kulturleben des Menschen stattgefunden haben, waren in der engen Wechselbeziehung mit dem Pferd, deshalb auch in der jeweiligen Reitkultur spürbar.

Vom Menschen geprägte Bewegungen – von feinfühlig zu technisch

Die ungeheure technische Revolution der Technik, die im 20. Jahrhundert zum Durchbruch kam, hat  dann auch der Reiterei entschieden die Richtung gewiesen. Neue „Methoden“ der Erziehung eröffneten dem Menschen die Möglichkeit den Pferdekörper zu formen und dabei die Funktionalität des Pferdeköpers aus dem Auge zu verlieren. Neue „Reitweisen“ wurden begründet, bei denen man meint, dass sich Pferd und Reiter in ihren Bewegungen gegenseitig behindern. Bis hin zu Schnelldressuren, weil in Kriegszeiten sehr schnell, sehr viele Pferde „erzogen“ werden mussten. Diese „Prozesse ohne Körper“ führten den Menschen zwangsläufig zu spezialisierten Vorgängen und Vorgaben und immer weiter weg von der Funktionsweise des Körpers.

Die Biomotorik lebt durch die Bewegung

In der Zusammensetzung der „Lebensgemeinschaft“ mit dem Pferd, bei dem der Mensch über Sinneswahrnehmungen verbunden ist, kann das Pferd tatsächlich eine engere Verbindung zum Menschen als zu einem Artgenossen eingehen. UNSERE Bewegungsfähigkeit entscheidet so über die Gesundheit und den Gemütszustand des Pferdes – und sogar über seine Ängste und seine körperliche Entwicklung.

Das BewegungsLernen – die Bewegung als gemeinsames Ziel

FAZIT: Sobald das Pferd in unserer Obhut ist, müssen wir die Gemeinsamkeit als wirklichen gemeinsamen körperlichen Austausch sehen. Der Mensch darf sich dabei mit seinem Körper nicht ausnehmen, deshalb –  auch wenn es um die Bewegungen des Menschen geht, darf es nicht sein, dass man Muskeln trainiert und stärkt, den Rücken zu einer Haltung tot stabilisiert, bei der sich nichts mehr bewegen kann und komplett auf Sinneswahrnehmung – und Eindrücke verzichtet wird. Die vielfältigen Möglichkeiten unserer Wirbelkette, die im wahrsten Sinne IN ihr – im Rückenmark schlummern – und die außerordentlichen Errungenschaften und Fähigkeiten, die wir uns im Laufe der Evolution MIT unserer Wirbelkette erworben haben, kann man nicht ungestraft ignorieren.

Über die Wirbel gehen

Im BewegungsLernen führen wir die beiden Körper über die Wirbelketten zusammen – die Körperschulungen für den Menschen bereiten den Menschen darauf vor. Sich mit dem Pferd zu verbinden, bekommt – körperlich betrachtet – eine komplett andere Bedeutung.

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2. Die Körperprozesse des Pferdes

WENN SICH BEWEGUNGEN AUS DEM UNTERBEWUSSTEN ENTWICKELN

Die wichtigsten Erkenntnisse der letzten Zeit für Bewegungstrainings sind, dass die eigenen Bewegungsmöglichkeiten, die ein Körper hat, schon im Mutterleib stattfinden. Da der Körper in dieser pränatalen Entwicklungsstufe die Bewegung aber logischerweise noch nicht ausführen kann, spricht man eher von Reflexen. Auch in der nächsten Entwicklungsstufe, die mit der Geburt des Pferdes erreicht ist, ist der Pferdekörper noch nicht voll verfügbar – er muss sich ja noch entwickeln – aber dafür hat er seine Sinne und seine Wahrnehmung.

BEWEGUNGEN WERDEN WAHR
Bewegungen  beginnen immer mit Sinneseindrücken  und entstehen aus einem wechselseitigen Austausch zwischen dem Körper und der Welt, die ihn umgibt. Die Bewegungen des Pferdekörpers müssen durch Sinneseindrücke stimuliert werden, um das lebenswichtige Körpergefühl zu entwickeln, damit sich das kleine Pferd irgendwann in die Welt hinauswagen, sie entdecken – und auch mit der Welt in Austausch treten kann.

Deshalb gibt es kaum etwas Schlimmeres für das kleine Pferd, als KEINE – oder wenig Reize zu empfangen, denn damit steht seine körperliche Entwicklung auf dem Spiel, die es erst überlebensfähig macht. Es braucht seine Sinneswahrnehmungen, die im Stammhirn ankommen um mit Primitivreflexen seine Ur-Bewegungen und Primärbewegungen auszulösen – die „Stammväter“ für alle späteren Bewegungen. Damit erwirbt das Pferd auch die Anpassungsfähigkeit, die ihm das Überleben in den unterschiedlichsten Gebieten unter den verschiedensten Bedingungen sichert – und damit leider in einer reizarmen Umwelt auch zum größten Problem wird.

DAS SPIELEN ALS ENTWICKLUNGSHELFER
Viele Lernvorgänge, ausgelöst durch die Sinneswahrnehmungen stehen dem Fohlen nun bevor. Die Umwelt gibt Signale, aber was bedeuten sie? Das Pferd lernt in dieser Phase der frühen Entwicklung, Signale zu unterscheiden. Die Stimulation dazu bekommt das Fohlen durch die spontanen, spielerischen, dynamischen und seinem Entwicklungsalter angepassten Bewegungen, die das Wachsen von Nervenzellen und Nervennetzen anregen. Das „Spielangebot“ seiner Umwelt fordert neue Erfahrungen und neues Erleben.

Das Pferd bekommt zwar Millionen von angeborenen Bewegungsmöglichkeiten bei seiner Geburt „bereitgestellt“ –  speziell für diesen einen Körper – mit seinen  Knochenabmaßen, die so individuell sind wie Fingerabdrücke, aber welche Bewegungen das Pferd in der nächsten Zeit ausführen wird,  darüber entscheiden die durch die Sinneseindrücke und Sinneswahrnehmungen angeforderten Primitivreflexe und Primären Bewegungen.

ZUFALL UND „ORDNUNG“ IM KÖRPER – DER LERN-UND ENTWICKLUNGSPROZESS
In der nächsten Entwicklungsphase lernt das Pferd seinen Körper zu bewegen und es entdeckt den Effekt und die Wirkungen dieser Bewegungen auf den Körper. Anfangs agieren alle Beine gleichzeitig und gleichen einer Marionette bei der sich alles zusammen bewegt. Die Selbstständigkeit der Bewegungen, das Differenzieren der Gliedmaßen wird erst nach und nach erreicht. Dazu ist Übung und ganz viel Spielen und Herumtoben nötig.

WIE DAS AUGE DEN KÖRPER LENKT – KÖRPERBEHERRSCHUNG UND KOORDINATIONSVERMÖGEN
Wenn das Pferd zu Beginn seiner körperlichen Entwicklung alle Beine gemeinsam bewegt, lernt es nun die Bewegungen zu trennen und zu unterscheiden. Der Körper folgt nun dem Auge. Bewegen sich die Augen bzw. nach links, folgt zuerst der Kopf, dann dreht sich der Nacken, dann der Körper. Schließlich verlagert sich das Gewicht durch den immer feiner werdenden Gleichgewichtssinn immer besser und das Pferd kann sich differenzierter und koordinierter bewegen. Kann der Kopf  sich aber nicht mit den Augen bewegen (weil er zum Beispiel festgehalten ist!) macht sich diese Hemmung an der Nackenmuskulatur bemerkbar.

STAMMHIRN FÜR BEWEGUNGEN UND DAS LIMBISCHE SYSTEM FÜR DAS KÖRPERGEFÜHL
Zu den Bewegungen die im Stammhirn stattfinden und für eine gesunde Entwicklung braucht das Pferd aber auch sein Limbisches System, in dem es seine wachsenden Bewegungen wahrnimmt, sein Körpergefühl und Emotionen empfindet – in dem z.B. die Beruhigungen der Mutterstute ankommen, wenn das Fohlen in Aufregung oder Stress gerät und die es Sicherheit und Vertrauen spüren lassen – denn für die Ur-Empfindungen ist das Limbische System zuständig. Die wichtigste Aufgabe dieses Gehirnareals besteht deshalb in der Steuerung des Körpergefühls in Verknüpfung mit den Bewegungen des Stammhirnes.

BEWEGUNG DARF KEIN „AUTOMATISIERTER“ PROZESS SEIN
Wie es dann mit dem kleinen Körper weitergeht, mit der Motorik und den Bewegungen des Körpers hängen von den Umweltbedingungen ab, in denen es aufwächst, denn die Sinneseindrücke und Wahrnehmungen mit denen das Pferd „seine“ Welt sieht, prägen und formen den Körper. Dadurch kann man dem Körper auch später jederzeit ansehen, wie er sich bewegt – oder auch wie sich das Pferd in der ersten Zeit seines Lebens bewegt hat. Denn das alles bietet die Grundlage für weitere Bewegungen.

VERTRAUEN UND SICHERHEIT ENTSTEHT – DAS WOHLFÜHLEN VERBINDET SICH MIT BEWEGUNGEN
Aus dieser Kombination entsteht das Pferd, wie es später einmal sein wird, deshalb sind die ersten Jahre des Pferdes auch so wichtig und prägend für die Bewegungen des Pferdes. WIE wichtig die Bewegungsverarbeitung der ersten Zeit ist, sieht man wenn das Pferd z.B. sein Leben lang davor Angst hat, seine Umgebung zu erkunden, oder auch in vertrauten Situationen zu Überreaktionen neigt, ein schwieriges Sozialverhalten zeigt, sich unsicher bewegt, oder eben auch der fast magische Ausdruck, den ein Pferd haben kann, die Anmut von kraftvollen Bewegungen, die Bewegungsfähigkeit usw. – das alles beginnt sich in dieser Zeit durch die herauszubilden.

FAZIT:

Wir dürfen dem Pferd die „Verantwortung“ für seinen Körper nicht nehmen. Es ist immer noch sein Körper! Wir können den Pferdekörper aber mit allem was uns zur Verfügung steht, dabei unterstützen, dass er seine Entwicklungsphasen so optimal wie möglich durchlaufen kann.

Die meisten Pferde müssen aber ihre Bewegungen durch mehr oder weniger eifriges Üben und Wiederholen mit dem Menschen erlernen, so wie der Mensch das Autofahren durch praktisches Üben erlernt. Das Pferd bekommt dadurch die größten Schwierigkeiten mit seinem Körper, weil es seinen Körper nicht lernt zu koordinieren, und die „Ordnung“ seines Körpers in den Entwicklungsstufen nicht selber herstellen lernt. Es überspringt damit viele kleine, aber ganz wichtige Entwicklungsstufen seines Körpers und kommt damit gar nicht auf die Stufe des intuitiven, biomotorischen Bewegens.

DAS BIOMOTORISCHE TRAINING

Im Biomotorischen Training nehmen wir genau diese Entwicklungsphasen in die Körperprozesse auf wie zum Beispiel mit den Fohlenspielen zur Koordination. Das Pferd durchläuft mit den biomotorischen Übungen die optimalsten Bedingungen, die den Körper prägen können, ihn aber auch aus seinen Bewegungseinschränkungen herausholen –  und den Organismus, Atmung und Herztätigkeit regulieren –  können.

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  1. DIE ANGEBORENEN „BIOMOTORISCHEN“ BEWEGUNGEN DES PFERDES

Nur wenige Dinge im Leben haben so viele, so einseitige und so widersprüchliche Beschreibungen hervorgerufen wie die Bewegungen des Pferdes. Deshalb sind auch die Versuche, die Bewegungen des Pferdes zu erklären, so vielschichtig. Und eigentlich sind sie bis heute ein faszinierendes Rätsel geblieben. Das Bewegungslernen versucht dieses Rätsel zu lösen, indem wir den Körper des Pferdes selber befragen. Die angeborenen Bewegungsmöglichkeiten bieten dazu ein perfektes „Fenster“ hinein in den Körper des Pferdes.

Der Pferdekörper erklärt sich am besten, wenn wir verstehen, wie er seine Bewegungen selbst entwickelt, wie er Bewegungsprozesse auslöst und was der Körper schon vor der Geburt für die Motorik bereit hält. Damit die Körperprozesse in den Bewegungsabläufen des Pferdes richtig funktionieren, müssen  Sinnesorgane, das Gehirn, die inneren Organe und der Bewegungsapparat ohne Hinderungen und Einschränkungen arbeiten dürfen, aber sie müssen vor allem auch zusammenarbeiten KÖNNEN. Das wird von den verschiedenen Zentren  des Gehirns gesteuert, die ebenfalls zusammenarbeiten müssen.

DAS STAMMHIRN FÜR BEWEGUNGEN
Wie beim Menschen erhält das Stammhirn Signale aus den Sinneswahrnehmungen (z.B. Gleichgewichtssinn). Diese Signale kommen vorzugsweise in den sogenannten  „alten“ Teilen des Gehirnes – im Stammhirn an und werden da gespeichert. Also dort, wo es ums Überleben geht und wo instinktive Reflexe gefragt sind, damit das Pferd auch in der ersten Lebenszeit, wenn der Körper noch nicht entwickelt ist, so reaktiv und situativ wie möglich reagieren kann. (das Stammhirn ist das entwicklungsgeschichtlich älteste Gehirnteil – denn erst später hat sich das limbische System mit Emotionen und dem Körpergefühl darauf gesetzt)

BEWEGUNGEN NACH DEN REGELN DES KÖRPERS
Im Stammhirn werden Bewegungserlebnisse gesammelt, denn nur mit vielfältigen Bewegungsangeboten kann der Körper dementsprechend situativ reagieren. Das entscheidet in der Natur, in genau DER Umwelt, in die das Pferd hineingeboren wurde, über Leben und Tod und ist deshalb tief in den Genen des Pferdes abgelegt. Darüber hinaus werden Atmung, Herztätigkeit und andere lebenserhaltende Prozesse vom Stammhirn gesteuert. Wenige Sinneseindrücke bedeuten deshalb auch immer eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit.

Auch für die Nahrungsaufnahme sind Sinnes- und Bewegungserfahrungen wichtig und letztendlich ist auch bei der „Partnerwahl“ das Pferd klar im Vorteil, das Bewegungsfähig (also auch gebärfähig)und die Grundlage zum Überleben sichern kann (also zeugungsfähig).

DURCH DIE SINNE LEBEN DIE BEWEGUNGEN
Das Stammhirn reagiert auf Sinneswahrnehmungen mit der Übertragung der Signale durch das Rückenmark an die ausführenden Gliedmaßen oder funktionellen Körperteile.  Über die träg-elastischen Sehnen, die die Muskeln mit den Knochen verbinden, bekommen die Gliedmaßen den „Auftrag“ zur Handlung. Für den Pferdekörper ist deshalb nicht die Ausführung der Bewegungen wichtig, SONDERN DIE SINNESEINDRÜCKE, die das Pferd dazu bekommt, um die Bewegungen auszuführen und entwickeln zu können. Daran können wir uns als Mensch orientieren.

DAS SPIEL MACHT ERST DAS PFERD
Die Bewegungen des kleinen Pferdes entstehen aus einem Fundus an bisher ausgeführten Bewegungen, also aus den Informationen, die über Sinneswahrnehmungen und Eindrücke aufgenommen werden und in Gehirn „abgeliefert“ wurden. Es ist geradezu überlebenswichtig, dass das kleine Pferd Bewegungen in seinem Körper  „sammelt“, denn je mehr Signale der Pferdekörper über das Stammhirn bekommt, desto mehr Nervennetze und Synapsen zwischen den Nervenzellen werden entwickelt.

DIE ZIELRICHTUNG IST BEWEGUNGSFREUDE UND BEWEGUNGSLUST
Die motorische Aktivität des Fohlens und des Babys beruht auf den primitiven Reflexen. Wie kleine Menschen auch, müssen deshalb kleine Pferde ganz viel spielen. Durch den Vorgang des Spielens „greifen“ sie quasi ihre Umwelt ab, passen sich „spielerisch“ daran an und erobern so ihre Welt. Die unterschiedlichen Sinneseindrücke und Wahrnehmungen ihrer Umweltbedingungen, werden in verschiedenen Arealen des Gehirnes verarbeite, die über Anreize der Welt um sie herum erworben werden.

IN JEDER BEWEGUNG STECKT EINE ÜBUNG
Die Motorik und Bewegungsfähigkeit, die aus dem Spiel entsteht, ist von fundamentaler Bedeutung für das koordinative und situative Bewegen und die Wahrnehmung der Muskeln (Propriozeption). Kann das Pferd in seinen ersten Lebensjahren nicht ausreichend spielen, oder werden die Sinneseindrücke bewusst manipuliert oder eingeschränkt, bedeutet das für den Körper einen Sinnesverlust- und Bewegungsverlust. Die Handlungen des Körpers werden dann nur über die einseitigen Informationen der Muskeln ausgeführt, so ist die Wirkungskette unterbrochen und der Bewegungsapparat nicht mehr mit dem Organismus vernetzt (Willkürmotorik)

DIE ZIELE STECKT DER KÖRPER UND SEIN LYMBISCHES SYSTEM
Eine „reibungslose“ Zusammenarbeit zwischen Stammhirn und Limbischen System – also zwischen Bewegungen und Körpergefühl ist für die größtmögliche Wirkung für geschmeidige, koordinierte und vor allem für symmetrische Bewegungen wichtig. Ohne Körpergefühl empfindet das Pferd seine Bewegungen sogar dann als symmetrisch, selbst wenn es beispielsweise nur eine Körperhälfte bewegt, also den Kopf gerne nur auf einer Seite trägt oder sich komplett asymmetrisch bewegt.

GRENZEN ZEIGEN IMMER EIN DAS MUSTER AN
Die Bewegungsmöglichkeiten, die ein Körper hat sind grenzenlos – fast! Denn die Grenzen bestimmt die Wirbelkette. Wenn wir also von angeborenen Bewegungen sprechen, den sogenannten „primären“ – oder  Urbewegungen, müssen wir von der Wirbelkette als Informationsträger reden und zwar von jedem einzelnen Wirbel, da jeder eine ganz eigene wichtige Aufgabe im Körper hat. Alle angeborenen   Bewegungen, die vom Körper selbst in „Auftrag“ gegeben werden, laufen IMMER über die Wirbel und die Nervenbahnen.

DIE MOTORISCHEN FÄHIGKEITEN UND DIE WIRBELKETTE
Die motorischen Fähigkeiten des Pferdes werden von der Geburt an vom Rückenmark gesteuert. Anfangs lösen die Primitivreflexe die einfachen Reflexbewegungen aus. Später entwickeln sich aus dem Spielen immer komplexere Bewegungsmuster. Es ist der PROZESS DER BEWEGUNG, der den Körper und seine  Organe entsprechend den Umweltbedingungen und Anforderungen „wachsen“ und reifen lässt. Die Bewegungen sind lediglich Diener für den Organismus UND das Körpergefühl – eben Stammhirn und Limbisches System.

DIE ANGEBORENEN BEWEGUNGEN UND DER MUSKELTONUS
Fast alle Sinne schicken sensorische Signale an die bestimmten Areale des Stammhirnes – das ist auch von entscheidender Bedeutung für den Muskeltonus. Fehlen Informationen, kann es zu einer Ausprägung eines schwachen Muskeltonus kommen. Das Pferd hat Schwierigkeiten den Kopf und die Brust zu heben und sich zu bewegen. Das schränkt die Aktion der Vorderbeine und die Beckenbewegung massiv ein. Auch die „Betreuung“ durch die weitere Stimulation der Sinne wird behindert – ein Teufelskreis…

…denn wegen der schwachen Muskeln kann das Pferd Schwierigkeiten haben, den Kopf aufrecht zu halten und kann in sich zusammensinken. Die gekrümmte Haltung führt zu einer flachen Atmung, zu einer Überbelastung von Gelenken, und von einer Überbetonung von „Haltemuskeln“ (Unterhals!) und Ausweichmuskulatur. Oft sind die Gelenke aber auch übermäßig beweglich (hypermobil) und erschweren eine angepasste Körperaufrichtung und Atmung noch weiter.

 FAZIT:

Die Welt des Pferdes hat sich drastisch verändert und dadurch auch seine Lebensumstände – deshalb müssen wir uns, was Bewegung anbetrifft neue Fragen stellen. Viele Sinne des Pferdes und des Menschen in der modernen Reiterei ersetzt worden und „moderne“ Trainings setzen eher auf ein Stärken der Muskulatur und nicht auf Bewegungsanreize. Aber nicht die Funktion des einzelnen Muskels ist entscheidend, sondern wie sehr sich eine Bewegung in das ausgeklügelte Körpersystem einfügt. Denn die Bewegungen des Pferdes hängen von einem sehr empfindlichen Gleichgewicht ab, dass durch viele Faktoren schnell gestört wird.

Meist sind ist die Ursache für die heutige Bewegungsunfähigkeit die Bewegungsanreiz- und Spiele-arme Umgebung, in der das Pferd seine Bewegungen nicht entwickeln kann. Und nicht genetisch oder züchterisch bedingt – wie gern versucht wird zu erklären. Oft wird dann versucht, die  Bewegungsentwicklung des Pferdes durch Bodenspiele oder durch reiterliche, geführte Bewegungen des Menschen zu ersetzen – meist ohne zu wissen, dass der Körper gar nicht darauf nicht „anspringen“ kann.

WIR MÜSSEN UNS NEUE FRAGEN STELLEN
Die angeborenen Bewegungen und die evolutionäre Entwicklung helfen uns bei einer neuen Betrachtungsweise, ebenso wie die Bedeutung des Stammhirnes und des Limbischen Systems. Das alles, zusammen mit dem Bewegungspotenzial des Pferdes verschmilzt in den angeborenen Bewegungen zu einem Bewegen mit vielen Gesichtern. Bleiben wir allerdings dabei, uns von NUR EINEM Blickwinkel der Bewegung einvernehmen zu lassen, oder einer bestimmten, theoretischen Vorstellung des Reitens, liegen wir vermutlich schon falsch.

 EHRLICHE BEWEGUNGEN FINDEN IM STAMMHIRN STATT – NICHT IN DEN MUSKELN
Für ein „gutes“ Bewegen reicht es  nicht aus, dass die Muskeln gut funktionieren, sondern das die Funktionskette – über Nervenanreize in die Nervensysteme, und durch die Wirbelkette in die Sehnen und die Muskeln zur Ausführung in den Gliedmaßen oder in die Organe – so stimmig wie möglich ist. Ist diese motorische Entwicklungskette, wie oben beschrieben des Pferdes aber auf irgendeine Weise gestört, gehemmt oder eingeschränkt, (durch zu wenig Sinneseindrücke)kann der Entwicklungsprozess behindert oder verzögert werden. Das Pferd kann keine eigenen Bewegungsentwürfe entwickeln und die antrainierten Bewegungen bleiben fast sinnbildlich im Körper stecken.

BEWEGUNG DARF KEIN AUTOMATISIERTER PROZESS SEIN
Das kann allerdings bedeuten, dass sich ein Pferd ein Leben lang gegen die Gebrauchsanweisung und die Regeln seines Körpers bewegt – selbst wenn es „ausreichend“ reiterliche Bewegung hat. Dass übrigens kann auch in der freien Natur passieren – und ist bei schlechten Umweltbedingungen gar nicht so unüblich, was man den Pferden oft deutlich ansieht. Die größte Fähigkeit die das Pferd hat – seine Anpassungsfähigkeit an Umweltbedingungen, wird dem Körper in einer reizarmen Umwelt zum Verhängnis. Denn ob und wie weit das Pferd Ausweichmuskulatur entwickelt, oder schädigende organische Bewegungsprozesse, hängt davon ab, welche Wege im Körper „angeschlagen“ werden.

DAS MUSKELKORSETT DER ANTRAINIERTEN MUSKELN UND MUSTER
Muskulatur die nicht durch die Anreize des Gehirnes entwickelt wird, wirkt wie ein Muskelkorsett. Und je mehr man dieses Muskelkorsett stärkt, desto „einengender“ ist die Wirkung auf Organismus und Atmung. Das Pferd bleibt in seinen Entwicklungsphasen stecken, was natürlich Probleme in den motorischen Funktionen, in den Bewegungsabläufen, in der Bewegungsfähigkeit und der Koordinationsfähigkeit mit sich bringt. Aber vor allem ist die Eigenwahrnehmung, das eigene Körpergefühl, stark eingeschränkt oder sogar bis auf den Nullpunkt heruntergefahren.

WELCHE BEDEUTUNG HABEN DIE ANGEBORENEN BEWEGUNGEN
Jeder Eingriff in das Sinneswahrnehmungssystem des Pferdes, wie auch jede „Reparatur“  hinterlässt ihre Spuren im Pferdekörper. Aber auch jede – sogar die kleinste Handlung am und beim Pferd hat einen Effekt und eine Wirkung im Organismus. Deshalb ist es als Mensch gut zu wissen, was man tut. Nachvollziehbare „Versuche“  einer Erklärung können nur dann „Erfolg“ haben, wenn wir den Sinn und das Wesen des Körpers erkennen und Bewegungen als zentrale Lebensform des Pferdes begreifen, beschreiben und zu erklären versuchen und dem Pferd die Möglichkeit der Selbstregulation geben können.

DAS BIOMOTORISCHE TRAINING UND DIE KÖRPERSCHULUNG FÜR DEN MENSCHEN

Für das Bewegungslernen ist  Bewegung ein äußerst komplexer Vorgang in den der Mensch nicht eingreifen sollte. Den Körper in seine angeborenen Bewegungen zu führen bedeutet deshalb nichts anderes als Anreize zur Bewegung zu geben. Quasi die Bewegungsbedingungen zu „ändern“ unter denen das Pferd lebt, und die Eigenwahrnehmung und das Körpergefühl im Pferdekörper zu installieren. Das biomotorische Training bietet die optimalen Möglichkeiten dazu, denn die Schlussfolgerung aus einem Verständnis für den Pferdekörper ist es, dass das Pferd selber Gelegenheit bekommt, seinen Körper über Spiel und Bewegung zu stimulieren und zu organisieren.

DIE UMSETZUNG IM BIOMOTORISCHEN TRAINING UND IN DER KÖRPERSCHULUNG
In den Körperschulungen für den Menschen und mit dem Biomotorischen Training für das Pferd tauchen Sie deshalb in die Welt der angeborenen Bewegungen ein. Und nehmen sie im vollen Umfang im Biomotorischen Training auf. In den biomotorischen Übungen bekommt das Stammhirn Bewegungsinformationen über die primitiven Reflexe, damit sich der Muskeltonus des Pferdes wieder jederzeit anpassen kann. Wirbelkette und Gelenke können dann in der für den Körper bestmöglichen Position auf bestmögliche Weise zusammenarbeiten, denn in vielen Fällen sind sie erstmal durch Bewegungseinschränkungen fixiert.

Die Regulation und neue Bewegungsanreize sind für die Bewegungsfähigkeit, für die Regeneration und für den gesunden Muskelaufbau von großer Bedeutung, aber auch für unverwechselbare Ausdrucksmittel des Pferdes. Eine spezielle Bedeutung hat das Biomotorische Training aber für die Bewegungseinschränkungen und Funktionellen Störungen des Pferdes, denn sie wirken sich auch auf das  psychische Erleben und Erfahrungsmöglichkeiten aus.

Dabei ist nie die Frage was der Mensch will und wie er es umsetzen kann, sondern die Frage, welchen Effekt und welche Wirkung die Handlungen des Menschen im Pferdekörper haben und welche Spuren sie hinterlassen.

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